Ausmessen

Ich schreite mein Leben ab.

Schritt für Schritt messe ich mein Leben aus.

8000 Schritte bis zum Feierabend.
1000 Schritte zur U-Bahn-Station. 650 Einkaufschritte. Den Staub auf meiner Seele nach einem Arbeitstag laufe ich mir in durchschnittlich 3000 Schritten ab. Vermeintlich.
Allerdings bleibt da immer eine Schicht Gemütsstaub liegen. Für deren Entfernung müsste ich
3 000 000 000 Schritte laufen.
Das ist natürlich nur eine Schätzung von mir. Eine unprofessionelle Hochrechnung, die die Dimensionen klarmachen soll.

Also messe ich weiter mein Leben in Schritten aus. Schreite die Angst ab, die Verzweiflung und die Hoffnung.

Manchmal bleibe ich stehen und mag nicht mehr. Dann messe ich den Himmel anhand der ankommenden Flugzeuge aus.

Lieben muss man unfrisiert

„Es zeigt sich, dass der Staat mehr Freiheit vorsieht, als die gelebte Wirklichkeit in der Gesellschaft erlaubt.“

#liebenmussmanunfrisiert
Nadine Kegele
@annalieder

Getreu meinem Motto, die guten Bücher musst du in die Bibliothek tragen, stellte ich einen Beschaffungsantrag für das Buch in der Onleihe. Mein Wunsch wurde erhört und jetzt ist es dort auch für andere Leserinnen zugänglich.

660 Stenoblöcke

Astrid Lindgren hat 660 vollgeschriebene Stenoblöcke hinterlassen.

Sie schrieb ihre Bücher sehr modern: liegend im Bett.

Allerdings mit Bleistift und Block ausgestattet.

Louise Hartung schickt andauernd Blumen aus ihrem Garten in Berlin nach Stockholm und ich frage mich, wie sie das wohl gemacht hat. In welcher Verpackung die Blumen angekommen sind. Ob die Post früher blumenfreundlicher lieferte. Muss sie wohl, sonst wären nicht so viele in gutem Zustand angekommen.

Früher scheint halt doch ab und an etwas besser gewesen zu sein.

Eine Freundschaft zu halten

„Eine Freundschaft zu halten ist ungefähr das Schwerste, was es auf der Welt gibt, sie bedarf einer sorgfältigen Pflege, sonst verblasst allmählich aller Glanz, alle Wärme vergeht, und was bleibt, ist Erinnerung. Im besten Fall. Selbst die kann verblassen.“

Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

Astrid Lindgren – Louise Hartung

 

 

 

Infrage gestellt

Bloggen? Nicht mehr bloggen? Facebook, Twitter?

Kommentare? Kommentarlos. Immer wieder stellt sich die Frage in der Timeline. Manchmal folgt eine Runde aussetzen, manchmal Frust und Enttäuschung. Vereinzelt der Notausschalter.

Jede dieser Reaktionen kann ich verstehen, alle Argumente leuchten mir ein. Währenddessen läuft die Sammelmappe weiter, fast auf Autopilot. Hab es letzte Woche schon geschrieben, bei mir überwiegt, der Selbstzweck  des Festhaltens, des Dokumentierens. Ein Halt, den nur das Aufschreiben geben kann. Ich schreibe hier und schreibe dort. Mit der Hand und in die Datei, auf dem Blog, in Twitter und wo auch immer.

Ich bin nicht fasziniert von dem Austausch mit den anderen, bin eher angetan, von dem mit mir selbst. Lese, was ich vor Jahren dachte, versuche mich zu erinnern, wer ich damals war. Versuche die Frau zu verstehen, die heute müde vor dem Tablet sitzt und immer weiter dokumentiert.

Versucht ihre Leben mit allen Werkzeugen fetszuhalten.

 

Schöner Titel

Ich war wohl klug, dass ich dich fand.

 

Briefwechsel zwischen Luise Justine Mejer und Heinrich Christian Boie.

 

Wir töten Stella

„Wir töten Stella“ als Film.

Dazu gibt es kaum etwas zu sagen. Vielleicht einfach nur die Luft anhalten. Wie bei der „Wand“. Ich muss mir den Text rausholen und die Novelle wieder lesen. So böse, so traurig, so leer.

Was für eine Schriftstellerin Marlen Haushofer doch war! Eindringlich bis unter die Haut, mitten ins Herz und die Seele ausgeraubt.

Mit Worten Menschenleben bloß legen. Das gelingt ihr. Frauenleben sollte ich vielleicht schreiben. Es sind die Frauen, die sie auf den Altar des Schreibens legt.

So großartig. So traurig und so leer.

 

Dokumentationen

Dokumentieren, archivieren, festhalten. Das Leben zwischen Zeilen pressen. Mit Fotos Augenblicke festhalten.

Erinnerungen formen. Zeitpunkte herausstellen. Leben neu erzählen. Geschichten weitertragen. Ahnen und wissen.

Besessen sein vom Wiedergeben und Aufbewahren.

Die Auswahl ist diffizil. Erfordert Fingerspitzengefühl. Was ist Junk? Was ist ein Schatz? Was ist langweilig? Was überzeugend? Aussortieren ist wichtig für eine gute, eine runde Dokumentation.

Nach einer Weile entfaltet die Dokumentation ihre Faszination, ihre Anziehungskraft.

Ein wohliges Gefühl entsteht dadurch.SSehr angenehm.

 

Erklärte Lügen

Die Mützenfalterin schreibt:

Alle Erklärungen sind Lügen

Kein schöner Tag heute

Ich fühle meine Kraft täglich schwinden. Die körperliche. Die geistige Kraft. Die psychische Kraft. Auch die.

Alle Energie verschwindet in einem schwarzen Loch, das sich Alltag nennt. So richtig kann ich nichts  anfangen mit den Mythen, die sich um das zeitgenössische junge Alter ranken.

Du bist so alt wie du bist. Das ist meine Wahrheit.

Klar nehme ich mich hin und wieder als das Kind wahr, das ich einmal war, als die junge Frau, die es einmal gab.

Manchmal spüre ich diese Personen, die es früher einmal gab, in mir. Viele verschiedene Personen unterschiedlichen Alters leben in mir.

Aber wenn sich der Tag dem Ende zu neigt, bin ich müde und erschöpft. Alle Energie ist entwischen.

Ich bin alt geworden. Oder das Leben meint es alt mit mir. Das ist die Wahrheit. Die reine Wahrheit.

Und sie ist alt.