Zusammensein

Aus dem gefährlichen Abgrund der alten Tagebuchaufzeichnungen:

Zusammensein – es ist ein schönes Gefühl, wenn man es durchgehend spürt; dieses Zusammensein.

Nichts kann uns trennen. Nichts auseinanderreißen. Eine Einheit bilden. Dieses große Bedürfnis ein Teil vom Ganzen zu sein.

Ein abgeschlossenes Ganzes zu sein.

Und das Gefühl nicht alleine sein zu wollen, weil sonst etwas fehlt. Weil du dann unvollständig bist. Ständig auf der Suche nach dem zweiten Teil, dem dritten Teil. Unruhig und immer mit dem Bedürfnis dich zu verändern.

Meine Mutter ist ein Fluss

“Wir schweigen lange, vermeiden, das unsere Blicke sich kreuzen, um uns nicht im Schmerz des anderen zu spiegeln.“

Donatella Di Pietrantonio

Journal04052019

In der Küche bin ich Minimalistin, in und um mein Bett herum liegt ein Elektronikpark.

Wenn ich das, was ich im Internet zum Thema Minimalismus sehe als Maßstab nehme, bin ich in den meistens Lebensbereichen Minimalistin.

Nur bei der Elektronik bin ich verloren. Das Gerät, dass alles in einem für mich bereit hält, ist immer noch nicht gefunden. Jeder Gerätetyp hat so seine Vorteile, die ich zu schätzen weiß. Aber leider auch Nachteile, die ihn für bestimmte Situationen unbrauchbar machen.

Jetzt rumort es wieder mal in mir. Es wäre doch zu schön, eine wirklich gute Kamera im Smartphone zu haben!

Auf Instagram gibt es Menschen, die wunderschöne Naturfotos machen und auf meine Nachfrage erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass die meisten diese Fotos mit dem Smartphone aufnehmen. Wieder etwas gelernt.

Leider etwas, das mir jetzt keine Ruhe lässt.


Journal03052019

Meine Mutter ist ein Fluss.

Der Titel des Buches krallt sich in meiner Erinnerung fest. Meine Mutter ist ein Fluss. Ich höre Liebe aus dem Satz, aber da täusche ich mich. Das Vermissen der Liebe zieht sich durch die Seiten.

Zu viel Vermissen für den heutigen Tag, denke ich mir und lege das Buch beiseite.

Heute ist ein Festtag. Ein Grund zum Feiern, ein Anlass zum Lieben. Alles Glück der Welt würde ich gerne über die Menschheit verteilen. Exklusiv zum Weitergeben und zum Teilen.

Journal02052019

Ich suche, aber ich finde nichts. Nicht mal mich selbst finde ich an diesem heutigen Tag. Es ist einer dieser Tage, die sich nicht gut eignen für das Familienportrait. Es ist einer dieser Tage, an dem es laut kracht beim Grenzübertritt.

Manchmal wäre mir die einfache Variante meines Lebens lieber, aber dann erinnere ich mich daran, dass ich schon die Prinzessinnen-Ausgabe lebe. Auf dem Teppich bleiben gehört daher nicht zu meiner Kernkompetenz.

Zu mir gehört

Zu mir gehört die Angst und die Unsicherheit, die mir die böse Fee in die Wiege legte. Genauso wie der Mut und die Hartnäckigkeit, die mir die wohlwollende Fee heimlich unterschob.

Zu mir gehört mein Bedürfnis nach Alleinsein und Stille. Die Tendenz zum Träumen und die magische Fähigkeit, in den Raum zwischen Realität und Fantasie abzutauchen.

Zu mir gehört der Wunsch nach Ordnung und Struktur, die Veranlagung Nester zu hinterlassen und mir mein eigenes Bild zu machen.

Zu mir gehört das Bedürfnis zu Lieben und zu Kitten, den Weltfrieden herbei zu sehnen.

Zu mir gehören die schwarzen Tagen. Das Grausen und das Fürchten.

Zu mir gehört die Hoffnung und das Glück.

Journal28042019

Es ist kalt draußen. Aber die Schäfchenwolken wechseln immer wieder mit den Regenwolken ihren Platz am Himmel.

Schäfchenwolken über dem Bornheimer Hang

Ich bin heute extrem ungeerdet. Unterkühlt und allergiegeplagt.

Fataler Irrtum

dem Bösen die
Schulter zuwenden
im fatalen Unwissen
dass die kalte Schulter
der beste Platz zum
Umklammern ist

Im Zweierteam

Ab heute lebe ich in einer Wohngemeinschaft für Liebende. Ganz formal und amtlich. Leider hat das Bürgeramt keinen Smiley-Drücker mit dem ich meine Freude bekunden könnte. Den hätte ich gerne mehrfach gedrückt.

Was das für ein Gewimmel und Gewusel war! Dieses Amt, das so hocheffizient die Massen abfertigt, dass du Angst bekommst mit deiner menschlichen Reaktionsverzögerung, den Ablauf zu stören.

Regen. Regen gab es heute auch noch. Erst zögerlich und dann freundlich zurückhaltend. Nicht genug, sagen die Expertinnen. Noch lange nicht genug.

Reisepass ins Glück

Journal25042019

So richtig komme ich nicht in den Tag. Nicht in die Woche. Nicht ins Leben. Claudia, die Schwerfällige – so kann ich mich in diesen Tagen nennen. Der Gemütsstatus pendelt zwischen allergie-erschöpft und welt-verzweifelt hin und her. Zwischendurch leicht gewürzt mit einer Brise Übermut.

Morgen ist der Jahrestag von Tschernobyl. Ganz aus dem Zusammenhang herausgerissen, muss ich immer wieder daran denken. Tschernobyl und die Menschheit hat nichts gelernt. Wie immer halt.

Außerdem wird es rechts immer ungemütlicher. Es stinkt nach Faschismus durch alle gesellschaftlichen Ritzen.