Weltraum kucken

Mit der fliegenden Webcam Weltraum kucken.

Nachts

Nachts zwischen zwei und drei nehme ich es der Zeit übel, dass sie vergeht. Mit all meiner Gedankenkraft versuche ich die Welt anzuhalten, sie davon abzuhalten sich mit diesem Schwung immer weiter zu drehen.

Es heißt, unsere Zeit sei schnelllebig. Schwindelerregend schnell pustet sie uns mit sich fort. Nachts zwischen zwei und drei wird sie ganz langsam. Das trägt sie die Hoffnung mit sich, ein Jetzt zu sein. Ein Hier und Jetzt.

Auf der Suche

Auf der Suche nach der Hoffnung.
Ganz besonders am Holocaust-Gedenktag.
So schaurig die Vergangenheit. So kalt die Gegenwart.
Die Geister, die sie riefen, sind doch längst schon wieder unterwegs. Lautstark, pöbelnd, gefährlich.

Lüge gegen Lüge.
Überwachung statt Freiheit.
Demokratie als Deckmäntelchen für die Macht des Geldes. Des Öls.
Immer noch.

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Nein, da liegt man nicht eng.
Traurig und frei.

Virginia

Virginia hat Geburtstag heute.
Wenn sie nicht gestorben wäre.

Gedenktage haben ihre eigene Dynamik. Ihr innere Logik.

Die Vergangenheit hisst ihre Anker in der Gegenwart.

Kackbraun.
Aber wie bei den Kleidern der Kaiserin:
Sie riechen die Scheiße alle nicht.

Aber mir wird schlecht davon.

Annalieder

Nadine Kegele schreibt Hardcore-Bücher. Geschichten über Frauenleben. Dass die einzige Rezension ihres Buches Annalieder von ihrem Halbbruder stammt und über genau einen Amazon-Stern verfügt, passt gut zu ihren Geschichten. Aber nicht zu der Qualität ihrer Literatur.

Annalieder – Zwölf Geschichten, die es in sich haben.
Die Frauenfiguren sind brüchig, leiden unter den gesellschaftlichen Umständen. Sie haben Träume und Vorstellungen, werden aber vom Sumpf des Patriarcharts langsam verschlungen. Manchmal gibt es eine Zweisamkeit. Die nie bunt sein darf. Als Farbe kommt nur Blut in Frage. Der Körper ist immer präsent in diesen Geschichten. Er macht Geräusche, riecht, schmerzt, ist in Bewegung oder still gelegt. Er hat Wunden, Narben und Krusten. Manchmal ist er auch schwanger.
Die Satzstruktur zögert, stolpert, deutet an und stoppt. Sie dreht sich überraschend und wendet sich.
„Alles was wertvoll war, wurde eingeschlossen.“ Eine realistische Welt in Literatur gepackt.
„Manche hatten noch nie gehört, dass es auch einen Tod im Leben geben könnte …“

Hier wird beides beschrieben: Das Leben und der Tod.
Zwei Geschichten aus Annalieder gratis als Kindle-Download gibt es hier.

Aber Vorsicht: Das Leben in Hardcore-Version. Die Hochglanzvariante gibt es sicher anderswo.

Schwarz-weiß

Wie wohl der Gedanke aufkam, dass Träume nicht farbig sein sollten? Das ist doch genauso absurd, als wären sie ohne Stimmen und Geräusche.
Ich kann mir nur vorstellen, dass es irgendwas mit dem Aufkommen der Schwarz-Weißen Fotos und Filmen zu tun hat.
Diese damals so überwältigende Erfahrung, die Bilder der Vergangenheit abzubilden. Sie war so stark, dass die Menschheit vergaß, dass Träume nur farbig sein können.

Vernünftige Lösungen

Vernünftige Lösungen haben es schwer. Die Menschheit steht nur ganz selten auf Vernunft. Die Frage der Fortbewegung z.B. die wird ganz unvernünftig angegangen. Autofahren löst offensichtlich Gefühle aus, die Glückshormone ausschütten. Das hat nicht die Wissenschaft festgestellt, das schließe ich aus meinen Beobachtungen. Das Auto fährt auf der Emotionsspur und lässt alle vernünftigen Lösungen ausdörren. Wir gestalten uns eine Welt in der wir nur zeitweise leben können mit dieser autokonzentrierten Welt. Die Weg werden immer weiter, immer länger.

Aber das Auto ist nicht das einzige unvernünftige an der Menschheit. Ihr Hang zur Unbarmherzigkeit ist besonders unvernünftig.

keine Haftung

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„Sie fragt sich stattdessen.“ –

Performance ist die neue Malerei

Ende Januar 2016 startet der „Bund Offenbacher Künstler“ mit einer Gemeinschaftsausstellung in das neue Jahr: die Künstlerinnen Roza Rueb und Verena Lettmayer präsentieren in ihrer ersten künstlerischen Kollaboration eigens für den BOK geschaffene Arbeiten. Malerei, Performance und Video gehen dabei Synergie-Effekte ein.

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Ich hab mich sehr über den Film amüsiert. Er ist klasse gemacht und die beiden sind grandiose Darstellerinnen.

Überhaupt:
Kunst, die mich zum Lachen bringt, bekommt ein extra Sternchen von mir.

Kunst, die Themen wie „Flüchtlinge“,  „Bedingungsloses Grundeinkommen“, „Kreativwirtschaft“ und „Conchita Wurst“ verhandelt, einen Doppelstern.

Und Gozilla ist mindestens drei Sterne wert.

Es handelt sich also um einen ganzen Sternenhaufen. Deshalb für alle, die in der Nähe sind: Hingehen und ansehen.

Frostbeule

Selbstbildnis als bekennende Frostbeule mit Heizkissenfetisch.

Ja, ich weiß: im Winter ist es kalt. Darf es kalt sein. Erst recht im Januar. Das ist doch der wahre klirrende Schnee-und-Eis-Monat. Aber ich kann es nicht ändern, mir gefällt die Kälte nicht. Ich packe mich ein, mümmle mich in Wolle und Daunen. Ein mobiles Heizkissen wäre mein Traum.

Kaum spüre ich die Kälte, laufen mir die Tränen über das Gesicht. Schamloses Weinen.
Mit der Welt und um die Menschheit.
Im Allgemeinen und Besonderen.

Der Hauch der Eiskönigin zieht langsam in mein Herz.

Demokratie

Demokratie ist nichts für Feigling. Sie ist auch nichts für Mitläuferinnen. Ein Selbstläufer ist sie auch nicht.
Demokratie können wir nicht den Parteien überlassen. Der Wirtschaft aber auch nicht.

Demokratie braucht Menschen. Menschen, die sie verteidigen und gestalten.

Demokratie braucht Leben.
Sie braucht uns.

Ihr habt gedacht, sie wächst und gedeiht von ganz allein?
Das ist ein Irrtum. Ein schwerer Irrtum. Vielleicht tödlich für die Demokratie.