Mir ist schlecht

Den nichtlinearen Systemen Empathie entgegen stellen.

Ich habe noch lange nicht verarbeitet, was da politisch um mich herum passiert. Irgendwie wiederholt sich die Vergangenheit und gleichzeitig werden wir in eine traumatische Zukunft katapultiert.

Als ich den Artikel über die Psychometrik las, wurde mir schlecht. Ich musste aufstehen und konnte nur weiterlesen, indem ich im Zimmer auf und ab gegangen bin.

Mehr Worte von mir braucht es dazu im Moment nicht.

geflutet

Mit Erinnerungen geflutet.
Jede Haltestelle löst eine Assoziationswelle aus.

Die Szenen aus der Vergangenheit leuchten in allen Farben.

Hier habe ich geweint und hier gefroren. Hier habe ich geträumt und dort gezittert. Hier habe ich gestanden und da alles verloren.
Hier habe ich gehofft und dort gegammelt.

Jede Haltestelle eine Lebensstation –

und an der Endhaltestelle den Trauerstrauß abgelegt.

Die Witwe der Brüder Van Gogh

Die Witwe der Brüder van Gogh ein Roman von Camilo Sánchez gelesen von Doris Wolters

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Dass die Bilder von Vincent van Gogh erhalten geblieben sind, verdanken wir einer starken Frau. Johanna van Gogh-Bonger war die Frau von Vincents Bruder Theo, der Vincent zehn Jahre lang finanziell unterstützte. Als junge Mutter wurde sie von ihrem Schicksal geradezu überrollt. Mit dem Suizid von Vincent begann der seelische und körperliche Verfall von Theo, der innerhalb weniger Monate nach Vincents Tod verstarb.
1891 stand sie alleine mit einem Säugling und einer Wohnung voller Bilder, Skizzen und Briefe. Zu ihrer Zeit bedeutete das für die meisten jungen Witwen, dass sie wieder von ihren Eltern abhängig wurden. Johanna van Gogh-Bonger wählt einen anderen Weg. Sie eröffnet eine kleine Pension, die ihr die Möglichkeit gibt, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, die Bilder ihres Schwagers dort aufzustellen und sich auch um deren Verbreitung zu kümmern.
Noch heute liest man böse Kommentare über ihre Vorgehensweise, eine Frau, die sich einmischt und nicht davor zurück scheut, die Briefe von Vincent an Theo zu kürzen und zu glätten, um sie besser zur Vermarktung der Bilder einsetzen zu können.
In der Romanbiografie begegnen wir einer starken Frau, die Entscheidungen trifft, anpackt wenn es um die Renovierung der Pension oder den Transport der Bilder geht. Einer klugen Frau, die die Bilder nicht wahllos verkauft und Schritt für Schritt ihre Vorgehensweise überdenkt und weiterentwickelt. Wir erleben eine Frau, die sich Gedanken über die gesellschaftliche Situation macht und über ihren Körper bestimmt.

Die Stimme von Doris Wolters trägt ruhig durch die spannende Lebensetappe ausgehend von Vincents Selbsttötung bis zu der Zeit in der seine Bilder am Kunstmarkt an Bedeutung gewinnen.

versöhnen

Mich jeden Tag mit mir selbst versöhnen.
Vielleicht ist das meine Schicksalsaufgabe.
Es fehlt die Gnade der versöhnten Geburt.
Es bleibt die Herausforderung der Selbstversöhnung.

Tag um Tag um Tag.

gerüstet

Der Titel ist nur Schall und Rauch. Eine Rüstung trage ich nicht. Bin weder Ritter noch Edelfräulein.

Mag mich auch nicht hinter hohen Mauern verstecken, mein Schneckenhaus tut es auch.

Die Zeiten rufen nach Kriegsrhetorik. Lauthals und nachdrücklich.
Der starke Mann ist gefragt, die starke Frau wird abgedrängt. Es wird aufgeräumt und der Inhalt von allen Schubladen wird zusammengeworfen.
Die Heimtückischen bewaffnen sich mit Sprache.

Der Countdown läuft.

Die Zeit läuft aus.

geordnet

Ordnung muss fließen. Das wissen viele Menschen nicht und versteinern mitten in ihr.
Ordnung ist ein Prozess, mit bewegter Struktur. Gefährlich wird sie im erstarrten Modus.
Nicht die Dosis ist in diesem Fall tödlich, sondern die Erscheinungsform.

Himmlische Ordnung entsteht, wenn die Welt ihre fließende und klingende Ordnung findet.
Wenn alle Sterne ihre Bahnen ziehen und dein Herz im Rhythmus des Lebens klopft.

Das Chaos ist kein Feind der Ordnung. Eher die Inspiration.

Ich ordne Gedanken, Gefühle, Erfolge, Menschen, Leistungen, Träume, Bücher und Kunst.
Ich ordne draußen und drinnen.
Ich lasse mich ordnen und rufe zur Ordnung.
Ich ordne an und erkenne die Bescherung.

Schnellmalsystem

Schnellmalerkennungsspiel

Sketchnotes automatisch erkennen üben. Kleine Zeichnungen.

gehustet

Trockener Wollhusten an pfeifenden Bronchien.
Die Selbstheilungskräfte gehen ihre eigenen Wege. Vielleicht haben sie sich auch verlaufen.

Die Neuigkeiten des Tages kommen mit Trauerflor.
Die Gedanken und Erinnerungen bleiben. Dieses Band, das immer flattriger wird.

Mein Leben – plötzlich ist es es zählbar. Erzählbar und so viele Geschichten sind definitiv abgeschlossen. Die neuen Wege führen nicht mehr durch das Unterholz.

Manchmal muss ich mir mein Alter mehrmals am Tag in eine für mich verständliche Größerelation übersetzen.

Du darfst, sag ich mir und meine damit nicht das Essen.

Zettel

Angestrengt krieche ich zurück in mein Leben. Wie der Krebs im Video, allerdings schält sich der erst eindrucksvoll aus seiner Schale, die er zurück lässt. Sieht unheimlich aus, diese Hülle, die er doch einst war und jetzt bleibt sie liegen.
Ich habe keine Schale aus der ich mich heraus schälen könnte. Krieche einfach in die Spur meines Lebens zurück.

So viele Diskussionen in diesen Tagen, die sich falsch anhören. Vielleicht bin ich in einem Paralleluniversum ausgesetzt. In die Ecke setzen und darauf hoffen, dass sich etwas ändert, scheint mir produktiver, als den falschen Diskussionen zu folgen.

Irgendwie sind wir in eine Zeitschleife geraten. Die bösen Zeiten nehmen Anlauf, ehe sie zur Wiederholung ansetzen.

So viele Jahrzehnte verpasste Chancen.

Demokratie ist ein Pflänzchen, das viel Pflege braucht.

Routine

Ich taste mich langsam durch den Tag. Schon in der Erwartung, dass alles zu viel sein wird. Ist es dann auch. Die Ereignisse purzeln in mein Büro. Per Mail, in Menschengestalt und per Telefon. Eins nach dem andern und am Ende bleibt ein wildes Durcheinander auf meinem realen und meinem virtuellen Schreibtisch.

Es irritiert mich, dass es mir nicht gelingt, nach Plan A vorzugehen. Es ist mein Job auch die Pläne D bis K ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Obwohl jede weiß, dass am ehesten der Plan Q34Z-III zum Einsatz kommen wird. Wir sind hier im öffentlichen Dienst und traditionsbewusst.

Traditionen sind gut, etwas dem du nachweinen kannst. Denn kaum sind sie eingeführt, geraten sie schon wieder in Vergessenheit.