Voraussetzung
„Die Mathematik setzt also voraus, dass man weiß, was man unter den Worten Bewegung, Zahl, Raum versteht und ohne sich mit der unnützen Erklärung derselben aufzuhalten durchdringt sie ihre Natur und entdeckt ihre wunderbaren Eigenschaften.“
Blaise Pascal
„Da aber die Ursache ihrer Unbeweisbarkeit gar nicht in ihrer Dunkelheit liegt, sondern vielmehr in ihrer außerordentlichen Evidenz, so ist dieser Mangel an Beweis nicht ein Fehler, sondern vielmehr Vollkommenheit.“
Reisefieber
Das Reisefieber hält sich in Grenzen. Die Wettervorhersage sieht trübe aus. Aber solange ich nicht frieren muss, stört mich das nicht. (ich sollte der Ehrlichkeit halber hinschreiben: solange ich nicht friere, mich der Wind nicht durchschüttelt und ich nicht pudelnass werde)
Ich freue mich auf die Auszeit und wenn ich eine Anspannung spüre, dann die, die sich auf die neue Wohnung bezieht.
Werde ich Näheres wissen, wenn ich wieder zurück bin? Wird der Zeitplan hinhauen? Werde ich nicht zu viel Hektik produzieren? Werde ich mich einen Monat lang mit Einrichtung, Möbel und Tapezieren beschãftigten können? Oder werde ich nach einigen Tagen aufgeben, mich auf die Kisten setzen und lesen oder träumen? Meine Bodenhaftung ist mit den Lebensjahrzehnten nicht größer geworden. Im Gegenteil: mein Unwille mich mit materiellen Dingen beschãftigten zu müssen wächst an. Im hohen Alter wird er dann wieder die Stufe meiner Kindheit erreichen.
Als Kind habe ich es nie verstanden, warum wir alle nicht einfach nur Seelenwesen sind. Wenn die Seele doch das Wertvollste am Menschen ist – und davon war ich überzeugt – und der Körper so viele Einschränkungen und Leiden mit sich bringt (nicht fliegen können, Kinder, die hungern, Menschen, die andere im Krieg verletzen) dann wäre es doch besser, wir wären gleich als Seelenwesen auf die Welt gekommen.
Nun ja, in der Zwischenzeit habe ich mich von der Notwendigkeit des körperlichen Daseins überzeugen lassen. Etwas versöhnt auch von den sexuellen Annehmlichkeiten. Trotzdem finde ich, dass die materielle Welt zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Wirklich reich sind Menschen, die sich wenig mit dieser Welt auseinander setzen müssen.
(aber nein: das ist kein Plädoyer für das Leben in Armut. Je ärmer Menschen sind, desto mehr müssen sie sich mit der materiellen Welt auseinander setzen. Das ist ein Plãdoyer für Wohlstand ohne Konsumrausch.)
Verrechnet
mit Wucht
in die Zukunft
gestürzt
um das Leben
zu überrumpeln
das nur müde darüber lacht
Logistische Höhepunkte
Meine Logistik ist unschlagbar, mit dem gepackten Urlaubskoffer bin ich erst drei Tage beruflich unterwegs, ehe die große Reise startet.
Die Rückfahrt heute planmässig mit zwei Stunden, aber seit ich mit diesem Strickmuster kämpfe, nehme ich das Ende der Zugfahrten sehr unwillig wahr.
(jedes Mal, wenn ich die Strickschriften sehe, denke ich, wie können Frauen nur auf den Gedanken kommen, dass Programmieren abstrakt sei, ich kenne nichts abstrakteres als eine Strickschrift. Der Typ im Zug neben mir mit seinem Miniaturprogramm, das die Buttons nicht zum Klicken bekam, hätte höchstens mit einen einfachste Strickwerk mithalten können)
Aber was ich sagen wollte: es fühlt sich gut an zu wissen, dass die Logistik nicht mehr lange auf Höhenflug ist. Es ist gut zu wissen, dass ich bald ein anderes Zuhause habe.
Es ist gut zu wissen, dass mein Dienstortwechsel in Arbeit ist.
Es ist gut, dass ich jetzt endlich darüber reden und sprechen kann.
Ich freue mich.
Stimmung
Bin ein bisschen rührselig heute abend. Zur Ablenkung habe ich mit dem Strickmuster gekämpft. Drei Reihen vor und zwei zurück. So ähnlich ungefähr, weil die Konzentration nicht da ist. Meine Gedanken weigern sich zu kreisen, sie schweifen ab und aus in die Welt.
Manchmal zurück aber nie dahin, wo es im Moment sinnvoll wäre. Seltsam das Gefühl. Die Verträge gekündigt, die neuen noch nicht unterschriftsreif, irgendwie eine Zwischenzeit. Ich strenge mich an und Sage mir fest: ich muss die komplizierte Logistik noch eine Weile durchhalten. Nur eine Weile und dann fängt es an: das neue Leben. Das, das ich mir so wünschte und das, das im Augenblick so fremd erscheint.
Wo war ich mit meinen Gedanken? Bei der Rührseligkeit. Da gibt es eine Erkenntnis, die mir so langsam durch Mark und Bein fährt.
Vorbei. Aus und vorbei. Die Vergangenheit ist abgelegt und kommt nicht wieder und selbst die Erinnerungen wollen nicht mehr sanft leuchten. Sie verkriechen sich. Sind nicht zugänglich.
Höchstens als Traum. Aber im Moment nicht mal das.
Nachtrag: Bloggen im Tickerstyle, das sagt mir zu in diesen Tagen. Um den heißen Brei herumeiern auch. Der Text kommt nicht auf den Punkt, weil dieser zu wund und zu gefährlich ist. Nicht mal die Gedanken trauen sich, sich in Phantasie zu Hüllen. Manchmal sind Phantasien hochgradig realitätsverseucht.
Also bleibt mir nur noch, mich in meiner Rührseligkeit zu suhlen. Wer weiß, vielleicht hab ich in einem Jahr den Anlass längst vergessen. Kann sein, kann aber auch sein, dass auch dann noch dieser Geschmack im Raum steht: bittersüß.
Bitter soll eine Warnung sein, heißt es. Die Warnung vor dem Gift. Aber wann hãtte ich jemals eine Warnung umfassend beachtet?
Mein Herz, mein Verstand
Mein Körper, mein Herz, mein Verstand, meine Seele gehört mir.
Jetzt ist es schon so weit, dass das nicht mehr selbstverständlich ist. Nicht für Feministinnen. Nicht in dieser Zeit.
Arrrggghhhh!
Ich hab kein Brot gegessen! Auch kein Brötchen, kein Kuchen, keine Waffel oder was auch immer.
Diesen Allegieschub bitte sofort einstellen. Der muss zu einem anderen Profil gehören.
Als wenn die Pollen nicht schon das ihrige geleistet hätten! Meistens bin ich ja geduldig mit meinem Leiden, aber manchmal bringt mich die Allergie an den Rand des Wahnsinns.
Dort soll es auch schön sein, ich weiß das. Aber ich gebe zu: ich habe wenig Vergnügen daran.
Der Alptraum ist schon da
Geschlechtsselektion ist keine Zukunftsmusik, sie ist jetzt schon weit verbreitet. Antje hat „länglich gebloggt“ wie sie es ausdrückt. Ein wichtiges Thema, das unsere Realität schon verändert hat, obwohl wir es kaum wahrnehmen.
Obwohl: wenn ich ehrlich bin, dann kenne ich mindestens zwei Fälle, die ihren Weg gefunden haben, um zu dem gewünschten Geschlecht zu kommen. Und da es ja immer etwas dauert, bis offensichtliche Geheimnisse (denn legal ist es bei uns ja nicht) bei mir ankommen, dann will ich gar keine Hochrechnung darüber anstellen, wie die tatsächlichen Zahlen in meinem Umfeld aussehen.

