Zu viel Melancholie ist nicht öffentlichkeitstauglich.
Die Melancholie ist die kleine Schwester des Weltschmerzes. Beides sind großartige Lebensverstärker, die unter ihrem schlechten Ruf leiden.
Sie werden oft im Dunstkreis ihrer weit entfernten, toxischen Verwandten, der Depression vermutet. Aber die macht alles platt und würde die beiden nie in ihrem Viertel dulden.
Heute überraschend festgestellt, dass ich länger bei meinem Arbeitgeber beschäftigt bin, als mein Leben aller Voraussicht nach noch dauern wird.
Überhaupt lässt sich der Ablauf der Lebenszeit in erstaunlich vielen Maßstäben beschreiben. Alle laufen auf das Gleiche hinaus: zum Alter hin wird die Endlichkeit des Lebens immer unfassbarer. Mit dem Näherrantreten an den Tod geht Übersicht verloren. Nur die Präsenz, die ist spürbar.
Der Tag besteht aus Arbeit und das Leben liegt wie eine Salatgarnitur auf dem Tellerrand. Eher zur Dekoration als zum Verzehr gedacht. Ich esse dennoch alles auf, was ich kriegen kann.
Heute Mittag unerwartet die Richtung gewechselt und mich bei schönsten Sonnenschein abgesetzt.
Im Weilburger Tiergarten die alten Wege abgelaufen. Noch nie haben mich die Fischotter so überschwänglich begrüßt. Der Elch lag müde am Wegesrand und die Wölfe straften mich mit Nichtbeachtung.
Zum Schluss fand ich dann noch einen neuen Freund. Hab ihm nicht verraten, dass er sich schon morgen eine andere Freundin suchen muss.
Waldmeister mit Zitrone oder lieber Ingwer mit Orange? Spritzig frisch mag ich meine Stimulans.
Ich sehe ins Dunkle hinaus und höre die Flugzeuge über mir am Himmel. Eins ist schon vorausgeflogen. Bald ist es Zeit, mich auf den Weg zu machen. Aber vorher spiele ich Koffer packen. Drei Sachen rein und zwei wieder raus. Es braucht viel Platz für Geschenke.
In meinen Träumen wird gepflanzt. Blumen, Wälder, Wiesen und Felder. An Orten, die denkbar ungeeignet sind dafür. Träume halt. Sie folgen ihrer eigenen Logik.
Sieht fast so aus, als traut sich mein Unterbewusstsein zu, die Klimakrise zu bewältigen. Wer hat nicht schon mal schwierige Probleme im Traum gelöst?
Die einfachere Deutung ist natürlich, dass ich mich nach dem Frühling sehne. Danach, dass die Erde erwacht und die Pollen tanzen.
Ich höre die alten Lieder und träume von gestern und morgen. Will überall gleichzeitig sein. Für eine gewisse Zeit werde ich mir die sozialen Medien vom Smartphone werfen müssen. Sicher ist sicher, denke ich und hoffe, das ist ein Plan.
Immer noch trellorisiere ich mein Leben. Packe die Teile des Lebens in virtuelle Karteikarten und bin verblüfft wie übersichtlich alles ist.