Tödlicher Irrtum
dem Bösen die
Schulter zuwenden
im fatalen Unwissen
dass die kalte Schulter
der beste Platz zum
Umklammern ist
dem Bösen die
Schulter zuwenden
im fatalen Unwissen
dass die kalte Schulter
der beste Platz zum
Umklammern ist
Keine Besserung in Sicht. Nicht im Großen. Nicht im Kleinen.
Weinen. Ich weine Tränen, um die Menschen und um die Welt.
Eine muss diese Tränen weinen. Zwischen Wut, Zorn, Verzweiflung, Angst und Ignoranz muss eine die Tränen um und für die Welt weinen. Intensiv und unvergesslich. Beharrlich.
Gegen die Barbarei.
Körperlicher Zustand: das Japsen und Stöhnen mit der doppelten Dosis Allergiemedikament angegangen. Voraussichtlich wird mich das in einen verdösten Pufferzustand versetzen, aber die wunderbaren Pollen, lassen mir keinen Spielraum.
Bin zurück von meiner Familienreise am Alptraum-Reisetag Gründonnerstag. Übervolle Züge mit Bundespolizei-Ausstiegsservice. Nennen wir das mal so. Früher wurde die Bundespolizei ja erst geholt, wenn sich die Türen nicht mehr schließen ließen. In meiner Erinnerung waren diese Situationen nicht halb so schlimm, wie ich es heute von meinem privilegiert reservierten Platz aus erlebe.
Das Alter verändert bei mir die Sicht auf viele Situationen.
Wie auch immer, ich bin wieder zuhause. Erschöpft und erledigt. Froh über die Feiertage. Ich werde sie ehren und genießen.

Im ersten, frühen Zug war die Reisewelt noch halbwegs in Ordnung.
Die Augen kratzen, die Nieserei schüttelt mich durch, ich japse und ächze, aber ich kann heute und morgen auf keinen Fall Allergiemedikamente nehmen. Dann wäre ich ausgeknockt. Besser nicht.
Abenteuer in vollen Zügen ist angesagt. Ich hoffe auf eine Portion Gelassenheit.
Ansonsten gibt es nicht viel zu schreiben. Ich meide die Nachrichten, ich meide die Aufregung, ich meide die Konfrontation. Meine Arbeit rupfe und zupfe ich mir zurecht, Teile voller Konzentration, aber auch zeitweise sehr zerstreut. Manchmal sehe ich die blühenden Bäume und denke: Oh, es ist Frühling! Wie schön. Ich sehe auf den Kalender und möchte die Zeit etwas bremsen. Dann frage ich mich wieder, in welchem Jahr wir eigentlich leben.
Jedenfalls gibt es Krieg. Der lässt sich nicht ignorieren. Er durchdringt die Zukunft und die Vergangenheit. Wir stecken fest im Schlamm schlechter Entscheidungen.
Alles hat seinen Preis, sagen sie. (Es sagen immer die, die den Preis nicht bezahlen.)
Alles hat seinen Preis, sagen sie, aber ehrlich ist ihre Währung nicht.
Sie sagen nicht, dass wir jetzt jede Kilowattstunde in vergossenes Blut umrechnen müssen. In zersplitterte Knochen, Leichensäcke und traumatisierte Seelen.
In zerfetzte Glieder, Alpträume und Massengräber.
wende das Blatt so lange
bis aus allen Träumen
Worte darauf rieseln
Dass meine private ToDo-Liste in den letzten Wochen so angewachsen ist, dass sie die dienstliche locker abhängt, beschreibt den Zustand meines Lebens recht gut.
Und das fällt alles so locker unter „Freizeit“. Nach diesem Maßstab scheinen Bürokratie sowie Sekretariats- und Recherchearbeiten meine bevorzugten Lieblingsfreizeitbeschäftigungen zu sein.
Wie sanft, leicht und märchenhaft die Welt erscheint, wenn draußen unerwarteter Schnee alles bedeckt.
Natürlich nur von der warmen Innensicht aus betrachtet. Gehst du raus, rutscht du durch die schwere Nässe. Da ist kein Halt, keine Beständigkeit. Nichts zum Greifen.
Ob die Blüten es überstehen?




Der April verschafft sich mit einem Winter-Paukenschlag Zutritt ins Kalenderjahr.
Ich bin immer noch matt und niedergestreckt von der Allergie und den Umständen.
Außerdem dröhnt der Krieg durch mein Gemüt. Heute Nacht las ich das lange Interview mit dem BASF-Menschen. Klar, der warnt vor dem Gas-Embargo, weil es diese Firma ziemlich trifft. Aus diesem Interview erfahre ich, dass sie die Gasspeicher an Gasprom verkauft haben. Der Bund hätte kein Interesse an dieser Infrastruktur gehabt. Meine Güte! Was haben die uns verraten und verkauft. Auf jeder nur möglichen Ebene.
Ein Elend.

Aktuelle Lektüre: Pflegeberichte, Blutwertetabellen und Email-Kommunikationsschleifen. Dazu das geografische Studium der medizinischen Infrastruktur auf dem Lande.
Die Angst hinter Daten, Tabellen und Listen verstecken.
Die Furcht stündlich neu verankern.
Das ist doch schön, dass du gebraucht wirst und es dir gefällt. Denn schließlich gefällt dir das Schreiben ja. Warum…