Kleine Schritte

Das Eis trägt nicht die Eiligen.
Es trägt die, die horchen.

Der Tag ging mir entgegen
mit blanken Stellen.
Der Weg ein Spiegel,
der mich prüfte.
Ich setzte den Fuß
wie eine Frage.
Kein Sprung heute.
Nur das leise Verhandeln
mit dem Boden.
Ein Vor, ein Zögern,
ein Atem, der bleibt.
So lernt man gehen,
wenn der Winter spricht.
Die Kälte legt ihre Hand
auf alles Bewegliche,
doch darunter
arbeitet ein heimliches Grün.
Es schiebt,
es hebt,
es glaubt an das Weiter.
Vielleicht ist Vertrauen
kein Aufbruch in die Ferne,
sondern das Einverständnis
mit dem nächsten Schritt.
Nicht das Fliegen.
Das Gehen
auf unsicheren Flächen.
Und irgendwo im Eis
ein feiner Riss –
genug für Licht.

Journal20260130

Friedvolle und ruhige Tage. Tage auf die ich zurückschauen werde.

Lebensidylle.

Ein Stück vom Glück.

Journal20260129

Heute wieder das Abenteuer Bahn hart am Limit erlebt. Große Enttäuschung meinerseits, dass es mir nicht gelingt, die ewig gleichen Szenarien mit mehr Gelassenheit zu ertragen. Das Trauerspiel ist jeweils absehbar und dennoch zum Verzweifeln. Und kein Ende in Sicht.

Abends höre ich mich mit dem Briefwechsel von Astrid Lindgren und Louise Hartung in den Schlaf. Dabei gilt immer noch, was ich damals über die Lektüre schrieb.

Journal20260128

An trüben Tagen
lausche ich gespannt
ob ich sie höre

die Lebensmeldodie

An trüben Tagen
erfreut mich das rote Glimmen
der Herzenswärme

An trüben Tagen
führt das Ziel zum Weg
das Leben in den Tag

An trüben Tagen
strahlt das Herz
die Liebe aus

An trüben Tagen
heißt mein Glück

Geborgenheit

Journal20260127

Vor 16 Jahren zeigte mein Außenthermometer Minus 15 Grad an. Heute schmolz das Wintermärchenland dahin. Auch die großen Schneemenschen, die die Kinder aus unserem Gelände herzallerliebst zusammentrugen. Alles dahin geflossen. Vergangen wie die Lebenszeit, die hinter mir liegt.

Journal20260126

Winterzauber

Fahrräder mit Schnee bedeckt.

Vor einem Jahr kamen an diesem Tag schon die ersten Kraniche zurück. Hoch oben flogen sie und grüßten mich.

Journal20260125

Digitalisierung ist manchmal ein Segen und ermöglicht uns wunderbare Erlebnisse. Zum Beispiel kann ich heute am Geburtstag von Virginia Woolf in ihren persönlichen Fotoalben blättern. Kann mir alle Seiten mit ihren Flecken und Knicken ansehen. Visuell Eintauchen in das, was wichtig für sie war. Jedenfalls so wichtig, dass Sie es dokumentieren wollte. Die Fotos sind so laienhaft, sie berühren mich sehr.

Journal20260124

Hab heute wieder einen Geschenklink von den Krautreportern für euch.

In der Katastrophe retten dich Nachbarn, nicht die Dosensuppe
Wer will schon alleine im Bunker überleben? Nur Nazis und Milliardäre. Viel besser: solidarisches Preppen.

Journal20260123

„Eine Freundschaft zu halten ist ungefähr das Schwerste, was es auf der Welt gibt, sie bedarf einer sorgfältigen Pflege, sonst verblasst allmählich aller Glanz, alle Wärme vergeht, und was bleibt, ist Erinnerung. Im besten Fall. Selbst die kann verblassen.“

Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

Astrid Lindgren – Louise Hartung

Zum Einschlafen den Briefwechsel zweier Frauen im Ohr. Mit das Beste, das es gibt, um der Welt am nächsten Tag wieder mit Energie die Stirn bieten zu können. Als Kraftresource sind Freundschaften unterschätzt. Um so wichtiger ist es, sie zu pflegen. Das gilt auch für Schwesterschaften.

Journal20260122

Ein weiterer klarer, blauer Wintertag. Kalt. Durchdringend. Lebendig. Gibt Kraft zum Denken.