Vom Alt werden – Gefährliche Zeiten
Kann sein, muss nicht sein. Der Artikel verallgemeinert viel, aber nicht alles lässt sich bei diesem Thema verallgemeinern.
Eins stimmt: Die Zeit wird knapp. Das merke ich auch sehr stark. Das ist eine Binsenweisheit wie ich sie mag.
Ich frage mich mit dem Alter immer häufiger, ob es nicht langsam erlaubt ist, aus der Gesellschaft auszusteigen. Sie wird mir immer unerträglicher mit ihrer Rücksichts- und Erbarmungslosigkeit.
Ja, ich weiß: es ist nicht möglich aus ihr auszusteigen. Das klappt nicht. Aber ihr den Rücken zu drehen und mich weiter an ihren Rand bewegen, das wäre eine Möglichkeit. Und geradezu glücklich wäre ich, wenn ich dort in den Randgebieten auf ein paar der liebenswerten Menschen stieße, die mir viel bedeuten.
Und ja: träumen kann ich gut.
Lese gerade das Buch von Laurie Penny. Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution
Wow, was für eine klare Sprache! Was für taffe Aussagen! Ganz und gar nicht weichgespült, aber auch nicht abgehoben übertreibend, wie manchmal bei den deutschen Feministinnen.
Sie steuert zielgenau auf die wunden Stellen zu, legt sie frei und stellt sie bloss.
Kein bisschen zimperlich diese Frau.
Hab aufgehört mich zu grämen, hätte mich sonst viel zu sehr vor der Sonne beschämt, die ihr bestes tut, um mich zu bescheinen.
Bin ein bisschen kleinlaut über die Feiertage. Mit schlechtem Gewissen. Unnötig schlechtem Gewissen, weil nicht mehr änderbar.
Zehn Monate lang zwei volle Jobs gemacht, die letzten Wochen auf dem letzten Loch gepfiffen und nicht auf die Stimme der Vernunft gehört.
Das machst du gut! Das ist super, sagten sie zu mir.
Und ich war nur damit beschäftigt über die Ziellinie zu krabbeln. Falls nötig auch auf allen vieren.
Die Ziellinie hab ich tatsächlich noch aufrecht und mit viel Beifall geschafft. Aber die Quittung kam keine 24 Stunden später.
Jetzt kann ich also in mich gehen und in mich hören. Kann mir anhören, was mein Verstand schon lange weiß, aber nicht immer umsetzt:
Ohne Superkräfte die Welt retten zu wollen bringt Unglück.
Aber ich lern das noch. Ganz sicher.
Ich bin ganz entzückt von dem Techniktagebuch. Kann sein, dass ich das in der Sammelmappe schon erwähnte, aber das schadet nichts.
Das E-Book dazu mit dem treffenden Namen „Wir hatten ja nichts“ hab ich mir selbstverständlich auch gekauft. Süchtig wie ich bin.
claudia April 5th,2015
Fundstücke | tags:
Geschichten,
Technik |
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Klar ist der Twittername eine Identität, daher ist es nur folgerichtig ihn als Künstlernamen in den Pass eintragen zu lassen – sofern man auf staatliche Autoritäts-Identikations-Bescheinigung steht.
Bei mir wäre das etwas anders. Ersichtlich schon an der Inkonsequenz, die sich bei mir aus der Verwendung von Realnamen und der Sammelmappen-Identität ergibt.
Die Sammelmappe ist für mich wie eine zur Schau gestellte Verkleidung im Netz. Nicht weil sich dahinter eine dunkle Persönlichkeit versteckt, eher genau das Gegenteil davon.
Ich bin gerne Claudia Kilian, aber ich spaziere im Netz nicht gerne mit dieser Identität herum. Sie kommt mir dort so schutzlos vor.
claudia April 2nd,2015
Fundstücke | tags:
Identität,
Namen |
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Jetzt nur noch nach vorne schauen und die Anstrengungen der letzten Woche hinter mir lassen.

Der Flugzeugabsturz ist jetzt out. Reden wir doch über das Wetter.
Diese Welt macht mir Angst. Dieses Potential sich über alles und nichts zu empören und nach drei Tagen mit der nächsten Empörungswelle weiterzuschwimmen.
Ein Empörungs-Wanderzirkus mit einer corporate identity: Wir wissen alles ganz genau.