
Porträtfoto Claudia
Der Schreibtisch ist heute nicht mein Freund. Er arbeitet gegen mich und meine Ordnungsliebe.
Zum Glück konnte ich heute dem Morgen eine Stunde Stille entwenden. Stille ist kostbar. Selbst wenn sie leicht mit dem Geräusch der einfliegenden Flugzeuge unterlegt erscheint.
Der Blick auf den weißen Schnee weitet das Herz. Der Effekt stellt sich auch nach fast sechs Jahrzehnten ein. Obwohl ich ihn heute ganz und gar nicht brauchen kann und die Glätte mich verunsichert.
Aber dieses Licht! Diese Helligkeit!
Für einen Moment vergesse ich, das Hindernis.
Heute war so ein Tag mit viel Arbeit und noch mehr Arbeit auf der Warteliste. Privat und dienstlich: die Listen werden länger und breiter. Vermehren sich aus dem Nichts.
Länger wird auch meine Leseliste, ich schleppe Bücher an, lasse mir welche schicken und die ausgeliehenen Medien in der Onleihe bewegen sich zum ersten Mal im zweistelligen Bereich.
Jetzt wird es Zeit wieder auf die Bremse zu treten, damit diese Listenlawine sich nicht in Bewegung setzt und mich unvermittelt unter sich begräbt.
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Der Schrecken verliert sich vor Ort. Bin nicht ganz sicher, ob ich dem Titel vertraue. Lasse mich aber lesend in die Versuchung führen. Aber wie wappnen gegen die Grausamkeit und die Verrohung der Menschheit?
Unbehaust – in der ard-Mediathek ist gerade ein wunderbares Radio-Interview mit Elke Brüns über ihren Essay „unbehaust“ verfügbar. Eine gute Hilfe um den eigenen Armuts-Bewusstseins-Filter wieder einzuschalten.
„Ein freundliches Gespenst ängstigt uns mehr als ein widerlicher Mensch, und das ist nicht ganz zu verstehen.“
Marlen Haushofer – sie verfolgt mich ein bisschen. Hab jetzt gelesen, dass nach „Die Wand“ und „Wir töten Stella“ jetzt auch „Die Mansarde“ verfilmt wird.
Was diese Frau mit Sprache als bloß legt. Fast im Vorbeigehen, leise und nebenbei legt sie Wunden frei. Löst Schmerzen aus.
Frauenleben tiefgespült.
claudia März 18th,2018
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heute
und nicht nur heute
atmet es sich schwer
leichter wäre es
wenn die Luft dünner wäre
hauchzart
hauchfein
ein Hauch von Leben
ausgehaucht
Der Frankfurter Bahnhof ist ein gefährlicher Ort.
Das muss ich erst mal wirken lassen, denn der Frankfurter Bahnhof ist doch quasi das Wohnzimmer von mir.
Die Polizei könnte sich dort nicht mehr durchsetzen, lese ich und merke dann, dass das Bahnhofsviertel gemeint ist.
Nun ja, das Bahnhofsviertel ist nicht gerade mein Wohnzimmer. Es ist mehr als der Bahnhof noch ein Ort des Ankommens, Abfahrens, Weiterziehens oder „Ich sehe mich mal um“.
In Frankfurt mit der Besonderheit des Rotlichtsviertels bzw. der Kaiserstraße. Die sich die Mittelstandsehepaare so gerne ansehen und dann erzählen: dann sind wir dann die Kaiserstraße entlang gelaufen.
Mit diesem entzückenden kleinen Kitzel und die Ehefrau ahnt nicht, dass ihr Ellenbogenpartner genau weiß, in welcher Querstraße es das “ Angebot“ gibt, das er zu schätzen weiß.
Langsam dämmert es mir, warum ich dieses Deutschland nicht mehr verstehe. Diese Scheinheiligkeit. Dieser Realitätsverlust.
Habt ihr wirklich vergessen, dass das Leben keine Puppenstube ist?
Habt ihr vergessen, dass Deutschland Exportweltmeister von Waffen ist? Dass Deutschland Gewalt exportiert?
Der Frankfurt Bahnhof – ein gefährlicher Ort – ganz sicher:
Denn hier gehen Menschen aus und ein.
Unter Bergen von Schweigen, die Schreie verwahren.
Tag der kleinen Freuden. Mitmachen kann jede.
Alles ausgemacht bis in das kleinste Detail, dann kommt das Wort, dass die Wirklichkeit zum Rasen bringt.
Der Staub der Arbeit bröckelt von meiner Seele. Löst den Panzer, den dritten und vierten Schutzschild.
Jetzt realisiere ich erst, dass Stephan Hawking am Pi-Day starb. Im englischen wird das Datum ja etwas anders sortiert also wird aus dem 14.3 die 3.14.
Heute ist er gestorben und wenn ich trauere, dann kommt natürlich die große Trauer um die Freundin wieder hoch.
So viel Leben, dann der Tod.
claudia März 14th,2018
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Meine Lebenslautstärke ist schon aus Prinzip auf leise gestellt.
Aber die letzten drei Tage habe ich den Ton fast vollständig gemutet.
Je leiser, desto wohler ist mir.
Mein Paradies wäre auf jeden Fall schallgedämpft.
Ich sehe die Serie LOVE auf netflix an und hab die französische Tonspur eingestellt. Es kann nicht schaden, mich wieder auf den französischen Klang einzustellen. Mich in sie hineinzuhören, um das Wichtigste nicht zu überhören.
Dazwischen bleibt noch Zeit zum Träumen, Zeit zum Lesen.
Alles wird gut!
Es wird doch alles gut?
Noch ein Google-Tool.
Ngram sucht die Häufigkeit von Worten in Büchern und zeigt ein Diagramm mit Zeitleiste an.
Cool.
claudia März 10th,2018
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Wenn das mit dem Handauflegen schon nicht klappt, wünsche ich mir wenigstens mentale Heilungskräfte.
Überhaupt: ist es nicht seltsam, dass die Kraft der guten Gedanken so wenig bewirkt?
Sie fühlen sich oft so voller Power an. Alles muss jetzt gut gehen, weil so viele gute Gedanken auf ein tolles Ziel gerichtet sind. Aber das Schicksal interessiert das nicht. Es treibt sein eigenes Spiel und verrät seine Spielregeln nicht.
Ganz klar ist nur: Gerechtigkeit scheint kein Masstab zu sein, den es irgendwie interessieren könnte.
C’est la vie.
Du wirst es nie verstehen.
Nur von Jahr zu Jahr wirst du demütiger werden.