Sonne statt Reagan

Bei der Wildgans bin ich über das Café WeltenAll auf einen Text gestoßen, der angeblich von Joseph Beuys stammt. Dass der Text von Beuys ist, wird von Serena bezweifelt. Manchmal bringt das Internet Mythen hoch, die schwierig zu überprüfen sind. Keine Ahnung, was jetzt richtig ist.

Lass Dich fallen.
Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen die „JA“ sagen und verteile sie in Deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine in Kinofilmen,
schaukle, so hoch Du kannst mit Deiner Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen,
weigere Dich „verantwortlich zu sein“
tue es aus Liebe.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.
Träume, wilde phantasievolle Träume.
Zeichne auf Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärest verzaubert.
Kichere mit den Kindern. Höre den alten Leuten zu.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir, Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken, werde nass, umarme Bäume,
schreibe Liebesbriefe.

Aber das ist echt: Aus dem Land, das sich selbst zerstört

Doch wir wollen: Sonne statt Reagan
ohne Rüstung leben!
Ob West, ob Ost
auf Raketen muss Rost!

Er will die Säcke im Osten reizen
die auch nicht mit Atomen geizen
doch dein Krieg um hirnverbrannte Ziele
der läuft nicht Reagan – wir sind viele!

Hau ab mit deinen Nuklearstrategen
deinen Russenhassern, deinem Strahlenregen
Mensch Knitterface, der Film ist aus
nimm‘ die Raketen mit nach Haus!

Denn wir wollen: Sonne statt Reagan
ohne Rüstung leben!
Ob Ost, ob West
Kalten Kriegern die Pest!

Dieser Reagan kommt als Mann der Rüstungsindustrie
but the peoples of the States don’t want it – nie!
und den wahren Frieden wird’s erst geben
wenn alle Menschen ohne Waffen leben.

Björn – eiskalt

Björn mal wieder. Eiskalt und anbetungswürdig lesenswert.

Kahle Birken, eine Blaumeise, weiter unten ein kleiner Bach. Nur das leise Plätschern ist zu hören, sonst eine zauberhafte Stille, und dann – ‚Flomp!‘ – der Boden gibt nach, und ich stecke (samt Rucksack!) bis zum Kinn im Schnee.
Kurzer Blickwechsel mit der Blaumeise. Und während ich mittels Schwimmbewegungen langsam auftauche, wird mir klar, warum vor mir keine Fußspuren mehr zu sehen waren …

Gefühle wappnen

Meine Gefühle begannen sich zu wappnen. Ein Zitat, das in meinem Notizbuch steht. Längst weiß ich nicht mehr in welchem Zusammenhang ich es aufschrieb. Aber es trifft es recht gut. Immer wieder wappnen sich meine Gefühle. Besser gesagt, sie versuchen es. Sie probieren es und meistens sieht es eine ganze Weile so aus, als könnte das gut gehen. Aber dann stehe ich doch wieder da: voller Gefühle, die ganz schutzlos sind. Ohne Sicherheitsabstand und ohne Netz und doppelten Boden. Dafür mit klopfendem Herzen und tobende Gedankenkreisen. Was ist jetzt wieder passiert?

Ehe ich mich versehe, bin ich reingefallen in die gegrabene Grube – und dann gilt es wieder rauszukrabbeln und weiter zu gehen. Das kann ich dann ganz gut und meistens bin ich auch schnell wieder zuversichtlich, dass es mir gelingen könnte in Zukunft meine Gefühle zu wappnen. Nur irgendwie anders als vorher. Besser, geschickter, angepasster.

Irgendwie muss das doch gehen. Irgendwie.

Monika

Ist das Dornröschen?, fragte Kerstin andächtig.
Nein, Dornröschen ist das nicht. Obwohl – eine Prinzessin ist sie auch.
Kerstin konnte die Augen nicht von dem schlafenden Mädchen lösen. Sie lag einfach so da, im kleinen muffigen Zimmer hinter Opas Küche. Auf seinem Sofa lag sie und überall lagen Rosen. Rote, blühende Rosen auf der Prinzessin verstreut. Wie war sie dahin gekommen?

Woher kommt sie? Kerstin sah den Opa neugierig an. Sie ist nicht von hier – und wenn sie eine Prinzessin ist ….. Kerstin verstummte. Wusste nicht mehr, wie sie weiter fragen sollte. Der Mann, den alle Opa nannten, setzte sich in die Hocke, um Kerstin in die Augen sehen zu können.
Sie ist schön, flüsterte er.
Ja, sie ist wunderschön. Aber wer ist das?
Psst, sieh sie einfach nur an!
Kerstin betrachtete das Mädchen, das einfach nur da lag, die Augen geschlossen, das Gesicht ganz bleich. Weiß, hieß es im Märchen. Weiß wie Schnee. Aber Schneewitchen konnte das nicht sein. Die Haare waren nicht schwarz. Sie waren ganz blond. Vielleicht ein Engel? Aber Engel schlafen doch nicht, sagte sich Kerstin. Nur Dornröschen. Dornröschen schläft.
Kerstin wurde mit einem Mal ganz schlecht. Ihr Magen krampfte, sie hielt sich die Hand vor den Mund und kämpfte mit dem, was sich den Weg frei schaffen wollte.
Lassen wir sie schlafen, wisperte Kerstin und drehte sich um. Ich muss jetzt gehen, rief Kerstin. Meine Eltern sind bestimmt schon wach.
Kerstin stürmte erst aus dem Zimmer und schnell zur Tür raus ins Freie. Sie hörte den Opa noch rufen, aber sie rannte schon den Feldweg entlang, nicht nach Hause, denn dort warteten ihre Eltern noch lange nicht. Read the rest of this entry »

bald zuhause

dachte ich mir, als ich den mittleren Zug verließ. Heute mal ohne Streß und Hektik. Wie das? Sind Morgen nicht die Ferien vorbei?
Sonnenuntergang am Bahnhof

Die Schneeberge sind noch nicht ganz verschwunden, aber wenn ich an die Eishölle denke, die ich vor ein paar Tagen verlassen habe. Dann ist es wieder richtig idyllisch.

in Furcht vor dem eigenen Schatten

„Wenn wir in Gefahr sind, hoffen wir auf Wunder und wenn wir relativ sicher sind, fürchten wir uns vor unserem eigenen Schatten.“
Hannah Arendt

Dazu ist nicht viel zu sagen, außer vielleicht das, dass es möglich ist, dass wir uns das auch bewusst machen können und damit haben wir die Möglichkeit uns gegen diese ersten reflexartigen Strukturen zu stellen. Und erst dann können wir planen, entscheiden, handeln und uns damit unabhängig von der Furcht bzw. der Unbeweglichkeit machen.

US-Justizminiserium klagt Twitter-Daten ein

War ja zu erwarten. Die Treibjagd rund um Wikileaks geht weiter.
Online-Durchsuchung per Geheimverfahren: Ein US-Gericht hat angeordnet, daß Twitter dem Justizministerium sämtliche Benutzerdaten von prominenten Wikileaks-Unterstützern geben muß. Betroffene erfahren erst jetzt von der Entscheidung – sie haben zehn Tage zur Gegenwehr.

Weiter bei Schockwellenreiter oder hier oder bei heise:

Birgitta Jonsdottir, eine Abgeordnete des Isländischen Parlaments ist laut britischen Medienberichten aufgrund ihrer Verbindungen zu Wikileaks ins Visier der US-Regierung geraten. Sie wurde vom Kommunikationsdienst Twitter darüber informiert, dass die amerikanische Justizbehörde die Herausgabe aller Tweets verlangt habe, die die Politikerin nach November 2009 verfasst hat. Birgitta Jonsdottir twittert unter dem Kürzel birgittaj. In ihrem Blog diskutierte sie Mitte Dezember die Frage, ob Julian Assange in Island politisches Asyl gewährt werden sollte.

bei der Frankfurter Rundschau

Nachrichten, Kontaktdaten, IP-Adressen – die US-Regierung will offenbar über den Kurznachrichtendienst Twitter an Beweise kommen. Betroffen ist nicht nur Wikileaks-Gründer Assange.

Stapelweise Gerichtsbeschlüsse

law blog — Die Aufregung ist groß, verständlicherweise. Twitter soll an die US-Regierung sämtliche Nutzerdaten über WikiLeaks-Aktivisten und WikiLeaks-Sympathisanten herausgeben. Grundlage ist der Beschluss eines US-Bundesgerichts. WikiLeaks selbst twittert heute morgen sogar, alle 637.000 Follower des WikiLeaks-Accounts müssten damit rechnen, dass Ihre Kontaktinformationen und Verbindungsdaten an die US-Behörden geliefert werden. mehr →

Die US-Regierung hat mittlerweile herausgefunden, dass Wikileaks auch auf Twitter ist und verlangt die Herausgabe von diversen Daten von namentlich bekannten Wikileaks-Unterstützern der letzten 180 Tage.
bei netzpolitik

Offline-Flattr

Deutschland scheint in vieler Hinsicht anders zu ticken als andere Länder. Flattr z.B. scheint nur in Deutschland zu funktionieren. Spricht das für den dort verbreiteten Gerechtigkeitssinn? Das wage ich nicht einmal zu denken. Überhaupt bin ich selbst von dem flattr-Ding noch nicht ganz überzeugt. Zu viel wird noch abgegriffen von dem, was eigentlich zu verflattrn ist.
Andererseits: Es tut sich was im Flattr-Raum.

Offline-flattr: Das Feature hatte Peter Sunde schon bei der a2n angekündigt: Auch offline-Erzeugnisse wie ein Bild, eine Örtlichkeit, oder eben alles, an das man einen QR-Code kleben kann, können jetzt geflattrt werden: Man muss nur das “Thing” in flattr erstellen, und den dazugehörigen QR-Code ausgedruckt aushängen. Geflattrt wird dann bequem per Smartphone. Ich bin mal gespannt, ob sich vielleicht ein paar Streetartists trauen, einen flattr-Button neben ihre Werke zu kleben.

Geschlechtertrennung in Bussen

Eigentlich selbstverständlich, aber offensichtlich mussten Frauen in Israel erst dreieinhalb Jahre darum kämpfen, bis es zu diesem Urteil kam.

Die Geschlechtertrennung in Bussen für ultra-orthodoxe Juden in Israel ist illegal. Der Oberste Gerichtshof des Landes entschied am Donnerstag, dass Frauen nicht gezwungen werden dürfen, in den sogenannten koscheren Bussen im hinteren Teil Platz zu nehmen. „Ein öffentliches Verkehrsunternehmen darf Frauen nicht sagen oder vorschreiben, wo sie zu sitzen oder was sie zu tragen haben. Sie dürfen im Bus sitzen wo sie wollen“, urteilten die Richter.

Die Zeit der Tränen

Die Zeit der betagten Jahre. Das Unbehagen im eigenen Körper, das fremde Spiegelbild, die Einsamkeit der Gedanken und Gefühle, das ständige Verlassenwerden.
Die Zeit der Tränen.

Ein Fußnotenbuch schrieb Friederike Mayröcker in dieser Lebenszeit.