denn ohne dich

noch zögere ich
mit dem Liebesgedicht
aber irgendwann
nehme ich mein Herz
an die Hand
und überreiche es dir

denn ohne dich
schlägt es nicht

die erste Eidechse

Die erste Eidechse dieses Jahres huscht vor mir über den Weg. Wie heiß sich 21 Grad in der Sonne nach dem Winter anfühlen!

Seit dreißig Jahren laufen wir den vertrauten Weg an der Neckarwiese entlang. Es spricht viel dafür, dass es unser letzter Frühling dort ist.

Die Bäume haben sie regelrecht massakriert entlang des Ufers. Vielleicht waren sie krank? Immer der gleiche Gedanke, die gleiche Ahnungslosigkeit.

„Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit“ der Titel der Autobiografie von Charlotte Wolff lässt mich nicht mehr los. Das Buch eher enttäuschend. Bin mir nicht sicher, ob das an mir oder an dem Buch liegt. Den Briefwechsel mit Christa Wolf fand ich so viel inniger und intensiver.

 

Nichts zu verbergen?

Bei digitalcourage wurden ein paar Argumente zusammengetragen, die darlegen warum es naiv und gefährlich ist zu behaupten man hätte nichts zu verbergen.

ein Tag nach dem anderen

Mir kommt es immer noch wie ein Wunder vor. Tag um Tag sind wir der gleiche Mensch. Die immer gleiche Person. Jeden Tag ähneln wir unserem gestrigen Ich.
Immer haben wir Verbindung mit dem gestrigen und dem morgigen ich.

Und trotzdem besteht so ein großer Unterschied zwischen dem Kind, das wir einmal waren, der Erwachsene, der jetzt weit über 50-Jährigen.
So nah, so weit.

Das Mysterium der Zeit.
Sie tut was sie kann. Sie vergeht.

emotionale Sackgasse

Sieht so aus, als stecke ich in einer emotionalen Sackgasse fest. Ganz ohne Wendemöglichkeit.
Wer hat jemals im Leben den Rückwärtsgang gefunden?

Nun, da es sich nicht mehr ändern lässt, gehe ich Blumen pflücken am Wegesrand.

Wie dieses Märchen ausgeht, wissen wir schon.

Und wenn alle gestorben sind, hänge ich immer noch in meiner emotionalen Sackgasse fest.

Vervielfältigt

Journal02042018

Zufriedenheit ist höher zu bewerten als Glück.
Vielleicht eine dieser Weisheiten, die erst das 50+ Alter möglich macht.

Mit dem Licht bringt der Frühling gute Laune mit. Die Pollen fliegen schon eine Weile, aber noch reicht die Kraft, den kleinen Attacken etwas entgegen zusetzen.

„Was uns nicht umbringt, härtet uns ab.“ Sprüche einer trostlosen Umgebung. Ohne Trost. Ohne Wert.
Jetzt kommt die Abrechnung der Vergessenen.

Journal01042018

Ostern, 1. April, Vollmond – alles zusammenfallend.
Die Magie der Zeit und des Wetters. Hier ist es nur trüb und grau, woanders melden sie Schnee und Stromausfall.

Die Katze schleicht um das Haus und hält Abstand von den Menschen. Sie wird ihre Erfahrungen gemacht haben und ist lernbereit.

Fehler wiederholen

Beim Lesen der Tagebücher und Briefe aus der Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg habe ich das starke Gefühl, dass sich die Geschichte doch noch mal wiederholt. Die Menschen lernen nicht. Oder noch schlimmer: Sie lernen nicht in dem Sinn, der die Menschheit weiter bringen würde.

Fehler wiederholen sich. Tag für Tag.
Wie durch einen Sog werden wir angezogen von einem dunklen Strudel, der uns unerbittlich in die Tiefe reißt.

Die Gehirne sind längst ausgeschaltet bzw. sie laufen in einem Modus, der der Welt Verderben bringt.
Im Großen wie im Kleinen.

Mit einer beispiellosen Dekadenz verabschieden wir uns, aus der Menschheitsgeschichte.
Was wird getan und unterlassen haben wird unerklärbar sein.

„Die Schande trägt die Welt.“ aus den Tagebüchern von Thomas Mann

Das Böse

“Es gibt Menschen, die in einem das Böse entwickeln. Oder das Faule, Stupide, Unfruchtbare. Sie schweigen, und in einem selbst ist alles ausgelöscht, als gäbe es auf der Welt nichts mehr zu empfinden und zu sagen.“

“… die Not bewirkt, dass die Menschen sich verschließen. Wenn jemand nicht mehr auftreten kann, nicht mehr lächelt und Optimismus zeigt und nicht mehr im Stande scheint, sich vielleicht doch selbst zu helfen, wenn er verbittert, böse ist, eine Anklage gegen die menschliche Gesellschaft -, dann hilft ihm niemand.“

aus den Tagebücher von Marie Luise Kaschnitz im Oktober 1938