Pochen
Gedanken pochen
hinter der Stirn
Lass uns raus,
schreien sie
und wissen doch
dass es kein
Ausweg gibt.
Nur pochen.
Gedanken pochen
hinter der Stirn
Lass uns raus,
schreien sie
und wissen doch
dass es kein
Ausweg gibt.
Nur pochen.
der Schmerz
heute fühlt er sich so anders an
wie hundert Schmerzarten
ein Schmerz
mit tausend Wunden
lauter kleine Schmerzwunden
es zieht
von unten nach oben in die Backe
ich spüre ihn von hinten nach vorne
oben links ist schon richtig
aber dort ist er überall
dort tobt er
mit Millionen kleinen Gesellen
feiert eine Schmerzparty
wild und ausgelassen nistet er sich
langsam bei mir ein
Es war ein heißer Tag. Fast ein Sommertag. Strahlend blauer Himmel und wir waren den ganzen Tag draußen. Auf dem Flohmarkt. Daran kann ich mich noch erinnern. Einen Fernseher hatten wir damals nicht, deshalb weiß ich auch nicht mehr genau, wo ich die ersten Fernsehbilder gesehen haben. Zuerst die merkwürdigen Messungen, dann Vermutungen, immer abenteuerlicher werdend: ein unerlaubter Test, eine neue Waffe, ein geheimer Atomschlag. Verharmlosungen, Erstauenen und zum Schluss dann doch die nicht erfassbare Wahrheit: ein GAU. Das was nie hätte passieren sollen, nie hätte passieren können, war geschehen.
Was ist zu tun? Alle waren draußen. Duschen? Wäsche waschen? Bloß nicht nach draußen hängen. Waggons mit Molke wurden hin und her geschoben. Pilze – um Himmelswillen! Es war nicht vorstellbar, was mit den Menschen in Tschernobyl passiert sein mag.
Der Bembel hat einige Dokumentationen zusammengestellt.
Bin so geschafft, dass ich kaum etwas wahrnehmen kann. Auch das Lob gleitet an mir ab, obwohl ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist. nicht in der Form und nicht in der Qualität. Aber es sickert nicht ein, tränkt meine Seele nicht.
Wo ist der Harken?, frage ich mich. Was ist geschehen? Wollte ich noch besser sein? Nein, so anmaßend bin ich in der Regel nicht. Ist es das nicht endenwollende Zahnproblem?
Uff, ich bin geschafft. So erledigt.
Just Kids heißt das Buch, das Patti Smith über ihre Zeit mit Robert Mapplehorpe schrieb. Etwas mehr als 100 Seiten habe ich bisher gelesen und während dem Lesen schwanke ich hin und her. Gefällt es mir – oder gefällt es mir nicht? Es gefällt mir – aber manches gefällt mir nicht. Der erste Einspruch von mir fiel schon nach 15 Zeilen. Nein, so sollte man keinen autobiografischen Text schreiben. Nein, es ist doof, das Leben so zu mystifizieren. Es ist platt, dem Leben und dem Tod Bedeutungen zu zuschreiben, die sie nicht haben. Das ist doch überhöht, denke ich bei mir – und dann denke ich daran, dass ich manchmal auch Dinge überhöhe. Gerne überhöhe. Sie gerne überziehe. Und überhaupt: Warum schreibe ich dann nicht einfach los. Schreibe meine eigene Geschichte. Da gäbe es viel zu schreiben.
Ob hoch oder nicht. Überhöht oder geradeaus.
Alles wäre möglich.
Es ist an der Zeit, die Mädchenmannschaft in der Sammelmappe zu verlinken. Allen voran die souveräne Anne Berg, die auf der re:publica beharrlich ihre Position vortrug.
In der SPD bleibt die Angst vor dem großen, dunklen Netz, titelt Spreeblick den Artikel über das Treffen der SPD-Netzwerker und zählt die Bedenken und Vorbehalte der NetzwerkerInnen auf. Das Resüme: Sie sähen nur die Bedrohung und nicht die Chancen.
Aber ist das nicht die Sichtweise, die im Moment für alle Lebensbereiche gilt? Ist Bedrohung, Furcht und Angst nicht das große Zeitgeist-Thema, das in der globalen Terror-Angst mündet?
Und reden nicht immer nur die Dummschwätzer von den Chancen, die die sie über den Tisch ziehen veräppeln wollen? Wenn ich Chancen höre, muss ich sofort an den Spruch: Die Chancen, die die Krise bietet denken.
Für mich passt das Bild jedenfalls, das die einen von der Bedrohung reden, die anderen von den Chancen und damit alle an diesem merkwürdigen Zeitgeist-Klima festhalten. Denn was soll hinter diesen Chancen stecken? Gewinne. Macht. Geld. Weiterkommen. Andere überrunden.
Das machen wir doch die ganze Zeit. Wir hängen ganze Kontinente ab. Da wird von dem Recht auf Zugang zum Internet geredet und in der Zwischenzeit verhungert, verdurstet die Hälfte der Menschheit. Nur weil wir uns nicht als ganzes wahrnehmen. Nur weil ständig jemand die Chance haben will, etwas besser zu sein als die Nachbarin oder der Nachbar.
Aufruf zu einer weltweiten Lesung für Liao Yiwu und in Erinnerung an das Massaker am Tian’anmen-Platz am 4. Juni 2010
Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft Kulturinstitutionen, Schulen, Radiostationen und interessierte Personen zu einer weltweiten Lesung von Gedichten und Prosa des chinesischen Autors Liao Yiwu am 4. Juni 2010 auf. An diesem Tag jährt sich das Massaker am Tian’anmen-Platz in Beijing im Jahr 1989, bei dem nach Angaben des Roten Kreuzes ca. 2.600 Menschen den Tod fanden. Über das Ereignis selbst, dem eine Demokratiebewegung vorausging, wird in den offiziellen Medien in China nichts publiziert, die Zensur wurde noch am 20. Jahrestag des Geschehens bis in die Web-2.0-Internetplattformen hinein enorm verschärft. Das verordnete Schweigen in China, das auch die Phase der Kulturrevolution betrifft, die enorm hohe Zahl von Todesurteilen in diesem Land und der Umgang mit Tibet müssen von den zivilgesellschaftlichen Instanzen demokratischer Gesellschaften umso deutlicher kommuniziert werden.
Könnt ihr euch erinnern an die Zeit, als die Piratin auf die Insel kam? Wir lauschten ihren Worten und ihr Papagei faszinierte uns.

Schnell, schnell, geht rasch rüber. Sonst verpasst ihr sie.
Der re:publica habe ich mich jetzt entledigt, indem ich sie aus der Seitenleiste und aus dem Twitterphoto entfernt habe. Gesetzt hat sie sich noch nicht; zu intensiv sind die Eindrücke und diese Mischung aus beruflicher Anspannung, Zahnschmerzen, Ängsten und die Erinnerung an die vergangenen Tage versetzen mich in einen unwirklichen Zustand. Nicht zu vergessen noch die Freude an meinen Kunstschätzen.
Alle Gefühle und Empfindungen überwältigen mich gleichzeitig. Zuviel für eine im Zeichen der Schnecke geborene. Zu schnell wechseln die Szenarien. Alles ist wichtig, alles ist intensiv, alles ist existenziell.
Und zwischendrinn konzentriere ich mich immer wieder darauf. Alles wahrzunehmen, zu reagieren, mich nicht zu überfordern. Ruhe zu bewahren. Durchzuhalten – und dabei mehr als nur zu überleben. Es gut zu machen.
Am Montag habe ich es sehr gut gemacht. Doppelt so gut, als mein eigener Anspruch war. Wo es mir doch so selten gelingt, in die Nähe meiner selbst gesteckten Ziele zu gelangen.