Von Bedeutung
Wenn ich ein Licht auf ein Grab stelle, bewirkt das nichts, aber es besagt viel.
Wenn ich ein Licht auf ein Grab stelle, bewirkt das nichts, aber es besagt viel.
Freundlichkeit wird unterschätzt.
Erstens in der Wirkung, denn je schlechter es dir geht (bzw. je weniger Privilegien du hast) desto mehr wirkt Freundlichkeit und Unfreundlichkeit auf dich ein.
Zweitens wird der Ressourcenverbrauch für Freundlichkeit unterschätzt.
In vielen schlecht bezahlten Berufen wird die Ressource Freundlichkeit zynisch ausgebeutet.

Die Autokorrektur hasst mich. Anders ist ihr Verhalten nicht zu erklären.
Eine leichte Heiterkeit begleitet meine Tage. Federleicht.
Wie hingehaucht.
»Wenn er mich immer frägt.« Das ä, losgelöst vom Satz, flog dahin wie ein Ball auf der Wiese.
Kafka ist halt immer gut.
Heute ist der Tag an dem Virginia starb.
Glücklich und zufrieden zog sie ihren kleinen roten Rollkoffer im strömenden Regen quer durch die nahverkehrsberuhigte Stadt. Frankfurt im Warnstreik mit S-Bahn-Tunnelsperrung führt zu neuen Eindrücken. Die Menschen tasten sich anhand von Google-Maps-Ausdrucken und mit Hilfe von Handy-Displays durch die Stadt. Mich führt die Navigationsstimme freundlich 360 Grad über fünf Straßenkreuzungen zur Straße, von der ich gleich hatte rechts abbiegen können. Ich bin klatschnass und der Koffer scheppert durch die Straßen. Macht gar nichts, wenn eine glücklich ist.
Ein kleines Stück vom Glück. Das reicht für mich.
Das Heimatministerium stellt seine Führungsriege vor. Eine geballte Ladung Männlichkeit. Ein Bild sagt in diesem Fall mehr als 1000 Worte.
Hinter jedem Mann steht eine mitgemeinte Frau. Vor ein paar Jahren noch, haben sie solchen Unsinn ganz offen gesagt.
Heute ist es ihnen dann selbst nicht geheuer. Sie nehmen das Bild ganz schnell wieder weg und lassen uns eine menschenleere Heimat übrig.
Wahrscheinlich üben sie sich noch in heimatlicher Verschleierungstaktik.
„Zerwürfnis mit dem Pudel wegen seiner Unfolgsamkeit nach Auffindung abstoßender Dinge.“
So kann man das auch ausdrücken.
Auf meiner emotionalen Landkarte sind viele kleine Dörfer eingezeichnet. Verbunden durch eine Straßenbahnlinie, die mich durch meine Kindheit und Jugend fährt. Es tauchen Feldwege auf und Einbahnstraßen, ein großer Fußballplatz, ein Reitplatz und ein Bach.
Hinter den Feldern liegt ein Wald, der sich durchstreifen lässt. Der Material für Pfeil und Bogen bietet. Höher, schneller, weiter wollten wir schießen. Erst spät kam die Erkenntnis, dass aus dem Spielzeug auch eine Waffe werden kann.
Mit der Pupertät begann das Spiel mit dem Feuer. In unserem Fall ganz wörtlich, Tag um Tag entfachten wir unsere Feuer. Kleine und große. Als Lagerstätte oder als Flächenbrand.
Mit jedem Lebensjahr begann sich unsere Landkarte auszudehnen. Jetzt kamen Kinos dazu, Eisdielen und Pommesbuden. Mofas knatterten in alle Richtungen. Auf vertrauten Wegen, aber auch abseits von allen eingezeichneten.
Irgendwann kam der Zeitpunkt, da reichte mir die Ansicht der Karte nicht mehr. Es war Zeit geworden, eine weitere Faltung aufzuklappen. Jetzt lag mir sozusagen, die Welt zu Füssen. Erst nur als Sehnsuchtsort.
Dann als mein Leben.
Fortsetzung folgt.
bitte nicht
einigeln!
es ist zu früh
für den Winterschlaf
und zu ernst
für die Totenstarre
„Heimat ist diese geistig-seelische Verbundenheit, die sich als Netz zwischen Menschen spannt.“
Das Zitat ist von Christa Wolf und stammt aus dem Briefwechsel mit Charlotte Wolff.
„Ja, unsere Kreise berühren sich“ ein wunderbarer Titel für ein schriftliches Gespräch.
Neugierig auf dieses Buch hat mich Julia auf Twitter gemacht.
Ein kleiner literarischer Schatz, würde ich sagen.
Bin glücklich, dass ich ihn gefunden habe.
„Töchter“ heißt das Buch von Lucy Fricke und handelt von zwei Freundinnen und ihren Vätern.
Rasant geschrieben ist es und kein bisschen geizig. Viel Witz, viele Anekdoten, viel Dramatik, viele Anspielungen, viel Wortakrobatik.
Von allem viel. Was der einzige Nachteil dieses Buchs ist, das noch ein bisschen mehr könnte, wenn es auch etwas leiser ginge.
Aber das ist nur mein eigener, mein persönlicher Einwand. Das ist das Potential nach oben, das auch noch da wäre. Auch so wie es geschrieben ist, ist es ein außergewöhnlicher Roman.
Unterhaltsam und voller Spannung.
Wir haben inzwischen eine gute Zeit miteinander, meine Krise und ich.
Ach, das ist keine existentielle Krise. Mehr so eine literarische Krise. Damit lässt es sich gut kokettieren.
Zum Welttag der Poesie noch das Gedicht „Wort an Wort“ von Rose Ausländer auf mich wirken lassen.