Die Tradition der Traditionslosigkeit.
Ein Ausdruck, der sich in meinem Kopf festsetzt, aber woher kam er bloß?
Krankenwache. Still und leise. Die bosen Geister fernhalten und auf das gute Karma warten.
Unruhe in Geschichten packen. Viel zu spät bemerkt, dass ich sie meiner Umgebung schuldig bin.
Überhaupt: die Schuldfrage bringt mich am Morgen in Rage. Wie Worte das Blut in Wallung bringen. Maßgeblich für das Ausmass der Wallungen ist die Sympathie zwischen den sendenden und empfangenden Personen.
Irgendwo im Mittelfeld liegt dann der „Ist mir doch ganz egal“-Modus.
Weltfrauentag.
Nicht vergessen.
Die Timeline schäumt gerade zu über. Spült von unten nach oben und wirbelt die Prioritäten wild durcheinander.
Zu laut für das Krankenbett.
Unter den formalisierten Journal-Titel fällt mir das Bloggen leicht. Zur Zeit wenigstens.
Am Liebsten mag ich Menschen mit kühlem Kopf und warmen Herzen.
Der formalisierte Journal-Titel steht für den von mir gemochten kühlen Kopf. Je kühler, desto besser. Allerdings nur, wenn er von einem warmen Herzen begleitet wird.
Das warme Herz ist ohne den kühlen Kopf aufgeschmissen. Schmilzt dahin und endet in der Belanglosigkeit.
Sie brauchen sich gegenseitig. Genauer gesagt, sie können nur im Gleichgewicht zueinander existieren.
Ein Hoch auf die Balance der schwierigen Sachen!


Claudia
Der Frühling kündigt sich an. Mit Licht und Wärme. Am meisten überrascht mich die Wirkung des Lichts. Trotz der Überdosis aus der Karibik, fühlt sich dieses Vorfrühlingslicht ganz toll an.
Der Zauber des Wachstums lässt sich schon erahnen. Die Magie des Lebens erwacht aus ihrem Winterschlaf.
Gerade bin ich schmerzbefreit und frei von jeglicher Allergie. Jede Faser des Körpers ist auf Veränderung eingestellt.
Jeder Morgen ist ein Versprechen.
Da machen sich gerade ein paar Menschen auf, die Blackbox Schufa und ihren dunklen Algorithmus zu erkunden.
Sie wollen feststellen, ob sich die Vermutung bestätigt, dass das bisherige Verfahren diskriminiert und bestimmte Bevölkerungsgruppen benachteiligt. Sie nutzen dazu das Recht auf Selbstauskunft. Außer Selbstauskünften sammeln sie auch noch Geld für ihr Vorhaben.
Die Schufa selbst findet das nicht so gut und wettert gegen die Initiative. Sie verbreitet, dass eine Offenlegung des Algorithmus zu betrug führen würde. Hat aber offensichtlich nichts dagegen, wenn durch die Intransparenz Menschen von der Schufa betrogen werden, z.B. weil auf veraltete Daten zurückgegriffen wird.
Das Argument Transparenz würde zu Missbrauch führen ist alt und unsachlich. Es passt nicht in eine freiheitliche Gesellschaft. Ich bin jedenfalls gespannt, wie weit diese Bürgerbewegung kommt.
Woche für Woche die intensiven Leseaufbereitung aus den Jahrestagen von Uwe Johnson durch Birte Förster bei der FAZ. Die Woche mit Frau Cresspahl.
Ich bin etwas in Rückstand geraten. Diese Bände könnte ich auch in einer Unendlickeitsschleife lesen. Neu beginnen, wenn ich am Ende angelangt bin. Aber die Lesebegleitung ist natürlich noch eleganter. Führt durch das Dickicht, den Untergrund, aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
Gestern ist Gesine Cresspahl 85 geworden. Zuerst hatte ich wäre geschrieben, aber dann fragte ich mich, warum sie denn gestorben sein sollte. Nichts spricht dagegen, dass sie gestern ihren Geburtstag feierte.
Linktipps von Birte Förster zu den vier Bänden der Jahrestage:
Kleines Adressbuch für Jerichow und New York
Kommentar zu den Jahrestagen – Uni Rostock
Weiß. Heute gibt es einen Blick in weiß.

Der März zeigt sich noch mal von seiner winterlichen Seite. Die letzten zwei Tage hat er uns klirrend zittern lassen, heute hat er uns in der Nacht eingeschneit. Nun ja, was wir hier eben so als Schnee bezeichnen. Ein bisschen mehr als eine PuderzuckerSchicht.
Im Laufe des Tages erfolgt seine Verwandlung in eine braune, schlammige Masse.
So schnell verliert sich der Zauber eben wieder. Alles wie im richtigen Leben.
Das Licht birgt die Hoffnung. Lässt den Frühling ahnen. Er ist nicht mehr weit, sagen mir auch die zwitschernden Vogelstimmen.
Bald ist es soweit.
»Schweren Herzens haben wir von John Abschied genommen«, stand auf unserer Danksagungskarte an Angehörige und Freunde. Die Karte mit dem Bild von John steht auf meinem Schreibtisch, jeden Tag sehe und lese ich sie, und deshalb habe ich mein Buchprojekt »Schweres Herz« genannt. Ich werde hier nun einfach mal die ersten drei Kapitel einfügen, die mehr oder weniger fertig sind. In den nächsten Monaten habe ich leider wieder viel Arbeit, so dass ich nicht weiß, wie sehr ich dazu komme, die weiteren Kapitel zu überarbeiten. Aber es hat ja auch keine Eile.
claudia März 2nd,2018
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1 Comment
Jedes Jahr diese Ungeduld zum Ende des Winters. Diese Sehnsucht nach Licht und Wärme.
Seltsam das Leben in einem Land, das den Wechsel des Lichts in dieser Form nicht kennt.
Ich lenke mich ab und drehe mich im Kreis. So viele Geschichten, die nicht erzählt werden sollen. So viele Geheimnisse, die verborgen werden. Mit Mühe und unaufhörlich. So viel Energien verbuddelt. Ganz tief und unauffindbar ist das Ziel.
Zarte Pflänzchen wachsen darüber. Zuwendung und Liebe, wo früher nur Aggression und Häme war. Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Eine banale Erkenntnis, die sich immer wieder neu ihren Weg in mein Bewusstsein bahnt.

Es gibt kein faires Smartphone. Das war das Erste, das ich gelernt habe, als ich mich nach einem neuen Smartphone umgeschaut habe. Aber es gibt mit dem Fairphone einen Versuch, so wenig unfair wie möglich beim Bau eines Smartphones vorzugehen.
Gelernt habe ich jetzt, dass das seinen Preis hat. Nicht nur bei der Anschaffung, auch bei der Stabilität des Systems, bei der Haltbarkeit.
Ich habe mein Fairphone irgendwann im Sommer 2015 bestellt und bezahlt. Geliefert wurde es zum Jahreswechsel 2016. Seither habe ich einen Ersatzakku, zwei regular case und heute ein Slimcase in korallenrot mit seltsam blauen Tastern ausgetauscht.
Für den Preis der Ersatzteile hätte ich in der Zwischenzeit sicher ein günstiges Smartphone erwerben können.
Der Herzensmensch sieht mich immer spöttisch an, wenn ich wieder eine Lieferung von dhl für das Fairphone entgegennehme oder mit mürrischen Gesicht mein Handy auseinandernehme, weil es wieder mal eingefroren und abgestürzt ist.
Trotzdem bleibe ich dabei: es ist wichtig, es zu versuchen. Es ist wichtig neue Wege zu gehen.
Nachhaltige Wege.
Je mehr sie gegangen werden, desto angenehmer werden sie.

Softeis-Maschine in Havanna mit Eisverkäufer
Heute ungefähr so in Form wie ein nasser Waschlappen. Kondition gleich null. Vielleicht sogar leicht unter null.
Aber dafür mächtig Freude über den Anruf aus Kuba zu nächtlicher Zeit. Anzeichen von Anhänglichkeit und sich nicht losreißen können. Vergnügt darüber, das richtige Geschenk ausgesucht zu haben.
Glück.
Das nennt sich wohl glücklich sein.