Auf Facebook meint jemand, die Ursache des schlimmen Eisenbahnunfalls von gestern morgen in ein neckisches Zitat packen zu können:
Ein häufiger Fehler, die Leute machen, wenn sie versuchen, etwas völlig narrensicher zu gestalten ist, um den Einfallsreichtum der komplette Narren unterschätzen.
Douglas Adams
Mir tut es weh, das Wort Narr zu lesen. Ich bin selbst so ein Rädchen im miserablen System-Getriebe und weiß, wie einsam es dort in Absurdistan manchmal ist.
Und die Narrenkappe haben im Ernstfall nie die auf, deren Erfindung sie war.
Nur von außen, von außen sieht das alles so einfach aus. Finger hoch und drauf gezeigt. Da stehen sie, die Narren. Die Verrückten. Die, die uns eine einfache Erklärung liefern.
Im Notfall bleibt dem System seine scheinbare Objektivität. Es ist unbestechlich.
Ja, genau. Es macht das was ihm gesagt wird. Und für den Rest brauchen wir die anderen. Die Menschen aus Fleisch und Blut. Am Besten die in den unteren Gehaltsgruppen.
Denn ein technisches Versagen, das ist klar, da wäre die Verantwortung anders angesiedelt.
Ach, was schreibe ich da. Es ist sinnlos gegen das Narrensystem anzuschreiben.
Es funktioniert zu gut.
Dieses ölige Getriebe.
Korruption ist ein gutes Schmiermittel.
Hab die Sammelmappe geschrottet. Weiß nicht mehr zum wievielten Mal. Das Update will einfach nicht klappen.
Und nach dem stundenlangen Rettungseinsatz lass ich es dann doch wieder.
Ich bin zu faul das Update manuell einspielen und hoffe immer wieder auf ein Wunder.
Schlimmer Tag heute. In der Berger Straße wurde eine Frau überfahren. Das schreckliche Zugunglück, von dem sich sicher wieder herausstellt, dass es kein Unglück war, sondern dass wieder an den falschen Ecken gespart wurde.
Das tut so weh.
Ganz nebenbei kotzt der Dax sich aus. Taumelt und fällt. Der Exportweltmeister lebt in einer Parallelwelt.
Ich sinniere über Handgepäck und dessen Zweckmäßigkeit. Was brauche ich unbedingt bei mir? Was will ich nicht missen?
Lasst uns eine Mauer um unseren armseligen Wohlstand bauen.
Coole Idee, die nicht nur die Politik gut findet.
Lasst uns ein Schild aufhängen „Wir müssen draußen bleiben“.
Sie werden es schon verstehen, die Flüchtenden. Sie werden es verstehen in ihrer Zwickmühle eingekeilt zwischen den Kriegsgebieten und dem großen europäischen Verteidigungswall. Das kann gar nicht anders sein, denn unsere Argumente sind aus Stein gemeiselt und werden von Geschützdonner untermalt. Das versteht letztlich jede.
Europa goes Dada im Jahr 2016. Die Welt gerät aus den Fugen, aber damit das niemand merkt werden Events veranstaltet. Das alte Motto „Brot und Spiele“ funktioniert, auch wenn es schon lange nicht mehr für alle Brot gibt.
Die Klischees bleiben erhalten, über die Zeitenwende hinaus.
Die Mails kommen aus einer anderen Welt. Ein Traumland in harte Realität eingebettet.
Beschienen von Sonne.
Umschmeichelt von Wellen.
Das Paradies hat viele Namen. Aber wenig Einwohnerinnen.
Was für ein Glück die Fantasie doch mit sich bringt!

Der Himmel steht in Flammen und macht große Versprechungen für den Tag.
Antje Schrupp hat sich den Film über die Suffragetten angesehen und hat einiges anzumerken.
Ich habe ihn noch nicht angesehen und kann daher nicht sagen, ob sie zu streng mit den Filmemacherinnen ist. Aber einige ihre Fragen beschäftigen mich auch. Dass Worte auch Taten sind, erlebe ich im Alltag mehrmals täglich am eigenen Leib. Und leider ziemlich heftig.
Am nachdenklichsten macht mich die Frage nach der Gewalt. Wie viel Gewalt ist nötig, um sich einer Macht entgegen zustellen?
Es gehört ziemlich viel Entschlossenheit dazu etwas an den gegebenen Machtstrukturen zu verändern und das Vertrauen auf Einsicht und Vernunft führt in solche Fragen nicht immer zu den Ergebnissen, die wir uns vorstellen.
Je älter ich werde, desto mehr träume ich mir meinen eigenen Eskapismus zusammen. Nie wieder kämpfen, nie wieder verteidigen.
Einfach eine neue freundliche Welt bewohnen. Mit einem Recht auf ein gutes Leben für alle.
Ich versuche mich abzulenken. Seit Tagen. Nicht mehr daran zu denken. Ich versuche den Lichtschimmer am Horizont zu sehen. Die Sonne. Die Hoffnung.
Sei nicht immer so pessimistisch, sage ich mir. Du siehst schwarz, wo andere den Glitzer sehr. Du hörst die Wölfe heulen. Den Kanonendonner.
Und die Träume erst.
Wilde Träume. Die sich in meinem Unterbewussten breitmachen. Sich ihm bemächtigen.
Ich versuche mich abzulenken und nicht mehr hinzuhören. Dem dumpf-braunen Gegröle keine Beachtung zu schenken. Meine Befürchtungen klein zu reden.
Demokratie ist verletzlich. Darüber bin ich mir sehr bewusst.
Alles – oder jedenfalls fast alles – was die Nazis taten war rechtens. Ein Staat kann ein Monster sein. Das Volk kann eine Bestie werden. Gewalt übt Faszination aus. In der richtigen Dosierung, fliegt uns unsere Lethargie um die Ohren.
Ich sammle ja schöne Titel und dieser gehört sofort in jede Schöne-Titel-Sammlung:
Bis der Schnee Gewicht hat
Reisen beginnt im Kopf.
Bei mir jedenfalls. Vor fast einem halben Jahr geplant, rückt die Reise jetzt näher. Mir auf die Pelle sozusagen. Denn sofort geht die Panik los. So viel zu bedenken, nichts vergessen. Sommer mitten im Winter. Fast ein bisschen pervers.
Brot und Spiele war gestern. Heute ist Dschungel und Rechtsruck.
So fühlt es sich also an, Zeitzeugin beim Herannahen einer politischen Katastrophe zu sein. Ein Land rückt nach rechts.
Oder besser gesagt: ein ganzer Kontinent.
Die europäische Idee ist ausgeträumt. Grenzen und Zäune haben Hochkonjunktur. Innen und außen. Manche umwickeln ihr Herz mit Nato-Draht, damit ihnen nicht aus Versehen jemand zu nahe kommt.
Die Zeit scheint in eine Zeitschleife geraten. Sie wiederholt sich vor neuem Hintergrund und mit moderner Begleitmusik. Trotzdem ist das Muster alt und abgegriffen.
Plötzlich erwachen die alten Nazi-Zombies wieder zum Leben.
Sie waren nie tot. Nur ruhig gestellt.
Sie hegten und pflegten ihren kümmerlichen Hass, der jetzt über sie hinaus wächst.
Sich seinen Weg bahnt in die weite Welt.