Ordnung und Chaos

Audrii schreibt, sie sei keine Suchmaschine. Das kann ich gut nachvollziehen. Auch bei mir gibt es diese beiden Anteile, die strenge Ordnung und Struktur in einem kleinen Lebensbereich und dann wieder die Unordnung und das Chaos. Strenge Ordnung halte ich nur da, wo ich es für notwendig halte, bei den Bank- oder Rentenunterlagen z.B. In vielen anderen Lebensbereichen halte ich nicht viel davon, mich übertriebenen Strukturen zu unterwerfen. Da ich mir angewöhnt habe, in regelmäßigen Abständen Balast abzuwerfen, versinke ich nicht im Chaos. Weder im RealLife noch auf meiner Festplatte.

Das ist auch gut so: denn im Suchen bin ich eine Niete.

Ich mach‘ mich auf den Weg

zum Bloggertreffen.

2321 Tage

Ich komme jetzt erst dazu, die Bilder von Ingrid Betancourt anzusehen. All die Jahre habe ich das Blog immer weitergeführt und nie daran gezweifelt, dass sie irgendwann freikommen wird. Aber das Interesse an Ingrid Betancourt, Clara Rojas und den anderen Geiseln in Kolumbien war in Deutschland sehr viel geringer als in meisten europäischen Ländern.

Ich bin so froh, dass nach Clara Rojas und ihrem kleinen Jungen nun auch Ingrid Betancourt wieder in Freiheit ist – und ein kleines bißchen stolz bin ich auch darüber, dass ich diese einsam Unterstützungsarbeit durchgezogen habe. Auch durch die schwierigen Zeiten. Auch als das Blog mit Spam überflutet wurde und auch als die Haßkommentare kamen, als die Deutsche Susanne Osthoff im Irak entführt wurde.

Jetzt wünsche ich mir für die anderen 700 Geiseln, dass auch sie bald freikommen. Dass die Entführungen ein Ende nehmen. Dass das Leid endlich aufhört. Das Leid der Entführten und ihrer Angehörigen. Es ist Zeit.

Nachtrag: Hier noch ein Link zu den Videos rund um die Befreiung von Ingrid Betancourt.

Ingrid ist frei

Ich hatte so lange gewartet, dass ich endlich diesen Eintrag schreiben kann: Sie ist endlich frei! Ingrid Betancourt ist frei!
Leider hatte ich gestern und ganz sicher auch heute, nicht eine Minute Zeit um mir ein Interview mit ihr anzusehen. Schade! Aber das Wichtigste ist einfach: Sie ist frei!

Fettnäppchen

Liebe Piri, ich hoffe doch sehr, dass dir dein Mantra hilft. Heute hätte ich aber vielleicht besser das folgende Mantra anwenden sollen:

ich trete nie in Fettnäppchen
halte meine Finger immer von wunden Punkten fern
ich falle nie in meine eigene Falle
und schütze immer meine Seele
Ich umrunde jedes offene Messer
und hüpfe geschwind über jeden Stolperstein

Mantra

Ich habe keine Angst.
Ich bin nicht ängstlich.
Angst kenne ich nicht.
Ich fürchte mich nicht.
Bin niemals schreckhaft.
Mir graut vor nichts.

Ich habe keine Angst
Ich bin nie ängstlich.
Nie habe ich mich gefürchtet.

Ich kenne nur Freudenschauer.

Rasante Inflation

Zwei Tage beim Bachmannpreis lauschen und ich bin fern ab aller Realität. Aller Nachrichten-Realität. War da nicht immer wieder die wispernde Stimme, die vor der Inflation gewarnt hat? Und vor der Stagflation?

Die Inflation hat sich auch den Bachmannpreis vorgenommen: Auf 250.000 Euro hat die Stuttgarter Zeitung den Preis hochgerundet.

Hilfe, jetzt ist sie wirklich da! Die Inflation.

Heiße Tage

Heute morgen machte die Jury beim Bachmannpreis einen sehr unkonzentrierten Eindruck. Ganz schlimm war es bei der letzten Besprechung vor der Pause. Aber auch schon vorher hatte ich das Gefühl, dass es nur noch um die eigene Selbstdarstellung geht und dass die Texte nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Ilja Trojanow merkt in der Zwischenmoderation an, dass die Jury die emotionale Ressonaz bei den Leserinnen und Leser nicht berücksichtigt und damit spricht er mir aus dem Herzen.

Ganz entsetzt war ich, als Ijoma Alexander Mangold den zärtlichen Feuerwehrmann in Sudabeh Mohafez’s Liebes-Feuer-Geschichte mit einem Phallussymbol verglich. Der Vergleich passte so ganz und gar nicht zu dieser liebevollen Geschichte über ein Unglück.

Der Nachmittag fängt mit einem nörgeligen Oberlehrer an, der ersten den Moderator überprüft, dann dem Publikum Verhaltensweisen aufdrückt und dann noch – Ja, wen eigentlich? – eines Fehlers überführt, bevor er mit dem Lesen beginnt. Das nervt. Mich jedenfalls – und mit seinem Text geht es mir ähnlich. Auftrumpfen. Scheint sein Motto zu sein.

Jetzt liest Tilman Rammstedt. Der ist wenigstens ab und zu witzig. Lustig. Aber wieder so ein atemloser Vorleser. Davon bekomme ich Herzrasen.

Zum Schluss liest Anette Selg, die von Klaus Nüchtern vorgeschlagen wurde. Sie liest einen Frauentext, mir gefällt’s. Die Jury wird vielleicht sagen, zu emotional oder sogar zu schnulzig.
Genau. Jetzt kommt’s. Banalität und Ornamente. Aber vor allem wird die Lesegeschwindigkeit kritisiert. Für mich – geboren im Zeichen der Schnecke und als überzeugte Leisetreterin – war die Geschwindigkeit genau richtig.

Mir fällt auf, dass ich die Literatur ausschließlich über mein Gefühl beurteilen kann. Mein Gehirn ist mit Texten angefüllt, mein Gefühl bleibt sicher in seinem Urteil.

Zum Schluss sagt Ilja Trojanow noch das, was ich auch so empfunden habe. Vor der Mittagspause gingen die Mitglieder der Jury mit ihren Behauptungen unter die Gürtellinie. Ob das wirklich nur Unkonzentriertheit war?

Ohne Hupen

Gestern habe ich um 18:00 Uhr meine Piratinnenflagge eingerollt und sie sorgfältig neben dem Sofa verstaut. Damit ich sie heute wieder griffbereit habe. Ab 9:05 geht es wieder los und ab 10:00 Uhr werde ich sie besonders inbrünstig schwenken.

Hupen geht  leider nicht, denn ich will den Worten lauschen, die die Inselpiratin Sudabeh Mohafez vorliest.

Pssst.

Mitfreuen

Ich habe das Spiel gestern nicht gesehen. Ich kann mir Fußballspiele nur selten ansehen. Entweder langweilen sie mich oder sie sind so spannend, dass ich die Spannung nicht ertragen kann. Eins ist jedenfalls klar: Ich hätte mich keinesfalls mit den Türken mitgefreut, wenn sie gewonnen hätten. Nein, das kann niemand verlangen. Mit den Portugiesen vielleicht. Vielleicht auch mit den Spaniern. Damals mit den Griechen war doch klar. Aber mit den Türken bei dieser EM? Nein, das wäre doch ein bißchen zu viel verlangt.

Vielleicht beim nächsten Tunier.

(Dieses Spiel habe ich ganz ohne Höflichkeit exakt getippt. Auch ein blindes Huhn findet ab und zu ein Korn.)