Lasst uns über Geld reden

Wir reden zu wenig über Geld miteinander.
Eindeutig.
Wir lassen unsägliche Sprichwörter gelten wie „Geld reagiert die Welt“ und „Beim Geld hört die Freundschaft auf“, aber wir reden selten darüber, was Geld mit uns, unseren Beziehungen und unserem Leben macht.

Read on my Dear beschreibt in ihrem Blog, was der „Taschendieb“ in ihrem Leben anrichtete. Wie er ihr nicht nur das Vertrauen sondern auch die Sicherheit nahm.
Erbärmlich – dieses Verhalten. Nicht zu Verzeihen?

Geld ist mehr als ein Zahlungsmittel und ein Maßstab für Status in unserer Gesellschaft. Ich kann nachvollziehen, wie sehr sie ins Wanken kommt und mich erschüttert, der Bezug den sie zu ihrer jüdischen Identität herstellt.
Aber ich weiß auch: Geld hat die Fähigkeit Menschen zu vergiften.

Der Taschendieb ist eindeutig vergiftet.

Aber – jetzt kommt mein aber – aber das heißt noch nicht, dass sie/er ein schlechter Mensch ist. Es kann sein, ich kenne ja diesen Dieb nicht. Aber es kann eben auch anders sein.
Geld ist ein dominanter Menschenformer. Es formt viel mehr als nur die Habgier, den Geiz, die Großzügigkeit, die Sparsamkeit oder den Ehrgeiz.
Es ist wie beim Essen, das nicht nur Nahrungsaufnahme und Nahrungsverwertung für uns bedeutet. Der Umgang mit Geld ist eng an unsere Psyche geknüpft.

Sehr eng.
Wir sollten mehr über Geld – oder das Fehlen von Geld – miteinander reden.

Nicht nur über die abstrakten Auswirkungen, sondern auch, was es mit uns macht.

Nachtrag: Hier wird schon mal über Geld (im Zusammenhang mit Feminismus) geredet

Melancholie

Melancholie scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein, haftet ihr doch der Ruf an, dass es sich bei ihr um eine verkappte Depression handelt. Oder zumindest eine depressive Verstimmung.
„Schwarzgallig“ meint gar ihre Übersetzung aus dem Griechischen.
Ich finde mich in all diesen Bezeichnungen nicht wieder.
Meine Melancholie ist bittersüß. Ich möchte sie nicht missen. Ist sie doch ein Teil von mir.

Trübsal oder Trübsinn sagen andere dazu. Mich schüttelt es. Nein, Trübsal das trifft es nicht. Das einzige Synonym, das ich zulasse ist der „Weltschmerz“.

Die Welt schmerzt mich manchmal. Dem stimme ich zu. Ebenso der Variante, dass die Welt selbst Schmerzen verspürt.

Die Unzulänglichkeit der Welt und ganz besonders die der Menschheit, macht mir zu schaffen.

Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass die Melancholie sehr selten verstanden wird. Sie stört und schafft Unbehagen. Das ist schade, denn sie ist eine ehrliche und wahrhaftige Gastgeberin.
Mir schärft sie die Sinne und intensiviert den Augenblick.

Be happy ist keine dauerhafte, durchgehende Option für mich.

lebensklug

Mir fehlt Lebensklugheit, denn wenn ich sie hätte, dann würde mir nicht immer wieder entfallen, dass Twittern im richtigen Moment die Lebensqualität enorm erhöht.

Wahlweise stünden auch Instagram oder Snapchat als Überlebensstrategien zur Verfügung.

Aber all das fällt mir nicht ein, wenn das schwarze Loch der fremdbestimmten Arbeit seinen Sog entfaltet.

Ganz schön viel Wind im Spiel

Der Frühling meint es ernst und holt tief Luft. Er freut sich schon auf den Pollenwirbel, den er bald durch Stadt, Land, Fluß treibt.

Währenddessen spielt der Wind mit allem, was er kriegen kann. Einst war er mein Freund. Es war die Zeit in dem ich gerne mit ihm weggezogen wäre. Heute weiß ich längst, dass wir nicht die gleiche Sprache sprechen.
Er spielt nur immer weiter.
Mit allem, was er kriegen kann.

Stimmung

Seltsame Stimmung heute abend.
Betrachte den noch nicht zu Ende gestrickten Lampenschirm und bin nicht zufrieden damit. Gestern erschien er mir noch perfekt.
Facebook zeigt mir ein Erinnerungsfoto und ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo es entstanden sein könnte und bei welchem Anlass.
Ich lese das Straßenbahnenbuch und fange immer wieder von vorne an.

Vielleicht möchte ich gerade nicht, dass die Linie 4 ihr Ziel jemals erreicht.

Gleichzeitig

Irgendwann ist es passiert.
Keine Ahnung, wann genau. Während früher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft klar getrennt waren, vermischen sie sich heute.
Der Zeitstrahl des Lebens ist mir abhanden gekommen. Erinnerungen, die so nah sind, stammen aus der tiefsten Vergangenheit. Anderes, das gestern zu passieren schien, ist dann doch vor fünfzehn Jahren geschehen. Ich bin alt geworden und war doch erst vor kurzem ein Kind. Meine Zukunft ist eingetreten und liegt zum Teil doch hinter mir. Dennoch winkt mir manchmal ein junge Frau zu, in der ich mich wiedererkenne. Mein Leben findet irgendwie gleichzeitig statt.
Mein Leben rollt sich aus vor mir. Wieder und wieder tauchen Bilder und Gefühle auf. Wichtige Momente, gehütet wie Kostbarkeiten. Erinnerungen wie Stoßgebete. Lass es mein Leben sein!
Mein Traum. Meine Liebe. Mein Leben. Mein Glück. Meine Welt.
Ich blättere mein eigenes Kartenspiel auf den Tisch.

Wehmütig ziehe ich die Kummer- und Sorgenkarten aus dem Stapel. An jeder von ihnen hängt mein Herz und meine Seele.
Ich mag keine missen. Muss mich immer wieder vergewissern, dass alle noch da sind. Mein Leben wäre nicht komplett, wenn eine fehlte.

Elektroschrott

Hab zum ersten Mal davon gehört, dass Elektroschrott kostenlos durch die Post entsorgt werden kann.

Da ich zum Vergessen solch praktischer Hinweise neige, notiere ich mir diese Information in der Sammelmappe. Obwohl ich wahrscheinlich auch vergessen werde, dass ich es hier notiert habe.

Die Zukunft sieht also schlecht aus für mich.

Wir kommen

Wir kommen von Ronja von Rönne ist ein dunkles Buch. Ein Buch über die dunklen Seiten der Menschen. Es handelt vom Traurigsein, vom Alleinsein, von Langeweile, Ziellosigkeit und Entscheidungsschwäche. Vielleicht handelt es auch von der nichtendenwollenden Pubertät der Generation der Nullerjahre – und ein bisschen handelt es auch vom Tod.

Der Plot ist zunächst – bis auf die Viererbeziehung – unspektakulär. Vier erwachsene Menschen, ein Kind und eine Schildkröte verbringen einige Zeit in einem Strandhaus. Die Protagonistin Nora möchte dort ihre Panikattacken kurieren. In einem Tagebuch notiert sie für ihren Therapeuten die Ereignisse und ihre Erinnerungen an die Kindheit.
Auf dem Cover ist ein Streichholz zu sehen. „It’s a match“, sagt der Therapeut, als er ihr das Notizbuch zum Reinschreiben gibt.

Bei mir löst das Streichholz die Assoziation aus, dass hier eine mit Sprache zündelt. Hier weiß eine genau, wie sie ein Feuer entfacht.

Die Sprache in diesem Roman ist wendig und voller Pointen, die mal passen und mal daneben landen.

Augenhöhe

Ruhig bleiben und die Fassung bewahren. Egal was passiert, die Linie nicht verlieren. Gerade aus, wo es möglich ist.

Aber nie
ins offene Messer

Lust am Frust

Die Motivation ist mir unter den Tisch gefallen, jetzt versuche ich es mit der Lust am Frust.

Wieder der Versuch eine Lebensrichtung zu bestimmen.
Nachjustieren und feines Tuning.

Wichtiges steht hinten an.
Oben stehst drei Mal du.