Sachstand

Sachstand im Tickerformat

+++ Aprilwetter im Mai +++ Montag wieder Streik der Straßenbahn +++ früh aufstehen und lange, lange Gehen hilft der Volkswirtschaft und der Volksgesundheit +++ Vertragsfreie Zeit ist angebrochen +++ Sehnsucht nach Meer und Sonne +++ noch mehr Sehnsucht nach einem unkomplizierten Leben +++ große Hoffnung in junge Menschen setzen +++ lesen, lesen, lesen +++ Frieden wünschen +++ Tagträumen perfektionieren +++ Lust auf ein Bloggerinnen-Treffen im Juni +++ einen einsamen Account in Ravelry erstellt +++ Menschen unabsichtlich in den Wahnsinn treiben +++ falls doch Absicht dabei sein sollte: höchstes Zugeständnis: das Unterbewusstsein +++ Hoffnung auf den Sommer meines Lebens +++ Pflichtbewusstsein in den Genen verankert +++ das Leben entschädigt großzügig mit kleinen Episoden +++

Apathisch

Die Apathie regt Anne auf. Bei mir ist es eher so, dass ich sie nicht nachvollziehen kann. Die Fakten sind klar, jedenfalls für Menschen, die sie sehen wollen.
Mich macht die Situation traurig und ich frage mich manchmal, ob die Menschen ihre Fähigkeit zu Empathie oder Mitgefühl an den Kapitalismus verscherbelt haben. Aber wahrscheinlich ist es die Illusion doch noch mal auf der Seite des großen Geld stehen zu können. Bloß nicht mit den Verlierern identifizieren. Es könnte zu Verwechslungen kommen. Sonst gehörst du noch zu ihnen.

Abstand halten ist die Devise.
Abstand – nicht Apathie – lautet meine Diagnose

Brauch ich nicht

Werbung zum Abgewöhnen. Alle Register gezogen und keinen vernünftigen Ton erzeugt. Helga hat die Geduld sie zu sammeln und zu dokumentieren.

Elite

Wir leben in elitären Zeiten in einer elitären Welt. Da will ich nicht den Posten der Außenseiterin. Nein, ich nehme den der Elite-Traumtänzerin.
Der scheint meinen elitâren Neigungen entgegen zu kommen.

Ich hoffe, ihr habt euren Elite-Status auch geklärt. Nicht dass ihr zu spät seid und euch bleibt nur der Premiumstatus. Vor dem ist zu warnen: der ist kostenpflichtig.

How I wish you were here

Ein Erinnerungsnest aus Radioschnulzen und Jugendträumen zusammengetragen.
Erinnerungsbilder, die länger wärmen als geplant. Vielleicht schon Vorboten einer leichten Senilität.
Könnte aber auch ein Romantik-Schmalz-Gen sein.

Wie auch immer: ich hole mehr Glück aus der Erinnerung an meine Jugendtage als damals präsent war.

So mies

Gratis-Bild-Zeitung am Wahlwochenende – da kennen die nichts. Es gibt viel zu verlieren, also lohnt es sich auch mit miesen Tricks zu arbeiten.

Ich bin kein Sexist, aber

Nicole von Horst schreibt mit anderen ein Buch. Find ich klasse.
Danke, Nicole.

Republica – 3. Tag

Der dritte Tag der republica beginnt mit einer Irritation, die das Diensthandy mit sich bringt. Wer? Wie? Was? Plötzlich bin ich in die Entscheidungshölle katapultiert. Was mache ich nur?
Dem Vortrag über die dritte industrielle Revolution, die die 3-D-Drucker mit sich bringen – oder mit sich bringen sollen – lausche ich mit einem halben Ohr und einem entscheidungsunwilligem Herzen. Das Fazit, das ich ziehe, ist mir schon lange bekannt: Ich muss mehr über diese Dinger erfahren. Schließlich hat André Gorz schon vor Jahren so viel Hoffnung in sie gesteckt.
Auch der Vortrag über die schwierigen Bedingungen unter denen Bloggerinnen und Blogger in Indien, China und anderen Ländern schreiben, stand noch in einem obskuren Verhältnis zu meinen Luxus-Entscheidungsproblemen und danach war ich sehr froh über etwas Abwechslung im Foyer. Jedes neue Gesicht und jede neue Person, die ich kennenlernte, war mir ein Vergnügen und eine Freude, das will ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen. Da ich nicht weiß, ob es allen recht ist, hier zitiert zu werden, lasse ich es bei dieser pauschalen Aussage. Aber ein herzliches Dankeschön, möchte ich schon loswerden.

Danach kam der Felix Schwenzel – fast schon einer meiner Lieblings-Highlights der Republica. Er meinte, die Welt verbessert sich eigentlich von alleine, macht trotzdem zehn Vorschläge dazu, behauptet es seien acht und ich bin in meiner Mitschrift bei elf angelangt. Aber jetzt fragt mich bitte nicht, wer hier nicht zählen kann.

Wie das Internet das literarische Schreiben verändert, war mein nächster Programmpunkt und zum ersten Mal sah ich den Taubenvergrämer. So weit ich weiß, ist er in Limburg aufgewachsen und ich frage mich ernsthaft, was das erst für eine Katastrophe geworden wäre, wenn ihn das Schicksal die paar km weiter nach Weilburg verschlagen hätte.
Ich hab mich dann zu Deef Pirmasens und Simone Stoffers geschleppt. Wahrscheinlich weil mich meine Hormone bei der Vortragswahl unfair beeinflusst haben. (Männliche Sympathieträger standen heute sehr hoch bei mir im Kurs.)

Und dann zum Abschluss die hervorragende Anne Wizorek mit ihrem kleinen historischen Abriss über die Ereignisse zum #aufschrei. Ich bekam Gänsehaut als sie die #aufschrei-Nacht beschrieb. Der #aufschrei scheint sich zu einem historischen Ereignis zu entwickeln. So wie sich viele erinnern können, was sie taten als die Mauer sich öffnete oder wie sie von den Terroranschlägen des elften September erfuhren, scheint sich in unser historisches Gedächtnis festgesetzt zu haben, wie wir den #aufschrei bewusst wahrnahmen.
Da er spät am Abend begann, lag ich schon in meinem Bett. Ich bin früh, viel zu früh aufgewacht und sah in meine Timeline und mir war sofort klar: es ist etwas passiert. Wahrscheinlich war es ungefähr 4:30 und Nicole twitterte, dass sie nicht schlafen gehen kann, weil sie den #aufschrei nicht den Trollen überlassen kann. Ich hab nicht gleich alles kapiert, aber ich hab retweetet, was ich nur konnte – hatte das Gefühl, da ist etwas, was beschützt werden muss. Etwas zerbrechliches, das nicht zerbrechen darf. An diesem Tag habe ich entgegen meinen Gewohnheiten Twitter auch während der Arbeitszeit verfolgt – und war so stolz – ich wiederhole – ich war so stolz auf dieses Pflänzchen, das schon nach wenigen Stunden so erblühte.

So jetzt ist Schluss mit dem Pathos, das muss reichen. Alles andere liegt offen in meinem Herzen.
Vielen Dank an alle, die ich getroffen habe. Vielen Dank an alle die die Wertschätzung für andere Menschen ins Internet tragen.
Vielen Dank an Euch.

Eingeschlafen

Manche Menschen schlafwandeln, ich schlafposte. Wie peinlich!
Nein, ich werde den gestrigen Tag jetzt nicht weiter dokumentieren. Ich widme mich wieder meiner Allergie und bereite den letzten republica-Tag vor. Ein Video von gestern habe ich gesucht, aber nicht gefunden.

Das e-Book auch noch nicht heruntergeladen. Schrecklich langsam bin ich mit allem – und immer noch nicht richtig wach, das liegt an den Allergie-Medikamenten. Aber ich kann doch nicht in den Vorträgen sitzen und sieben mal in der Sekunde niesen.
Da bleibt nur die historische Wahl zwischen Pest und Colera.

Republica 2013 – 2. Tag

Hätte ich meine Notizen nur mal ordentlich weitergeführt, dann hätte ich heute Abend mehr für Euch zu berichten.
Aber nicht jammern: einfach machen.
Der Tag begann gut mit dem Talk an dem Anne Roth und Kathrin Ganz teilnahmen zur „Netzbewegung und Politik“. Anne gab einen kurzen Überblick, wie Bewegungen das Netz genutzt haben und ihr Selbstbild und ihre Selbstwahrnehmung dadurch prägen konnten. Sie wies auch über die davon unabhängige netzpolitische Bewegung hin.
Kathrin wies darauf hin, wie schwierig es für einige Menschen geworden ist, ihre Existenz abzusichern. Ab da dachte ich: endlich sind wir auch auf der republica mal an dem Punkt angelangt, der die ganze Gesellschaft bewegt.
Der Turbokapitalismus ist ohne Internet nicht denkbar.

Bei mir löst der Talk starke Emotionen aus, unter anderem weil Anne sagt, es gäbe noch Lücken in diesem Internet, weil es eben noch nicht fertig sei. Es gibt noch kleine für den kontrollwütigen Staat unzugängliche Bereiche in die ich als Individuum schlüpfen kann. An der Stelle fühle ich mich geborgen. Aber dann kommt da die andere Seite der Medallie, das sind die vielen Menschen, die in dieser Gesellschaft durch den Turbokapitalismus gegrillt und gebraten werden. Für die gibt es keinen Schutzraum – und aus meiner geborgenen Schutzhöhle wächst eine gehörige Portion Wut. Wie weit lassen wir diese Gesellschaft verrotten?

Die Beiträge aus dem Publikum waren so zahlreich wie in ich es sonst nie erlebte auf dieser Konferenz und unterstrichen dadurch meine emotionale Spannung.

So, jetzt käme noch die begeisternde Astronomin aus Südafrika, aber ich gebe auf. So viel noch: dieser Vortrag trägt in meiner persönlichen Herzensliste fünf Sterne, die silbern glitzern.

„The Point is to connect people with the Sky.“

Verdammt, warum setze ich meine Ziele immer so niedrig an? Die Frau hat recht: das ist der Punkt.