Subjektiv

Mit der Sommerzeit werde ich mich in diesem Leben nicht mehr anfreunden.
Aus Protest drehe ich meine Lebenslautstärke so leise, dass nur die sanften Seelen Zugang finden.
Es ist nicht meine einzige Stärke, Türen metaphorisch zu schliessen.
Dass der Weg nie das Ziel sein kann, ist ein offenes Geheimnis.
Wer gibt schon zu, dass die Liebe beim dritten Blick schon anbrennen kann.

Poesie ist eine Lebensrealität.

Lyrik ein Noteingang.

Schönheit

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Sieht so aus, als überleben sie.

Sie werden weiter aufrecht stehen. Obwohl sie einen Teil ihrer Schönheit verloren haben.
Dieses Mal aus der Nähe.
So viele Jahre sah ich sie von meinem Fenster aus. Majestätisch.
Im Wandel der Jahreszeiten.
Aber immer atemberaubend.

Schmerz

Jetzt stellen sie wieder die gleichen Fragen:
Müssen wir uns an den Terror gewöhnen?
Wie verhalten wir uns richtig?
Befinden wir uns im Krieg?
Wie sollen wir reagieren?
Wer ist schuld?
Wer ist mitschuld?
Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern?

Und dann hören wir wieder die lauten Stimmen, versinken in der nationalistischen Kackscheiße, verschließen unsere Seelen, lecken unsere Wunden, nehmen unseren Platz auf dem moralischen Podest wieder ein.

Das Wir wächst wie ein Krebsgeschwür. Wirft Schatten bis zum Die. Die anderen.
Mir wird mulmig bei dem Echo des Wirs. Beim Donnergrollen, das das Wir durch und durch gehen lässt.

Worte finden

am Tag der Poesie
fallen die Worte ineinander
und übereinander

finden ihre Bedeutung
manchmal

schweigen sie auch
verbergen ihre Bedeutung
oder maskieren sich geschickt

den Rest des Jahres
gewöhnen sie sich
an Erpressung, Nötigung
und Missbrauch

Überraschung

Manche Neuigkeiten erfährt eine eher zufällig, so nebenbei. Die Bewertung der Prioritäten sind eben unterschiedlich. Für mich ist es eine kleine Sensation und ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Primzahlen sind zufällig. Das galt bislang als sicher und dieser Fakt spielt bei der Verschlüsselung eine große Rolle.
Völlig überraschend stellt sich jetzt heraus, dass es beim Auftreten der Primzahlen durchaus ein Muster gibt.

Das muss ich erst mal verdauen.

Frühling

tmp_6006-IMG_20160318_173719-987759830Zum Glück geht es dem Frühling entgegen.

Der Bornheimer Hang im Frühlingszauber. Geeignet für Spaziergänge zum Nachdenken.
Wie viele Weichen habe ich in den letzten Jahren gestellt? Wie viele werden es noch sein?
Ich treffe Entscheidungen, die weit in eine ungewisse Zukunft reichen.
Die Zukunft wird dadurch nicht gewisser, vielleicht wird sie mir eher suspekter dadurch.

Der Frühling lässt sich von meiner Skepsis nicht abhalten. Er verzaubert wie jedes Jahr, die Bäume, die Landschaft und die Stadt. Selbst nach dem Untergang der Menschheit würde er es krachen lassen.
Er ist sehr selbstbewusst und uneigennützige.

Wohin

Wo kein Wille ist, da musst du weg.

Manchmal reicht es aus, symbolisch zu gehen. Die metaphorische Tür zuschlagen und sich auf keinen Fall umzusehen. Eine Fähigkeit, die nicht in die Wiege gelegt wird.
Überhaupt liegt in den Wiegen weit weniger, als uns die alten Geschichten glauben machen wollen.

Zu viele Geschichten, die sich zu Lebensweisheiten aufplustern. Dabei ist das Geheimnis doch, dass die Weisheit wortkarg bleibt.

Falls ihr einen stillen Knall wahrnehmt, das ist die Tür, die ich jetzt metaphorisch schließe.

Eine Erleichterung.

Wispern

meine Lebenslautstärke ist leise

meine Empfindungen sind tief
meine Hoffnungen umfassen die ganze Welt
meine Liebe ist stark
meine Lebensgeschwindigkeit ist auf langsam eingestellt
meine Gedanken umkreisen die Welt

meine Träume regen auf

meine Zeit vergeht
mein Leben bleibt

Sonntag

So ein Sonntag ist eine feine Sache. Rückzug ins Private. Dem Frühling beim Start zusehen. Lesen und pflanzen.
Sich die Zukunft ausmalen.
Ich nehme zwei Farben für die Zukunft. Das liegt an meiner Talentlosigkeit, am besten komme ich mit schwarz und weiß zurecht. Damit die Skizze erstmal sitzt. Die schwarze Farbe brauche ich für die Wirtschaft und die Finanzen. Denn da wird was auf uns zukommen, dessen Ausmaß unbekannt ist. Deshalb wird jetzt mit unbekannten Mitteln an nicht genau definierten Schrauben gedreht.
Helikoptergeld – Bin gerade durch einen Tweet von Antje zu einer dieser genialen neuen Wortschöpfungen gelangt. Lang vorbei sind die Zeiten, in denen die Staaten durch Konjunkturprogramme, die Wirtschaft ankubelten.
Also die Farbe Schwarz für die Wirtschaftsperspektive. Die weiße Farbe nehme ich als meine Freiheitsfarbe. Für die Zeit, in der mir meine Lebenszeit nicht mehr fremdbestimmt entrissen wird. Das wird ein Fest, wenn die Seele verschont wird von dem neurotischen Alltagsgebarem der Bürokultur. Dafür braucht es einen ganz besonderen Stift.
Vielleicht nehme ich statt einem weißen einen, der mit Licht eine Leuchtspur malt. Damit werde ich zwar meinem Schwarz-Weiß-Anspruch nicht gerecht, aber Abstriche machen, haben wir ja gut gelernt in den letzten Jahren.

Wahlsonntag
Dieser Sonntag ist auch ein Wahlsonntag und es stellt sich heraus, dass ich die erschütternden Wahlergebnisse heute besser verkrafte als das Ergebnis der Kommunalwahl am letzten Sonntag. Trotzdem verursachen die Resultate einen kleinen Schüttelfrost bei mir und wie immer kann ich die Fernsehkommentare nicht ertragen.
„Wir wollen keine Flüchtlinge.“ Was soll das heißen als politische Aussage? Sie sind doch da. Oder dort. Oder dort. Jedenfalls haben sie es sich nicht ausgesucht. Ich nehme an, den Geflüchteten geht es analog: „Wir wollen keine Flüchtlinge sein.“

Mit Logik kommt bei Wahlen niemand weit.
Mir ist das unheimlich.

Fernweh

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Ist das schon Fernweh oder noch ein nachträgliches Aufbäumen  gegen die Rückkehr in den Arbeitsalltag?
Sehnsucht nach Meer sehr ausgeprägt. Bedürfnis nach innerer Ruhe, aber die Routine des Bürolebens trampelt mit ihren Banalität und Intrigen quer durch den Porzellanladen meines Gemüts.
Mit zunehmendem Alter nimmt meine Toleranz für diese Form der Inanspruchnahme ab, aber das rächt sich. Die Haut wird dünner, die Verletzungen zahlreicher.
Aber Trost, Trost gibt es auch.
Selbsttrost, Eigentrost, Freundinnentrost, Trostspaziergang und einen Himmel, der sich trösten lässt.

Und ein Bild in mir, das Hoffnung gibt. Eine Sehnsucht, eine Erinnerung, ein Traum.