Reisetag
Quer durch das Land und wieder zurück in meine Wolkenkratzer-Stadt. Der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Bei mir ist Geduld gefragt.
Quer durch das Land und wieder zurück in meine Wolkenkratzer-Stadt. Der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Bei mir ist Geduld gefragt.
Mich fasziniert die Minimalismus-Bewegung und in der letzten Zeit schaue ich mir auch Videos dazu an. Ich bin dabei meistens hin und her gerissen. Einerseits mag ich die Vorstellung sehr, nicht viele Dinge zu brauchen. Das ist aus ganz unterschiedlichen Sichtweisen vernünftig und klug. Aber andererseits erschreckt mich der YouTube-Minimalismus durch sein Leere. Sowohl optisch, als auch von der Interpretation.
Jedenfalls genieße ich meinen gemütlichen Nestbau-Minimalismus.
Denn die Seele, die Seele muss auch Halt finden, sonst verliert sie sich.
Antje Schrupp fragt auf Facebook, ob uns der Literatur – Nobelpreis wirklich interessiert.
Ja, er interessiert mich. Auch in seiner Widersprüchlichkeit.
Außerdem interessieren mich die Reaktion darauf. Allerdings muss ich gestehen, dass ich da eine etwas zynische Haltung einnehme, wenn ich diese Mittelstandsblase beobachte, wie sie sich vom Gold und Glitter blenden lässt. Wie sie nach Frack und Abendkleid trachtet und die Hoffnung nicht verliert, dass da jemand Königliches kommt und die Weltmeisterin im Schreiben kürt.
Andererseits interessiert er mich nicht genug, als dass ich die Details des Skandals vom letzten Jahr verfolgt hätte.
Mein Talent liegt leider nicht im Loben: Aber dieses Heft ist ein kleiner sinnlicher Lyrikhauch.
es war ja nichts,
nur ein gefühl
Auf der Rückseite dieses glitzernden Raupapiers (!) und so viele andere Überraschungen.
Zum Anschauen, unterstützen und bestellen.
Das Leben lässt seine Muskeln spielen. Schicksal nenne ich es nicht. Früher war vieles dramatischer. Heute lebe ich vom Glück der geschenkten Tage.
In Demut.
Ich drehe mich nicht um. Dazu bin ich viel zu abergläubig. Aber ich träume Erinnerungen. Bei Tag und bei Nacht.
Wünscht mir Glück.
Es braucht ein Leben, damit es Kunst gibt.
Es braucht Kunst, damit es ein gutes Leben gibt. (Möchte ich noch ergänzen.)
Es braucht die Liebe und die Freiheit zum Atmen. Es braucht Hoffnung und Zuversicht.
Es braucht Kunst, um den Irrsinn dieser Welt zu verkraften.
„Der Gegner will eine andere Politik. Der Feind will ein anderes System. Insofern erübrigt sich die Frage, ob man sich mit rechtsextremen Positionen dialogisch auseinandersetzen muss. Muss man nicht. Es sei denn, man ist interessiert, die Demokratie auszuhöhlen.“
Mely Kiyak in ihrem Essay „Haltung“

Inspiriert durch den Podcast Finding Van Gogh des Städelmuseums, habe ich mir die Biografie eines Gemäldes bestellt. In Papierformat. Ganz gegen meinen mimimalistischen Trieb. Ging nicht anders. Ich will wissen, was Cynthia Saltzman zu sagen hat. Ich will wissen, wie es dem Bild erging.
Mein Faible für Vincent hatte ich all die Jahre etwas zur Seite gelegt. Es konnte ja nicht sein, dass ich meine Zeit mit einem Künstler vergeude, wenn es so viele Künstlerinnen zu entdecken gibt. Und dann noch Van Gogh. Ausgerechnet. Dessen Bilder in den 90ern in jedem Wartezimmer hingen. Dessen Gemälde den Preishimmel einrissen und dessen Lebensgeschichte zum Symbol eines Künstlerlebens wurde. Breitgetreten.
Aber ich muss zugeben, dass ich ein Fangirl war. Ich war Mitte zwanzig als ich zum ersten Mal ein Kunstmuseum von innen sah. In Paris. Mittendrin in all dieser Fülle verliebte ich mich in die Bilder von Vincent van Gogh.
Ich las den gesamten Briefwechsel, der auf deutsch übersetzt war. Alles was ich finden konnte. Jeden Bildband, den ich bezahlen konnte, kaufte ich. Dazu Postkarten, Poster, selbst ein T-Shirt mit einem der Sonnenblumen-Bilder.
Ich versuchte zu verstehen. Die Bilder und das Leben. Die Leben. Denn das von seinem Bruder Theo und später das der Schwägerin Jo hingen eng mit seinem zusammen. Ohne sie gäbe es die Bilder nicht. Bzw. es hätte sie nie jemand zu Gesicht bekommen. Theo starb ganz kurz nach Vincent und die Schwägerin musste als sehr junge Witwe mit dem Baby sehen, wie sie mit sich, dem Kind und den Bildern durch das Leben schlug.
Später realisierte ich, dass der Großneffe von Vincent in den Niederlanden ein prominenter Rechtsradikaler war. Das brachte mich ziemlich aus der Fassung. Er wurde ermordet. Aber ich komme ab vom Thema.
Ich bleibe zuerst beim Bildnis, das den schmerzlichen Ausdruck unserer Zeit besitzt.
(Und dann google ich, was der Urgroßneffe wohl heute so macht. Da sie ihre Namen immer abwechselnd weitergeben, müsste es wieder ein Vincent sein. Haha, viel Spaß beim googeln.)
Heute irgendwo das Wort Kalenderklugheit aufgelesen und eingesammelt. Ich mag diese Sprüche gern, die sich drehen und wenden lassen. Mit wenigen Worten blenden.
41. Trennst du deinen Müll? So wie ich es für richtig halte.
42. Warst du gut in der Schule? Ja.
43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche? Hab noch nie dabei auf die Uhr gesehen und würde die Zeit als sehr unterschiedlich einschätzen.
44. Glaubst du, dass es außerirdisches Leben gibt? Leben ja, das was wir intelligentes Leben nennen, weiß ich nicht.
45. Um wie viel Uhr stehst du in der Regel auf? 5:15
46. Feierst du immer deinen Geburtstag? Nein.
47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook? Oft.
48. Welchen Raum in deiner Wohnung magst du am liebsten? Mein Zimmer.
49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt? Kann mich nicht erinnern.
50. Was kannst du richtig gut? Zuhören.
Die Fragen stammen ursprünglich aus dem Flow Magazin, und Beyhan hat daraus eine PDF-Datei erstellt.