Home nennt Adriene in diesem Jahr ihr 30 Tage Yoga Programm. Ich schleppe mich durch die Übungen, wie schon im letzten Jahr. Allerdings mit weniger Anstrengung der unschönen Art. Wenn es zu heftig wird, entspanne ich mich bis ich den Wiedereinstieg finde. Das wird schon, denke ich bei mir. Das wird schon.
Adriene ist ein Phänomen mit ihren Yoga-Videos. Locker und unaufdringlich zieht sie ihre Linie durch. Einmal las ich in einem Artikel über sie, dass der Autor ihre Videos zum Einschlafen anschaut. Nicht um Yoga machen, sondern um ihrer Stimme zu lauschen.
Mir wird heiß und kalt. Alle Glieder schmerzen. Es ist lange, lange her, dass mich eine Erkältung niederstreckte. Auch dieses Mal bin ich nicht sicher, ob es wirklich eine Erkältung ist.
Vielleicht ist mir das Neujahr mit aller Kraft in Körper und Geist gefahren. Hat von mir Besitz ergriffen. Mich in Panik geschüttelt.
Anmerkung:
Optimismus kann ich auch. Aber der ist im Moment und aus dieser Perspektive heraus nicht angebracht. Es wäre fahrlässig von mir, mir nicht einzugestehen, dass mich die Ernsthaftigkeit der Lage beängstigt.
Erst danach kann ich mich wieder auf die Geruhsamkeit und die Liebe einlassen. Was ich auch tun werde. Ganz bestimmt.
Das Jahr stolpert sich aus. 2020 steht auf der Matte und wirkt arrogant durch seine Symmetrie. Wie ein Fake. Ein Fake Neujahr. Herausgeputzt und blendend.
Dieses Jahr noch keinen einzigen Rückblick gesehen oder gelesen.
Früher war ich fasziniert von Jahresrückblicken. Persönliche oder die in den Medien. Ob Politik, Sport oder Klatsch und Tratsch – mich interessierten sie alle.
Heute starre ich wie gebannt auch die verbleibende Lebenszeit: Was will ich noch tun? Was will ich noch erreichen? Wird das Schicksal mir gnädig sein? Wann wird es mir das Herz aus meiner Brust rausreißen?
Werde ich stark sein? Dieses eine Mal im Leben, werde ich da stark sein?
Ich habe aus dem Vollem geschöpft. Hab im Glück gebadet. So lange Zeit.
Zieh die Eifersucht der Götter nicht auf dich!
Mach dich klein, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen.
„Bedürftigkeit ist ein menschlicher Normalzustand. Bedürftig zu sein bedeutet, dass Menschen andere Menschen brauchen. Wir brauchen die Zuwendung und Fürsorge anderer …“
Weihnachten steht für mich vor allem dafür: Den patriarchalen Dualismus von Abhängigkeit und Freiheit überwinden, Verwundbarkeiten achtsam anerkennen. Uns als Bedürftige erkennen und begegnen. Wechselseitige Sorge und strukturelle #CareRevolution pflegen.
Das ist doch schön, dass du gebraucht wirst und es dir gefällt. Denn schließlich gefällt dir das Schreiben ja. Warum…