Mit dem Wunsch nach Frieden

Mit dem tiefen Wunsch nach Frieden sehe ich dem Jahreswechsel entgegen. In der kindlichen Hoffnung, dass Sehnsucht die Welt verändern könnte.
Es sieht nicht gut aus. Aber wer sagt, dass es immer so weiter gehen muss?

Meine Lebenszeit wird mir immer wichtiger. Immer weniger mag ich davon vergeuden und verprassen. Das Leben ist fragil. Schicksalsschlag lauern und machen sich zum Sprung bereit.

Ich wappne mich mit Liebe im Herzen. Der einzige Ausweg, der mich jemals irgendwo hin brachte.

Überhaupt ist das die Lösung für so vieles.
Liebe im Herzen.

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals: Zelda und F. Scott Fitzgerald

Ein rasanter Titel für eine Doppelbiografie über zwei rasante Leben. Die Goldenen Zwanziger Jahres lassen es krachen und immer dort, wo es am schillerndsten ist, taucht dieses Ehepaar auf. Das Fest ist rauschend, der Kater gewaltig. Zwei Menschen zerbrechen.
Ich wollte mehr über Zelda Fitzgerald erfahren und weiß nun nicht so recht, ob ich in dieser Hinsicht klüger geworden bin.
Die häusliche Gewalt wird kaum angesprochen, viele Hintergründe bleiben unklar.

Unwillkürlich fragt man sich, was wäre aus Zelda Fitzgerald geworden, wenn sie ein bessere medizinische Behandlung gehabt hätte? Aus heutiger Sicht, würde bei ihr als Jugendliche sicherlich ADHS diagnostiziert. Die Aussichten für sie ein selbstbestimmtes Leben zu führen, stünden heute besser, aber dann fällt einem wieder ein, wie wenig das im individuellen Einzelfall manchmal nutzt.

Es geht eine tiefe Traurigkeit von den beiden Lebensbiografien aus.

Hochsensibilität

Mir gefällt das Wort nicht: hochsensibel.
Oder Highly Sensitive Person auf Englisch.

Das klingt abgehoben. So nach etwas Besonderem und vorallem hört es sich an, als seien andere Menschen nicht empfindsam. Für mich fühlt es sich auch anders an.
Überempfindlich trifft es in meinem Fall besser. Mein Bild mit der Mimosenseele finde ich passend. Manchmal auch das der Schnecke, denn die ist nicht nur langsam sondern zieht sich bei Berührung schnell in ihr Haus zurück.

Aus hochsensibel wird schnell mal ein Mix gemacht, da sind die betreffenden Personen auch gleich hochintelligent und hochbegabt. Hauptsache „hoch“, so scheint es. Hoch über den Wolken in Wolkenkuckucksheim.
Ach nein, da wollen sie dann doch nicht sein. Denn das „hoch“ bezieht sich auf den Vergleich zu anderen Menschen.

Das ist kein Bild, das mir zusagt. Aber ein Bild brauche ich, um meine Situation zu verstehen. Um mich in der Welt zu verorten und meinen Platz in der Gesellschaft zu begreifen.

Nur als Kind war das für mich nicht notwendig. Bis ich acht oder neun war reichte es mir, mich in mir selbst zu verorten. Dann stand ich vor der Wahl: Entweder ich klinke mich in die Erfahrungswelten meiner Mitmenschen ein oder ich werde ständig Konventionen, Regeln und Menschen verletzen. Das wollte ich auf keinen Fall. Dazu war ich zu weiblich sozialisiert. Ich wollte mich anpassen. Nett sein. Keine Menschen versehentlich verletzen.

Es war ein langer und harter Prozess. Einer der erst in die eine Richtung überdrehte, dann in die andere. Es dauert bis heute an, dass ich die Balance suche, zwischen meiner Empfindlichkeit und der von anderen. Zwischen meinem Bedürfnis nach Ruhe und meinem Wunsch mich nicht gänzlich abzuschotten.

Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Theorie dazu. Das ist schade, denn mir würde sie helfen. Meine eigene Analyse dazu ist, dass es eine Form der Reizüberflutung ist. In meinem Fall der visuellen Reizüberflutung, denn alle anderen Sinne kann ich „abstellen“. Ich kann mitten im Fabriklärm stehen und den Lärm ausblenden. Gerüche kann ich bis zu einem bestimmten Grad ignorieren. Aber die visuelle Reizüberflutung macht mich kirre.

Was ich auch kann, ist mich in Menschenmassen zu bewegen, zu denen ich keinen Kontakt habe. Große Konferenzen und Zusammenkünfte. Auch Demos. Aber es überfordert mich, wenn ich ein Gespräch mit mehr als fünf Leuten gleichzeitig folgen soll. Oder ein Rahmen, der von mir ständig eine vorgegebene soziale Interaktion erfordert.

Das ist hinzunehmen. Das bin ich. Das ist Teil meiner Persönlichkeit und meine Aufgabe ist es damit klarzukommen und diesen Teil so in mein Leben zu integrieren, dass ich als sozial verantwortliche Person agiere.

Nichts daran ist hoch.

Oder vielleicht doch.

Manchmal ist es hoch kompliziert.

Weltliche Sorgen

„Wer sich Sorgen um die Welt macht, muss in die Politik.“

Das Zitat ist anders gemeint, aber diese besorgten Bürgerinnnen, die sich in Politik versuchen, sind bei manchen Menschen die Ursache über die Sorgen um die Welt.

Trotzdem stimmt der Kern dieser Aussage. Wir brauchen mehr denn je Menschen, die sich einsetzen. In der Gesellschaft, aber auch in der Politik. Wir brauchen mehr Menschen, die sich auch in die nicht so spannenden Materien einarbeiten. Die sich mit den Themen beschàftigen, die nicht auf Anhieb sexy sind. Wir brauchen Demokratie-Ausbauerinnen. Verteidigerinnen. Innen und außen.

Wir brauchen Erklärerinnen und Vordenkerinnen.

Menschen, die an der Demokratie hängen, sich dazu bekennen und sie hegen und pflegen. Demokratie-Pflegerinnen also. Und Aufzuchtstationen.

Aber vorallem brauchen wir Menschenliebe.
Mehr als alles andere auf der Welt.

Festliches Innenleben

Weihnachten ist zum Ausruhen da. Eine Auszeit nehmen und drüber nachdenken, was noch alles Kommen mag. 2016 hatte viel zu bieten. Wenig Lamatta, aber dafür viel Kram, den niemand mag.
Es steht zu befürchten, dass das nur die Aufwärmphase war. Die Zeiten andern sich gravierend. Zivilcourage wird ganz praktisch gebraucht werden. Und Nachhaltigkeit. Mehr als jemals zu vor.

Ich gehe pessimistisch in das Neue Jahr. Das entspricht meiner ureigenen Tradition. Ich male mir das aus, was mir am Schlimmsten scheint aus, um mich darauf vorzubereiten. Dann kommt es nicht so schlimm, rechne ich für mich. Aber in den letzten beiden Jahren klappt das nicht mehr.
Es kommt schlimmer als gedacht.
Mein Pessimismus reicht nicht mehr aus, meine Fantasie stößt an ihre Grenzen.

Mein inneres Kind lacht sich schlapp über mich.

Überlebenslyrik

die ruhigen Tage
ins Herz fallen lassen
so tief, dass sie mit Genuss
in die Seele plumsen

Himbeeren mit Sahne im Ritz

Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald

Wie auf einer Bühne treten in diesen Geschichten die Frauenfiguren auf. Sie inszenieren sich und ihr Leben im Rampenlicht. Wollen sichtbar sein. Eine Rolle spielen. Manchmal so scheint es, um jeden Preis.
„Doch die Ereignisse, die zusammengenommen ihr Leben ergaben, ließen sich nicht miteinander in Verbindung bringen, und wenn sie ans Altern dachte, fühlte sie sich, als wäre sie eben erst geboren worden; aber nicht in eine Familie oder ein sicheres Zuhause hinein, in dem man sich hätte einrichten oder gegen das man hätte rebellieren können.“

Die Sprache der Geschichten ist opulent und bildgewaltig. Menschen, Landschaften, Interieurs und Stimmungen sind grandios beschrieben.

Die Erzählungen in diesem Buch wurden früher vor allem in Zeitschriften entweder unter den Autorennamen F. Scott und Zelda Fitzgerald manchmal sogar nur unter dem Namen ihres Ehemanns veröffentlicht, da sie dann mehr Honorar einbrachten.

Vorweihnachtliches

Es wird ruhiger auf dem Büroflur. Im Laufe der Woche verabschieden sich nach einander die Kolleginnen. Die Türen klappern, die guten Wünsche werden hin und her getauscht. Gedämpft und demütig in diesem Jahr. Gesund zurückkommen – wir wissen jetzt alle, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Ich mag diese Zeit, wenn alles langsam ruhiger wird. Hier drinnen zuerst, dann auch draußen. Irgendwann.
Zunächst gibt es dort noch mal Hektik und Stress. Der Konsummotor jault auf und quietscht. Aber auch er kommt vorübergehend zum Stillstand. Ganz kurz. Bis er nach den Feiertagen mit einem kleineren Gang in die Gutschein- und Umtauschphase startet.

In meiner ganzen Lebenszeit war immer auf den Konsum Verlass. Er hat sich durchgesetzt. Gegen alle Vernunft, allen Fakten zum Trotz.
Er wird weiterhin das verbindende Glied sein, auch wenn uns der Rechtspopulismus überrollt.

Wir ernten, was wir gesät haben.

Wir ernten, was wir gepflegt haben.

weiche Ziele

Tränen und Trauer am heutigen Tag.
Unheil. Glimpflich. Terror. Gerüchte. Hetze. Lügen. Panik.
Es wird gewarnt. Es wird genörgelt. Es wird in die Leere hinein berichtet.
Wir wollen wissen und wenn wir nicht wissen können, wollen wir fragen auch wenn es keine konkrete Antwort gibt.
Sachlichkeit wird vorgetäuscht.
Ein Codex gegen einen anderen ausgetauscht.
Die Toten sind tot. Die Verletzten leiden und sterben.
Die Tränen fließen.

Wir schauen zurück. Terror wird aufgespürt. Aufgeschreckt.
Ein Unfall wäre eine Enttäuschung.

Rechts wird es verdammt laut. Aber nicht sicher.

Auf dem Prüfstand werden Opfer gebracht.

Meine geniale Freundin

Cover: Meine geniale Freundin

Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

Der erste Band der neapolitanischen Saga der Autorin, die unerkannt bleiben wollte und nun doch an die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Von diesem Buch geht eindeutig ein Sog aus, der mich total erfasste.
Rein in die Geschichte und wissen wollen, wie es weiter geht. Was passiert da? Wie dreht sich das Schicksal? Wer wehrt sich? Wer duckt sich? Warum um Himmels Willen, lässt sie das jetzt zu?
Die Erzählung ist rasant und tiefgründig. Die Sprache eher einfach.

Von der Presse und dem Feuilleton wurde das Buch in den höchsten Tönen gelobt und ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, ob das Lob in diesem Ausmaß gerechtfertigt ist. Außer diesem Sog, der von dieser Geschichte ausgeht, habe ich keine weiteren Argumente gefunden.

Ja, die Sprache ist einfach.
Ja, die Geschichte wird zwischendurch etwas geschwätzig.
Ja, die Figuren haben ihre Schwächen.

Aber, das alles reicht nicht, um der Geschichte ihren Glanz zu nehmen oder ihren Figuren die Anziehungskraft. Ich will mehr wissen über Lila und Elena. Ich will wissen wie ihr Leben weitergeht und wohin das Schicksal sie führt.