Mein Smartphone arbeitet gegen mich und verschluckt mit einer irrsinnigen Autokorrektur ganz oft den Link zu dem Blogeintrag. Das ist schade, denn der Hauptgrund für den Link ist ja eigentlich die Erinnerungsfunktion von Facebook. Ich liebe es in diesen Erinnerungen zu stöbern.
Aber das klappt natürlich nicht, wenn sich dieser Geisterlink ständig über alle anderen Links legt.
(Ein Eintrag aus der Kategorie „Meine Sorgen hätte ich gerne“. Weltflucht ist bei mir im Augenblick angesagt.)
Der Herbst will es noch mal so richtig wissen und zeigt sich von seiner besten Seite. Goldener Oktober.
Bildausschnitt des Buches Wurzeln bis zum Meeresgrund von Katharina Peham. Untertitel: Erzählung. Unten Literaturedition Niederösterreich mit ihrem Logo. Links unten ist mein Finger zu erkennen mit dem ich das Buch halte.
Das Buch von Katharina Peham ist angekommen. Wurzeln bis zum Meeresgrund. Ein Buch zum langsamen Lesen. Will ja nicht, dass es zu schnell aus gelesen ist.
Welchen Einstieg in die Bücher von Olga Tokarczuk empfiehlt ihr denn? Ich hab ein Buch von ihr in der Onleihe gefunden. „Unrast“ mit zur Zeit 67 Vormerkungen, die Bücherei hat die Zahl der Leselizensen auf 5 erhöht. Für mich bedeutet das, dass ich Ende Januar an der Reihe bin.
Gerade eben sehe ich, dass es jetzt zwei Lizenzen für ihre Jakobsbücher gibt. Da wäre ich bei aktuell 27 Vormerkungen im September nächsten Jahres dran.
„In den Hosentaschen von Paula sammelte sich die Zeit. Paula hatte genug davon.“
Mich fasziniert die Minimalismus-Bewegung und in der letzten Zeit schaue ich mir auch Videos dazu an. Ich bin dabei meistens hin und her gerissen. Einerseits mag ich die Vorstellung sehr, nicht viele Dinge zu brauchen. Das ist aus ganz unterschiedlichen Sichtweisen vernünftig und klug. Aber andererseits erschreckt mich der YouTube-Minimalismus durch sein Leere. Sowohl optisch, als auch von der Interpretation.
Jedenfalls genieße ich meinen gemütlichen Nestbau-Minimalismus.
Denn die Seele, die Seele muss auch Halt finden, sonst verliert sie sich.
Antje Schrupp fragt auf Facebook, ob uns der Literatur – Nobelpreis wirklich interessiert.
Ja, er interessiert mich. Auch in seiner Widersprüchlichkeit.
Außerdem interessieren mich die Reaktion darauf. Allerdings muss ich gestehen, dass ich da eine etwas zynische Haltung einnehme, wenn ich diese Mittelstandsblase beobachte, wie sie sich vom Gold und Glitter blenden lässt. Wie sie nach Frack und Abendkleid trachtet und die Hoffnung nicht verliert, dass da jemand Königliches kommt und die Weltmeisterin im Schreiben kürt.
Andererseits interessiert er mich nicht genug, als dass ich die Details des Skandals vom letzten Jahr verfolgt hätte.
„Der Gegner will eine andere Politik. Der Feind will ein anderes System. Insofern erübrigt sich die Frage, ob man sich mit rechtsextremen Positionen dialogisch auseinandersetzen muss. Muss man nicht. Es sei denn, man ist interessiert, die Demokratie auszuhöhlen.“
Bildbeschreibung: Das insel taschenbuch liegt auf einem Holztisch. Das Coverbild zeigt das aus dem Rahmen gelöste Gemälde des Dr. Gachet im Vordergrund liegen Malutensilien. Titel: Das Bildnis des Dr. Gachet Untertitel: Die Geschichte eines Meisterwerks Autorin: Cynthia Saltzman
Inspiriert durch den Podcast Finding Van Gogh des Städelmuseums, habe ich mir die Biografie eines Gemäldes bestellt. In Papierformat. Ganz gegen meinen mimimalistischen Trieb. Ging nicht anders. Ich will wissen, was Cynthia Saltzman zu sagen hat. Ich will wissen, wie es dem Bild erging.
Mein Faible für Vincent hatte ich all die Jahre etwas zur Seite gelegt. Es konnte ja nicht sein, dass ich meine Zeit mit einem Künstler vergeude, wenn es so viele Künstlerinnen zu entdecken gibt. Und dann noch Van Gogh. Ausgerechnet. Dessen Bilder in den 90ern in jedem Wartezimmer hingen. Dessen Gemälde den Preishimmel einrissen und dessen Lebensgeschichte zum Symbol eines Künstlerlebens wurde. Breitgetreten.
Aber ich muss zugeben, dass ich ein Fangirl war. Ich war Mitte zwanzig als ich zum ersten Mal ein Kunstmuseum von innen sah. In Paris. Mittendrin in all dieser Fülle verliebte ich mich in die Bilder von Vincent van Gogh.
Ich las den gesamten Briefwechsel, der auf deutsch übersetzt war. Alles was ich finden konnte. Jeden Bildband, den ich bezahlen konnte, kaufte ich. Dazu Postkarten, Poster, selbst ein T-Shirt mit einem der Sonnenblumen-Bilder.
Ich versuchte zu verstehen. Die Bilder und das Leben. Die Leben. Denn das von seinem Bruder Theo und später das der Schwägerin Jo hingen eng mit seinem zusammen. Ohne sie gäbe es die Bilder nicht. Bzw. es hätte sie nie jemand zu Gesicht bekommen. Theo starb ganz kurz nach Vincent und die Schwägerin musste als sehr junge Witwe mit dem Baby sehen, wie sie mit sich, dem Kind und den Bildern durch das Leben schlug.
Später realisierte ich, dass der Großneffe von Vincent in den Niederlanden ein prominenter Rechtsradikaler war. Das brachte mich ziemlich aus der Fassung. Er wurde ermordet. Aber ich komme ab vom Thema.
Ich bleibe zuerst beim Bildnis, das den schmerzlichen Ausdruck unserer Zeit besitzt.
(Und dann google ich, was der Urgroßneffe wohl heute so macht. Da sie ihre Namen immer abwechselnd weitergeben, müsste es wieder ein Vincent sein. Haha, viel Spaß beim googeln.)