Ich habe mir angewöhnt die Kladden, die ich handschriftlich vollschreibe, in einem Abstand von ca. drei Monaten abzutippen. Drei Monate ist ein guter Abstand. Die Ereignisse liegen in der Vergangenheit, sind aber noch so präsent, dass das Abschreiben zu einem Nachempfinden wird.
Im Moment schreibe ich die republica-Tage ab. Finde mich wieder ein in die Tage der Menschenmenge. Die der Enttäuschung über die vollen Räume, in die es keinen Einlass mehr gab, das auf und ab der Gefühle, die Freude als endlich die Sonne zum Vorschein kam, die herzerfrischende Inhaberin des Bistros bei dem wir zum Freiessen geladen waren und das laute Abschlussfest im Hof.
Wehmütig fällt mir ein: ich habe keine Berlintage mehr in Planung.
ich reiß mich
selbst in Stücke
steh auf einem Bein
will nicht tanzen
können
dreh mich doch
im Kreis
Die Zahl der jemals von mir verschickten SMS ist einstellig.
Wahrscheinlich wird sie vor meinem Tod den zweistellligen Bereich erreichen, aber dass sie dreistellig wird, bezweifle ich.
Vor einem Jahr ist Christoph Schlingensief gestorben.
Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre», sagte die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek damals und ein bisschen fühlt sich das auch für mich so an. Obwohl ich nur so wenig von ihm mitbekam. Das was ich sah und hörte ist mir ans Herz gewachsen.

„Deshalb gilt es beim Schreiben, die Worte aus ihrem Alltags- und Mediengerede verglasten Höfen zu lösen und ihnen etwas von ihrer ursprünglichen Kraft zurückzugeben. damit sie nicht reden, sondern leuchten.“
Angela Krauß – die Gesamtliebe und die Einzelliebe
„Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, sagte Edgar, wenn wir reden, werden wir lächerlich.“
Erster Satz von Herta Müllers Herztier
Ich gehe nicht gerne ins Bett bevor ich nicht etwas in die Sammelmappe geschrieben habe. Selbst wenn der Kopf ganz leer ist. Seltsam dieser Kopf: er wird von aussen angefüllt mit lauter überflüssigen Sachen und zum Schluss ist er ganz leer.
Eine mystische Gleichung.
das kalte Kribbeln unter der Schulter
ungewollt und ungewiss
in den Abgrund geblickt
lächle,
bitte, bitte lächle
Manchmal wünsche ich mir die früheren Zeiten zurück, in denen die Männer nicht ständig in die Kamera heulten und ihre Beziehungen zu Minderjährigen in aller Heimlichkeit pflegten.
Aber Berlusconi hat in der Zwischenzeit offensichtlich Maßstäbe gesetzt, die es zu unterbieten gilt.
Die Zeiten ändern sich eben, das werde ich einsehen müssen: Jetzt gibt es sogar einen Aufstand der Faulen. Weshalb die wohl gerade jetzt aufstehen?