Sayaka Muraka

Ein Buch über das Anderssein. Über Angepassenheit und Individualität. Einsamkeit, Alleinsein und Zusammensein. Ein Buch über die Schwierigkeit in der Gesellschaft zum Agieren verpflichtet zu sein.
Und außerdem eine wunderbar seltsame Lebensgeschichte.
„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, daraus zu erwachen.“
Josephine Baker

Gespräch ohne Autor
Zuerst frage ich mich, was das sein soll: Ein Buch, das als Untertitel von sich sagt, dass es ein Gespräch ohne Autor sei. Herausgegeben von Angelika Klammer steht dann noch da. Angelika Klammer ist eine Lektorin, das finde ich durch googlen heraus.
Ich beschließe nun einfach das mit dem Buch zu machen, was man mit einem Buch so macht: Ich lese es.
Und das war eine gute Entscheidung.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, was im Vorwort steht. Das mit der Endlos-Datei und dass die Antworten automatisiert herausgesucht wurden. Dass sie das Gespräch ersetzen sollen. Ich habe keinen blassen Schimmer und es ist mir auch egal.
Bot ist ein wunderbares Journal-Lesebuch. Es streift viele Themen und kommt von hier nach dort. Manchmal an die entlegensten Orte im literarischen Gelände. Ich mag dieses Mäandernde.
Mich regt es zum Denken an, genauso wie zum Innehalten.
Mit fortschreitendem Alter wird das Sortieren der Zukunft zu einer wichtig, dringlichen Angelegenheiten. Akribisch wird der Ist-Stand ermittelt und trotzdem durchgängig darauf hingewiesen, wie unplanbar und unberechenbar die Zukunft daher kommt.
Aber eins wird immer klarer: Sie wird kostbarer. Jedes Tröpchen Lebenszeit wird kostbarer. Tag um Tag.
Ich reagiere mit verdichteter Dokumentation auf die vergebende Zeit. Ich halte mein Leben fest.
Und meine Liebe.
Ich ordne meine Gedanken und meine Zuversicht.
Schlage meine Erinnerungen in schöne Tücher ein, suche nach Lebensbildern und Gruppenfotos. Details werden herausgeputzt und durch gebürstet. Familienerzählungen vom Staub befreit und neu gepolstert. In den Ritzen des alten Sofas wird nach den Ahnen gefragt und der Stammbaum erforscht.
Aber vor allem eins wird getan: es wird alles aufgeschrieben.
Twitter gratuliert mir zum zehnjährigen Jubiläum. Die Online-Dokumentation meines Lebens nimmt langsam historische Dimensionen an.
Es sind die kleinen Spuren im Leben, die mich faszinieren. Die, die mich auf Abwege führen. Links und rechts vom Wegesrand.
Dreimal tief durchatmen, dann weitergehen. Für die nächste Woche habe ich mir Ruhe verordnet. Bisher ist mir nur noch nicht ganz klar, wo ich diese abholen kann.
Irgendwann, da bin ich ganz sicher, werde ich lernen, mich gut auszuschütteln.
claudia April 14th,2018
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Freitag der 13te um vierzehn Uhr, Christine.
Wisst ihr noch?
Ich habe etwas gebraucht um zu merken,
dass heute Freitag der dreizehnte ist.
Zuerst war wieder Wandertag durch Frankfurt angesagt. Keine U-Bahnen, keine Straßenbahn.
Mein kleiner roter Koffer rollt sich knatternd seinen Weg durch die Stadt. Noch bin ich gut zu Fuß und von oben bleibt es trocken.
Das miese Karma der vergangenen Tage wird in die Berger Straße eingehämmert.
Das reicht aber nicht, das langt nicht, flüstert mir das Schicksal zu. Mir reicht es nun und ich schließe meine Bürotür konsequent von außen ab.
Freiheitsberaubung für jegliches mieses Karma.
War ja klar, dass das ein Trugschluss ist. Spätestens als dann die Straßenbahn von der Seite gerammt wurde.
Alles gut, flüstere ich mir zu.
Alles, alles gut.
Würde man für jedes Opfer des Holocausts eine Schweigeminute halten, wäre es elf Jahre still.
claudia April 12th,2018
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das Herz
klopft sich durch die Magengrube
pocht und poltert
erstickt zum Schein die Kehle
um danach
höhnisch
durch den Bauch
zu kullern
„Wenn einer erst einmal beschlossen hat: Wo gehobelt wird, da fallen Späne, ist er nicht mehr erreichbar für seine Freunde, denn er hat bereits entschieden, keine mehr zu haben, er hat sie bereits alle geopfert.
Lauter Späne.“
Auszug aus dem Denktagebuch von Hannah Arendt.
Sie wäre eine geniale Bloggerin und Twitterin gewesen.
claudia April 9th,2018
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„… musz viel schlafen vermutlich Vorzustand des Sterbens, Nächte sehr perforiert …“
Friederike Mayröcker
Pathos und Schwalbe
claudia April 8th,2018
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