Helga hat auch keine Lösung gegen den Hass parat. Aber sie legt den Finger in die Wunde.
Rechts ist da, wo es weh tut.
Rechts ist da, wo der deutsche Staat blind ist.
Rechts ist dort, wo die Medien gern mal mit dem Feuer spielen.
Rechts ist das, was uns gerade um die Ohren fliegt.
claudia November 20th,2016
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Der Mond kommt von links und jedesmal denke ich, das kann er gar nicht sein.
So viel Licht kann sich doch nur spiegeln! Die geballte Macht der Elektrizität wird sich irgendwie im Fenster fangen. Die Nacht ist dunkel und nur der Vollmond schafft es, sie zu erhellen.
Doch jeden Abend habe ich Unrecht. Der Mond kommt von links und leuchtet durch die Dunkelheit.
Lass es ein Zeichen sein, wünscht sich die Verzweiflung in mir.
Lass es ein Zeichen sein!
Der Mond leuchtet und strahlt so hell,
er wandert durch das Fensterglas
bis er erlischt am rechten Rand.
claudia November 19th,2016
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Tony Soprano stirbt nicht von Antonia Baum
„Du schreibst mit Blut, dachte ich, und ich schrieb weiter.“ Der Vater der Autorin verunglückt schwer mit seinem Motorrad und die erwachsene Tochter versucht zu begreifen, indem sie das tut, was ihr Beruf ist: sie schreibt.
Sie schreibt über die letzte verpasste Umarmung und über die Fragen, die den Wartenden im Krankenhausflur durch den Kopf gehen.
„Vielleicht hatte jemand kurz auf Pause gedrückt.“ Aber es hat niemand gedrückt. Die Protagonistin verwandelt sich zur Autorin und wieder zurück. Es ist nicht ganz klar, wer schreibt und wer fühlt.
Ein Wechsel der Distanz und der Perspektiven, um sich mit dem Unfassbaren auseinander zu setzen.
Mich hat die Geschichte tief berührt.
Was Sprache anrichtet, ist gut und umfassend untersucht. Es ist ein Zeichen von Respekt, sie mit Würde zu verwenden. Gerade im Alltag.
Dass auf einem Parteitag der Grünen davon gesprochen wird, es könne ein „Zu viel“ an „politischer Korrektheit“ bzw. „Political correctness“ geben, zeigt, dass die Sprache der rechten Populisten schon tief in der Mitte angekommen ist.
Auf Twitter schreibt Hannig Voigts „Wir müssen dieser Tage offenbar wieder verstärkt daran erinnern, dass „political correctness“ vor allem ein rechter Kampfbegriff ist.“
Das ist die traurige Wahrheit über unseren aktuellen Sprachgebrauch: die Sprache der Rechten hat es in die Medien und in die Parlamente geschafft. Sie durchzieht unseren Alltag und schafft es, dass wir auf Ebenen zu diskutieren beginnen, die nicht verhandelbar sind. Freiheitsrechte, Grundrechte und Menschenrechte beispielsweise.
Es gilt, diese Kampfbegriffe zu entlarven und sie in der rechten Ecke stehen zu lassen. Ein Zu viel an Respekt und Würde kann es nicht geben. Sprache ist wichtig und prägsam. Ihre Deutungshoheit sollten wir uns nicht entreißen lassen.
Für mich gilt ganz besonders: Ich wünsche mir eine gewaltfreie Sprache.
Eine gewaltfreie Sprache als Wegbereiterin in eine gewaltfreie Welt.
Ihr seht, ich kann noch träumen.

Das kleine Bändchen mit den Redensarten rund um Kleidung und Stoff hat es mir angetan. Veröffentlicht wurde es von Susanne Schnatmeyer, die auf Textile Geschichten bloggt.
Die Autorin hat viele Quellen zu den rund vierhundert Redewendungen auf 150 Seiten recherchiert und nachgeprüft. Die Zusammenstellung ist anregend und unterhaltsam. Sortiert wird nach Kleidungsstücken und damit sich alles wiederfindet, gibt es hinten einen Index.
Jacke wie Hose, Hemd, Kragen, Ärmel, Hüte, Mützen und Hauben, Schuhe und Strümpfe, Kleider und Verkleiden, In großer Robe, Im Detail, Farben und Färben, Taschen und Beutel, Haushalt und Wäsche, Starke Gewebe, Lumpen und Lappen, Leder und Pelz – hier bleibt nichts ausgespart.
Ein schönes Geschenk, für alle, die Stoffe und Garne lieben.
Den Vorgängerband „Verflixt und zugenäht“ kenne ich noch nicht, werde ich mir aber bei Gelegenheit auch zulegen.
Bisher hab ich nicht sonderlich viel nachgedacht, wie interessant textile Kulturgeschichte sein kann. Dabei trage ich doch selbst täglich etwas dazu bei.
Die Anne schreibt über ihre Kindheits-Filterblase und bringt mich ins Grübeln. Sie schreibt in diesem Eintrag, dass wir ja alle schon immer in unseren Filterblasen leben, sie früher nur anders hießen.
Obwohl ich eine bekennende Filterbubble-Liebhaberin bin, habe ich ganz andere Erinnerungen. Als Kind war meine Introvertiertheit weitaus stärker ausgeprägt als jetzt als Erwachsene. Mich hat diese Eigenschaft in Verbindung mit meiner extremen Schüchternheit in manch komplizierte Situation gebracht. Zu viel Träumerei, zu viel Eigensinn, zu wenig Angst vor der Autorität, wurden da hinein interpretiert.
Das galt bei meinen Eltern und vielen Lehrkräften als aufsässig und war gar nicht gut.
Ich schweife ab.
Jedenfalls könnte man denken, dass meine Filterbubble extrem klein und winzig gewesen wäre. War sie aber nicht.
Ich bin fast überall im Dorf herum gekommen. War bei den „reichen“ Kindern zu Hause, die wir bedauerten, weil sie nur ein oder im Höchstfall zwei Kinder mit nach Hause nehmen durften. Was mussten die sich wohl immer langweilen! Und dann noch die vielen Gebote und Verbote. Die waren bei uns etwas übersichtlicher und leichter zu verstehen.
Ich holte die Außenseiterin ab, die jeden Tag zu spät in die Schule (2.Klasse) kam, weil sie die Geschwister kindergartenfertig und das Baby noch wickeln musste.
Ich wurde zur einzigen türkischen Familie nach Hause eingeladen. War manchmal bei dem behinderten Mädchen, das nur unregelmäßig zur Schule kam, bei den zugezogenen, bei den traurigen, bei denen, die gar nicht in unserer Schule waren.
Bei vielen Eltern galt ich als pflegeleicht und sehr brav: die hört man ja gar nicht. Als verlässlich, mit gutem Einfluss auf „unerzogene“ Kinder. Gute Noten hatte ich, das konnte doch von Vorteil sein. Meistens bedauerten sie, dass ich nicht die wirklich „richtige“ Freundin von sowieso sei, denn die, ja die war doch wirklich schlimm und kein guter Umgang.
Damals war ich mir offensichtlich Filterbubble genug. Konnte mich perfekt in meiner Traumwelt aufhalten. Die schirmte ab und war gleichzeitig durchlässig genug, Menschen rein und wieder raus zulassen. Sie willkommen zu heißen und sie weiterziehen zu lassen. Irgendwann hat sich das verändert.
Da wurden dann die Gitter herunter gelassen. Alles musste geschützt werden.
Das Innere war zu kostbar geworden, um es zu teilen. Das Risiko verletzt zu werden war zu groß geworden.
Nachdenken über die Welt und ihren Zustand. Die Mittelstandsblase sucht auch nachträglich nach dem Schräubchen an dem sie drehen kann. Rassismus und Sexismus dimmen indem den Rechten der Auslöser genommen wird. Aber das wird nicht gelingen.
Es fühlt sich an wie 1913 oder 1933. Nicht vorstellbar war es, dass die Welt aus den Fugen gerät. Unsere Vernunft sagt doch, dass es zu teuer und nicht effizient ist, die Welt in Trümmern zu legen. Also wird es nicht passieren.
Wir rechnen hoch, aber nicht mit dem Schlimmsten. Alle Modelle bestätigen nur sich selbst. Ich traue der Mathematik, aber nicht den Menschen, die die falschen Modelle auswählen.
Die Welt gerät aus den Fugen und mir bleibt nur die Möglichkeit, meine Positionen, Meinungen und Werte zu leben und zu kommunizieren. Mir Menschen zu suchen, die mich darin unterstützten.
Der Staat wählt einen anderen Weg. Die Macht gibt nichts freiwillig her.
Wenn Wahlen etwas andern würden wären sie verboten.
Das Wissen der reinen Vernunft ist wertlos geworden.
claudia November 10th,2016
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Aufstehen. Krone zurechtrücken. Flagge zeigen. Geradeaus gehen.
Rückgrat strecken. Krone zurechtrücken. Lächeln.
Weitergehen. Flagge zeigen. Parole austauschen. Krone richten.
Aufrecht gehen. Lächeln. Nach denen sehen, die im Dunklen stehen. Flagge schwenken.
Krone richten. Parole weitergeben. Aufrecht stehen. Weitergehen.
Fahne schwenken.
claudia November 10th,2016
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