„Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine de Vigan

Wie viel Wahrheit enthält eine Fiktion und wie fiktiv kann eine Wahrheit sein? Die Autorin hat einen wunderbaren Roman geschrieben, in dem sie Wahrheit und Fiktion in einen Wettstreit treten lässt. Das liest sich stellenweise spannend wie ein Krimi oder ein Mysteriethriller. In das Leben der Protagonistin tritt ganz plötzlich eine Frau, die eine Lücke füllt, die es dort eigentlich gar nicht gab. Nach und nach gewinnt diese Frau immer mehr Macht und Gewalt über das Leben der Hauptfigur, die den Namen der Autorin trägt.
Mir gefiel vorallem auch das Spiel mit den literarischen Puzzlesstückchen, die in die Handlung eingebaut würden.
Zum Schluss ist es dann doch – dem Titel zum Trotz – die Fiktion, die die Oberhand erhält. Allerdings eine mit Wahrheiten angereicherte Fiktion.
claudia Juli 1st,2017
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Heute ist der Tag der Tage. Sie haben die „Ehe für alle“ im Bundestag durchgeschummelt. So ähnlich wie damals, die Einführung des Straftatbestandes der „Vergewaltigung in der Ehe“. Da muss eine unabhängige Bundestagsabgeordnete ihre Abhängigkeit halt mal kurz vergessen. Zeichen setzen.
Die Zeichen, die ich täglich sehe, sehen leider anders aus. Gerade heute wieder. Im Alltag ist es noch nicht angelangt. Gendersenbilbler Umgang miteinander ist nicht vorgesehen.
Nicht im Mainstream – nicht im Alltag.
Nicht in der Sprache und schon lange nicht im den Herzen.
„Jede Generation, glaube ich, empfindet ihre eigene Arbeit als Fortsetzung und Vorbereitung, und während sie nimmt, gibt sie schon weiter.“
Aus das grüne Licht der Steppe von Brigitte Reimann
Manchmal sieht die Vorgängergeneration das nicht so deutlich und ihr entgeht, dass die nachfolgende Generation schon am weitergeben ist.
Im Guten wie im Schlechten.
Warum wird das Gute so oft übersehen?
Gering geschätzt?
Immer wieder. Mich vergewissern. Dass alles so richtig ist.
Oder wenigstens: dass es ist.
Es ist wie es ist – das beste Gedicht aller Zeiten.
Vertrau der Formel: es ist wie es ist.
Manchmal sammeln sich die Gedanken gleichzeitig in meinem Kopf. Alle rufen durcheinander und mir fällt es schwer, den Zusammenhang herzustellen zwischen innen und außen. Ein typisches Problem der Introvertierten. Die Erdung ist nicht unsere Stärke.
Ich suche den Weg, wie vor Jahrzehnten. Ich suche weiter und weiter. Die Wege werden schmäler mit dem Alter. Bald werden es Pfade sein. Das schreckt mich nicht. Ich werde sorgsam weitergehen.
Behutsam.
Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.
Es ist was es ist, sagt die Liebe.
Und das Leben – auch das hat einiges zu sagen.
Überwachung schadet der Demokratie.
So weit, so schlecht. Die Politik hält nach wie vor Überwachung für eine Möglichkeit und setzt mit einer dreisten Gesetzgebung Mäßstäbe. Der Staatstrojaner soll auf uns losgelassen werden. Nicht etwa als letzte Möglichkeit bei Verbrechen kriminellen Vereinigungen, im Krise Fall und um Menschen zu retten. Nein, um leichte Strafverfahren aufzuklären.
Ich war diese Woche auf einer Veranstaltung, da forderte der Chef des Verfassungsschutz das Recht auf „den digitalen Rettungsschuss“.
Ein Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger als Feinde sieht, die es zu zerstören gilt. Oder wenigstens schaden kann er ihnen.
Wie war das früher mal?
Dienen?
Was dafür Konsequenzen ein entfesselter Staatstrojaner mit sich zieht, ist hier gut erklärt.
Mit welchen Tricks beim Gesetzgebungsverfahren vorgegangen würde, steht hier.
Es besteht die Hoffnung, dass das Verfassungsgericht – wie so oft in der Vergangenheit – den entfesselter Staatstrojaner wieder einfängt.
Und hier noch ein paar Worte über den misslungenen Social Media Gab der CDU, der digital daneben ging. Mit Einhorn und ohne Gehirn.
claudia Juni 25th,2017
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Grenfell Tower
Manchmal dauert es etwas, bis ich meine Sprache wieder finde. Manchmal Sekunden, Minuten, Stunden – dieses Mal Tage.
Der Kapitalismus hat viele grausame Gesichter. Jetzt hat er neues Gesicht dazu bekomme: den Grenfell Tower. Den brennenden Grenfell Tower. Den lohenden Grenfell Tower.
Warte, gleich habe ich es geschafft: Im Namen des Kapitalismus sind Menschen verbrannt. Vor unseren Augen.
Diese Menschen sind verbrannt, weil sie arm waren. Das ist der einzige Grund. Zu arm für Brandsicherheit. Zu arm, als dass ihr Schrei rund um die Welt zu hören wäre. Zu arm, als dass jemand ihre Geschichte erzählen würde.
Zu arm, als dass ihre Zahl in die Todesstatistik eingehen würde.
Sie werden vermisst, aber nicht gezählt. Sie verschwinden im Sommerloch. Dort taucht unversehens das Gespenst namens Helmut Kohl auf. Wir erinnern uns. Damals das waren die Zeiten als erste Weichen gestellt wurden. In England durch Margarete Thatcher. Damals begann das Verbrechen an den Armen Menschen. Später haben es viele Länder darin zur Meisterschaft gebracht.
Und heute sehen wir den lohenden Menschen zu. So sehr hassen sie uns, denke ich mir und begreife zum ersten Mal, wie ernst es ist.
So sehr hassen sie Menschen, dass sie in Kauf nehmen, dass sie in den Flammen verglü
hen.
Arme Menschen haben keine Wahl. Keine Hoffnung. Keine Würde.
Es wird lange dauern bis ich die Bilder vom Grenfell Tower verkraftet habe.
Sie gehen ins Innere. Treffen alle wunden Punkte. Ein Ausweg ist undenkbar.
claudia Juni 23rd,2017
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Ich versuche im Alltag Fuss zu fassen und stolpere unversehens über silberne Schwellen.
Das hätte schief gehen können, spricht die Besserwisserin in mir. Die, die alles immer schon wusste. Hinterher und überhaupt.
Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit ein Stop-Schild herauszuholen. Nein, das ist die falsche Metapher.
Vielleicht ist es die richtige Zeit, den Halteknopf zu drücken. An der nächsten Haltestelle will ich aussteigen und auf anderen Wegen weiter gehen.
Es ist nichts Neues, dass ich für die kleinen Entscheidungen viel Aufwand betreibe. Ich lebe mein Leben akribisch, ich habe nur das eine. Das einzige, das ich kenne. Das einzige, das ich verstehe.
In diesen heißen Tagen scheint sich mein Leben etwas aufzulösen. Es wird irreal, fühlt sich seltsam an. Die Luft schwirrt und ich schmelze davon. Mein Leben schwächt sich ab. Wie ein Klang, der lange und ganz leise nachhallt.
Früher waren die heißen Tage Grund für einen Freudentanz. Lang, lang ist es her. Schleichend kamen die Veränderungen. Ich habe alle hingenommen. Staunend, beobachtend, manchmal auch bewegt.

Hier gibt es kein Entkommen. Der ganze Ort weiß, dass drei Frauen angekommen sind, die sich zu Fuss durch das Gelände kämpfen. Wir werden versorgt mit weisen Ratschlägen und guten Tipps. Nicht, dass wir eine der drei Sehenswürdigkeiten eventuell verpassen. Das wäre eine Enttäuschung für die Dorfehre.
Am dritten Tag suchen wir dann auch endlich das Kloster auf, wer weiß, was uns sonst für Sanktionen gedroht hätten.
Im Land der Feen spielt der Wind mit den Wolken. Wetter ist immer präsent und wir lernen schnell uns im zehnminütigen Rhythmus kleidungsmäßig anzupassen. Genauso schnell lernen wir dem entgegenkommenden Verkehr ruhig ins Auge zu sehen und gelassen in die Kurven hinein zu schreiten.
claudia Juni 17th,2017
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Der Wind treibt sein ganz eigenes Spiel. Mit den Wolken, mit dem Gras, mit dem Sand. Es geht weit hinaus auf diesem Weg. Das Meer kündigt sich tosend an. Sehnsuchtsort. Sehnsuchtsbild. Sehnsuchtsweg.
Die Metaphern für die Lebenszeiten drängen ihre Symbolik auf.
Der Weg ist leichter zu verstehen, wenn er ein Ziel und eine Richtung hat. Im wahren Leben allerdings windet er sich am Alltag entlang.
claudia Juni 17th,2017
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Dass es Sommer ist, entnehme ich euren Instagram-Bildern. Ihr streckt mir die Füsse entgegen. Abgehobene Füsse, die sich dem Laufen entziehen.
Dass es Sommer ist, habe ich selbstverständlich schon zuvor bemerkt und rechtzeitig die Rollladen heruntergelassen. Denn lang, lang ist es her, dass der Sommer eine Sehnsuchtszeit war. Die habe ich einfach umgeswitcht, weil ich es sonst nicht aushalten konnte.
Der Sommer ist eine Herausforderung, die es zu über stehen gilt. Gekoppelt an unfaire admistrative Bedingungen und ein Arbeitsrecht, das keine Sanktionen kennt.
Kapitalismus heißt das System, das es sich bequem macht und Gesetzesüberschreitungen ohne Konsequenzen hinnimmt.
Ein Verstoß gegen das Gesetz ohne Folgen, das ist im Arbeitsschutz im öffentlichen Dienst die Normalität. Immerhin, wir nennen die Dinge beim Namen ….
Und schauen dann weg.