Menschliches Versagen?
heute treffe ich
mitten in den
gelben Heiligenschein
unabsichtlich
ohne Rücksicht
heute treffe ich
mitten in den
gelben Heiligenschein
unabsichtlich
ohne Rücksicht
die Worte schlagen
im Wettstreit mit
der Faust
Funken durch die Seele
(Titel stimmt noch nicht richtig, falls euch was einfällt: Lyrik lässt auch Teamarbeit zu)
Notiz für mich zum Finden: Studie zu den Männerrechtlern
Danke an Antje und Anne!
Ich klopfe jetzt das schlechte Karma der Gewalt aus den Ritzen und Spalten der Sammelmappe, wasche sie gründlich mit Rosenwasser ab und lasse sie in der Sonne trocknen.
Lasst uns mehr Lyrik wagen! Ein Hoch auf die Poesie.
Das sind die Gegengewichte, die verlässlich gutes Karma erzeugen.
Mein Aufschrei bleibt mir noch nach Jahrzehnten in der Kehle stecken.
Daran bin ich gewöhnt, aber es kann nicht sein, dass dieses Rad sich immer weiter dreht! Diese üblen Beschimpfungen, diese Unterstellungen und Beleidigungen – da machen wir doch glatt mal mit als kleines Provinzblatt und geben Männern freien Raum, die Frauen „Quotenfotzen“ nennen. (Die anderen Ausdrücke erspare ich euch).
Und warum diesem Mann? War er dabei? Hat er recherchiert? Nein, er beteiligt sich – derb beleidigend – an einer Debatte!
In was für einer Welt leben wir und wann merkt ihr endlich, dass das kein verdammtes Missverständnis mit dem Alltagssexismus ist?
Das gehört zum Unterdrückungsritual und ist faschistoide in seinem Hass.
das Rennen gewinnt
ganz unverhofft
das Gras, das den Wind
schneller fliegen lässt
als die Drachen steigen
(S. Kirsch gewidmet – in Zuneigung und ohne Größenwahn)
Hab diesen Text heute morgen unter Schmerzen und mit dem Handy verfasst. Die körperlichen Schmerzen unabhängig, die seelischen Schmerzen abhängig von den Tweets, die die sexuelle Gewalt dokumentierten oder wie eins auch immer dazu sagen soll.
Und es tut mir so schrecklich leid! Dass Gewalt passiert ist schlimm genug. Genau wie Verbrechen. Aber dass sie getragen werden ist das Problem. Dass diese Gesellschaft sie trägt, anstatt sie zu stigmatisieren. Denn das wäre die richtige Reaktion.
Ich habe mich in der Sammelmappe immer zurück gehalten mit persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, aber ich habe mir vorgenommen, dass ich das jetzt ändern werde. Nicht mit einem Mal, aber Schritt für Schritt.
Als ich heute morgen die Tweets las, war ich so wütend und hab darüber nachgedacht, wie oft mir ähnlich Schlimmes widerfahren ist. Unzählige Male zwischen elf und dreißig Jahren. Unzählige Male.
Von der Zeit vorher spreche ich gar nicht erst, das ist ein anderes Kapitel.
Und jetzt kann ich noch anfügen: vielleicht unzählige Male, weil ich das typische Opfer war. Aber das ist ja eine blödsinnige Argumentation.
Egal: ich hab den Glauben an die Männer, an die Menschen nicht verloren. Nie.
Weil ich nie glauben wollte, dass dieses Verhalten das Attribut menschlich verdient.
Wahre Männer sind menschlich. Sie geben dir keine Schuld, wenn du beschmutzt und verletzt an Seele und Körper am Boden liegst.
Wahre Männer und Frauen und was es sonst noch für Geschlechter gibt, reichen dir die Hand, nehmen dich in den Arm und trocknen deine Tränen, wenn dir Gewalt geschehen ist.
Wahre Menschen nehmen Anteil an deinem Unglück.
Die Anheizer – ob weiblich oder männlich – die auf Twitter, in der Talkshow oder in deinem Umfeld dir den Schmutz unter die Nase reiben, sind die heimlichen und offenen Mittäter. Ohne sie würde das System nicht funktionieren.
Wenn sie noch twittern kann, war es keine Gewalt.
Wenn kein Blut fließt, war es keine Gewalt.
Wenn sie so angezogen war, war es möglicher Weise von ihr provoziert.
Wenn sie sich nicht gewehrt hat, kann niemand ahnen, dass sie es nicht wollte.
Wenn sie weiß, dass ein Fußballspiel ist, hätte sie nicht ohne Begleitung U-Bahn fahren sollen.
Wenn sie schreit, schauen wir in die andere Richtung.
Wenn sie den #aufschrei initiieren, lümmeln wir uns vor dem Fernseher und erklären ihnen, die Missverständnisse und wie lustfeindlich sie die Welt doch machen und dass es andere Frauen gibt, denen das gar nicht gefällt – oder sehr gut gefällt? – wie war noch mal das Thema?
Wenn sie zu viel Wind macht? Alles so schön gemütlich hier und Gewalt ist ein anderes Thema. Ganz andere Ecke.
Wirklich? Ganz andere Ecke?
Meine Lebenserfahrung sagt mir etwas anderes.
„Dahingegen wird die Erwartung, daß es so nicht mehr weitergehen könne, eines Tages sich darüber belehrt finden, daß es für das Leiden des Einzelnen wie der Gemeinschaften nur eine Grenze, über die hinaus es nicht mehr weiter geht, gibt: die Vernichtung.“