Ich bin eine strenge Haushälterin mit meinen Ressourcen. Geizig und penibel gehe ich mit ihnen um. Das liegt auch daran, dass ich nicht so viele habe. Sie sind sehr beschränkt und kostbar.
Auf keinen Fall möchte ich Sie einfach so verprassen.
Ich bin nicht sonderlich talentiert als Haushälterin meiner Ressourcen. Das führt dazu, dass ich sie nicht effizient einsetzen kann. Mir bleibt nur die Ressourcenknausrigkeit zum Gegenhalten.
Seit einiger Zeit habe ich den Kork entdeckt. Kork-Handtasche, Kork-Geldbeutel, Kork-Brillen-Etui und jetzt sogar wagemutig eine Kork-Einkaufstasche gekauft.
Wenn ich weitermache schaffe ich locker den Sprung von der Minimalistin zur Shopping-Queen.
Die achtteilige, spanische Krimiserie aus der arte-Mediathek gefällt mir gut. Die Landschaft ist toll, die Geschichte einfach und trotzdem nicht durchsichtig. Es gibt starke und schwache Frauenfiguren, genauso wie es starke und schwache Männerfiguren gibt.
Die Richterin tut sich schwer mit den Menschen und ihrer Verantwortung. Sie leistet neben ihrem Job Carearbeit. Wie eine Superwoman. Eigen an dieser Carearbeit ist die Darstellung eines schwierigen Pflegefalls, nicht das übliche hübsche Sonnenscheinkind im Rollstuhl oder eine Mutter im Koma liegend.
Eine andere unübliche weibliche Nebenfigur ist die Drogenchefin, die die Gansterbande instruiert. Sie wirkt gerade, weil sie so eins zu eins von ihrem männlichen Abziehbild auf weiblich projiziert wird.
Die Männer haben den Sprung in das moderne Zeitalter leider noch nicht geschafft. Als Pfleger versagen sie, als Ehemann betrügen sie, als Bräutigam verheimlichen sie. Als alleinerziehende Väter nörgeln sie.
Als Rule-Model besteht noch grundsätzlicher Verbesserungsbedarf.
In der Arte und der ZDF-Mediathek ist zur Zeit mehr los als auf den Streamingdiensten. Bei denen ist die Luft raus. So schauen wir uns jetzt die Folgen über El Hierro an. Der Untertitel „Mord auf den kanarischen Inseln“ ließ übelste Seichtigkeit vermuten.
Aber das täuscht. Die Richterin müht sich und die Story bleibt spannend.
Bad Feminist von Romane Gay steht bei mir auf dem Leseprogramm. Ich bin hin und her gerissen von ihrem Schreiben. Mal finde ich es wunderbar, mal sehe ich nur Banalitäten.
Cover mit einem Foto von Christa Wolf in jungen Jahren mit Jacke und den Händen in den Jackentasche des Bandes Ein Tag im Jahr 1960 – 2000
Manchmal finde ich es schade, dass die Sammelmappe für mich kein Tagebuch-Blog im herkömmlichen Stil sein kann. Aber diese Entscheidung ist vor langer Zeit gefallen. Hier kann es immer nur um mich oder um überpersönliche Dinge gehen. Zu groß ist sonst die Gefahr unabsichtlich die Grenzen von anderen Menschen zu übertreten.
Die Bahnhofsuhr am Eingang des Hauptbahnhofs zeigt 6 Uhr 38 an. Es ist dunkel, die Bahnhofshalle ist beleuchtet, Personen laufen durch die Eingangstür zur Halle.
Auch heute könnte ich meinen Müdigkeitspost fortsetzen. Immer weiter schlafen wäre ein Traum.
Ich könnte ein Müdigkeitstagebuch schreiben. Tag um Tag, Nacht um Nacht. Mich macht alles müde: das Büro, die Welt, das Wetter, die Menschen, die Luft.
Die Freude, die Traurigkeit, die Angst und die Hoffnung, das Gestern und das Morgen.
In mir wächst die Müdigkeit von Generationen an. Kleine Müdigkeitspflanzen entwickle ich schleunigst zu einem Müdigkeitsdschungel.
Blick in der Nacht aus dem Fenster auf den Vollmond hinter den Bäumen. Die Lichter vom Riederberg und von der Autobahn sind zu erkennen. Auch ein paar wenige Sterne.
Wütend. Weil der Stinkefinger der Mittelschicht so überheblich und arrogant in eine Richtung zeigt.
Politik ist auch das, was ihr jeden Tag lebt. Schon vergessen?
Wer nimmt einen unterwürfigen Proleten ernst? Nicht mal einen würdigen Namen habt ihr noch dafür.
Unterschicht. Bildungsferne Schicht. Hartz4ler. Altersarmut. Kinderarmut. Obdachlose. Wohnungslose. Unschuldig in Not-gekommene. Tafel-Gängerinnen. Kundinnen bei der Arbeitsagentur. Menschen mit Migrationshintergrund. Clan_Familien. Überhaupt: Problemfamilien und Problemkinder.
Ich bin stinkwütend über diese Arroganz und Überheblichkeit. Über die Super-Heldinnen-Geschichten und die globale Mittelstandsvernetzung.
Wer erzählt denn die Geschichten der Gedemütigten und der Stillen? Wer bestimmt die Rahmen und wer legt das Punktesystem fest?