Fazit des Tages

Das Hamsterrad hat keine Bremse, aber einen Ausstieg.

Deutlich gekennzeichnet und trotzdem wird er gerne übersehen.
Es scheint eine Bewusstseinstäuschung auszugehen von diesem Hamsterrad, wenn es deutlich hörbar surrt, schnurrt und manchmal auch quietscht. Es scheint so, als hänge von ihm der Lauf der Welt ab. Schneller, stärker, besser nirgendwo ankommen, ist das Ziel übereifriger Benutzerinnen.

Die Natur muss es so gewollt haben, sonst hätte sie es uns nicht erlaubt, Räder, die nirgendwo hinführen, zu etablieren. Das weiß doch schließlich jeder, dass die Benutzung von virtuellen Hamsterrädern zur menschlichen Natur gehört. Getrennt nach Geschlecht, Alter und Kontostand.

Daher ist vor dem unüberlegten Ausstieg zu warnen. Nicht zuletzt wegen den Auswirkungen auf die Kinder, denn das kann doch im Ernst niemand wollen, dass wir unseren Kindern eine Welt ohne Hamsterrad-Kultur übergeben wollen.

Das käme einem Ausverkauf unseres Kulturerbes gleich.

Einem Untergang unserer Werte.

Zarte Pflänzchen

Zarte Pflänzchen auf dem Balkon. Ein paar Kräuter wachsen nach. Kapuzinerkresse hab ich ausgesäat, der Lavendel steht traurig vertrocknet im Eck bei der Erdbeerpflanze, die mir die Freundin geschenkt hat und die optisch zum seinem verknitterten Outfit passt. Ihren Tod traue ich mich noch nicht zu diagnostizieren. Vielleicht geschieht ja noch ein Frühlingswunder.

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Ein bisschen verstrubbelt sieht alles aus. Meistens betrachte ich es von drinnen, denn ich bin nicht todesmutig genug um mich den Birkenpollen zu stellen.

Vom Alt werden

Vom Alt werden – Gefährliche Zeiten

Kann sein, muss nicht sein. Der Artikel verallgemeinert viel, aber nicht alles lässt sich bei diesem Thema verallgemeinern.

Eins stimmt: Die Zeit wird knapp. Das merke ich auch sehr stark. Das ist eine Binsenweisheit wie ich sie mag.

Ich frage mich mit dem Alter immer häufiger, ob es nicht langsam erlaubt ist, aus der Gesellschaft auszusteigen. Sie wird mir immer unerträglicher mit ihrer Rücksichts- und Erbarmungslosigkeit.

Ja, ich weiß: es ist nicht möglich aus ihr auszusteigen. Das klappt nicht. Aber ihr den Rücken zu drehen und mich weiter an ihren Rand bewegen, das wäre eine Möglichkeit. Und geradezu glücklich wäre ich, wenn ich dort in den Randgebieten auf ein paar der liebenswerten Menschen stieße, die mir viel bedeuten.

Und ja: träumen kann ich gut.

Unsagbare Dinge

Lese gerade das Buch von Laurie Penny. Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution

Wow, was für eine klare Sprache! Was für taffe Aussagen! Ganz und gar nicht weichgespült, aber auch nicht abgehoben übertreibend, wie manchmal bei den deutschen Feministinnen.
Sie steuert zielgenau auf die wunden Stellen zu, legt sie frei und stellt sie bloss.

Kein bisschen zimperlich diese Frau.

Sonnenglück

Hab aufgehört mich zu grämen, hätte mich sonst viel zu sehr vor der Sonne beschämt, die ihr bestes tut, um mich zu bescheinen.

Status

Ich gräme mich.

Kleinlaut

Bin ein bisschen kleinlaut über die Feiertage. Mit schlechtem Gewissen. Unnötig schlechtem Gewissen, weil nicht mehr änderbar.

Zehn Monate lang zwei volle Jobs gemacht, die letzten Wochen auf dem letzten Loch gepfiffen und nicht auf die Stimme der Vernunft gehört.
Das machst du gut! Das ist super, sagten sie zu mir.

Und ich war nur damit beschäftigt über die Ziellinie zu krabbeln. Falls nötig auch auf allen vieren.

Die Ziellinie hab ich tatsächlich noch aufrecht und mit viel Beifall geschafft. Aber die Quittung kam keine 24 Stunden später.
Jetzt kann ich also in mich gehen und in mich hören. Kann mir anhören, was mein Verstand schon lange weiß, aber nicht immer umsetzt:
Ohne Superkräfte die Welt retten zu wollen bringt Unglück.

Aber ich lern das noch. Ganz sicher.

Techniktagebuch

Ich bin ganz entzückt von dem Techniktagebuch. Kann sein, dass ich das in der Sammelmappe schon erwähnte, aber das schadet nichts.

Das E-Book dazu mit dem treffenden Namen „Wir hatten ja nichts“ hab ich mir selbstverständlich auch gekauft. Süchtig wie ich bin.

Geschlechtervielfalt

Nicht einfach zu verstehen, noch schwerer zu begreifen.
Aber wir lernen dazu. Jeden Tag.

Identität

Klar ist der Twittername eine Identität, daher ist es nur folgerichtig ihn als Künstlernamen in den Pass eintragen zu lassen – sofern man auf staatliche Autoritäts-Identikations-Bescheinigung steht.

Bei mir wäre das etwas anders. Ersichtlich schon an der Inkonsequenz, die sich bei mir aus der Verwendung von Realnamen und der Sammelmappen-Identität ergibt.
Die Sammelmappe ist für mich wie eine zur Schau gestellte Verkleidung im Netz. Nicht weil sich dahinter eine dunkle Persönlichkeit versteckt, eher genau das Gegenteil davon.
Ich bin gerne Claudia Kilian, aber ich spaziere im Netz nicht gerne mit dieser Identität herum. Sie kommt mir dort so schutzlos vor.