Das Eis trägt nicht die Eiligen. Es trägt die, die horchen.
Der Tag ging mir entgegen mit blanken Stellen. Der Weg ein Spiegel, der mich prüfte. Ich setzte den Fuß wie eine Frage. Kein Sprung heute. Nur das leise Verhandeln mit dem Boden. Ein Vor, ein Zögern, ein Atem, der bleibt. So lernt man gehen, wenn der Winter spricht. Die Kälte legt ihre Hand auf alles Bewegliche, doch darunter arbeitet ein heimliches Grün. Es schiebt, es hebt, es glaubt an das Weiter. Vielleicht ist Vertrauen kein Aufbruch in die Ferne, sondern das Einverständnis mit dem nächsten Schritt. Nicht das Fliegen. Das Gehen auf unsicheren Flächen. Und irgendwo im Eis ein feiner Riss – genug für Licht.
Heute wieder das Abenteuer Bahn hart am Limit erlebt. Große Enttäuschung meinerseits, dass es mir nicht gelingt, die ewig gleichen Szenarien mit mehr Gelassenheit zu ertragen. Das Trauerspiel ist jeweils absehbar und dennoch zum Verzweifeln. Und kein Ende in Sicht.
Vor 16 Jahren zeigte mein Außenthermometer Minus 15 Grad an. Heute schmolz das Wintermärchenland dahin. Auch die großen Schneemenschen, die die Kinder aus unserem Gelände herzallerliebst zusammentrugen. Alles dahin geflossen. Vergangen wie die Lebenszeit, die hinter mir liegt.
„Eine Freundschaft zu halten ist ungefähr das Schwerste, was es auf der Welt gibt, sie bedarf einer sorgfältigen Pflege, sonst verblasst allmählich aller Glanz, alle Wärme vergeht, und was bleibt, ist Erinnerung. Im besten Fall. Selbst die kann verblassen.“
Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft
Astrid Lindgren – Louise Hartung
Zum Einschlafen den Briefwechsel zweier Frauen im Ohr. Mit das Beste, das es gibt, um der Welt am nächsten Tag wieder mit Energie die Stirn bieten zu können. Als Kraftresource sind Freundschaften unterschätzt. Um so wichtiger ist es, sie zu pflegen. Das gilt auch für Schwesterschaften.