Apathisch

Die Apathie regt Anne auf. Bei mir ist es eher so, dass ich sie nicht nachvollziehen kann. Die Fakten sind klar, jedenfalls für Menschen, die sie sehen wollen.
Mich macht die Situation traurig und ich frage mich manchmal, ob die Menschen ihre Fähigkeit zu Empathie oder Mitgefühl an den Kapitalismus verscherbelt haben. Aber wahrscheinlich ist es die Illusion doch noch mal auf der Seite des großen Geld stehen zu können. Bloß nicht mit den Verlierern identifizieren. Es könnte zu Verwechslungen kommen. Sonst gehörst du noch zu ihnen.

Abstand halten ist die Devise.
Abstand – nicht Apathie – lautet meine Diagnose

Brauch ich nicht

Werbung zum Abgewöhnen. Alle Register gezogen und keinen vernünftigen Ton erzeugt. Helga hat die Geduld sie zu sammeln und zu dokumentieren.

Elite

Wir leben in elitären Zeiten in einer elitären Welt. Da will ich nicht den Posten der Außenseiterin. Nein, ich nehme den der Elite-Traumtänzerin.
Der scheint meinen elitâren Neigungen entgegen zu kommen.

Ich hoffe, ihr habt euren Elite-Status auch geklärt. Nicht dass ihr zu spät seid und euch bleibt nur der Premiumstatus. Vor dem ist zu warnen: der ist kostenpflichtig.

How I wish you were here

Ein Erinnerungsnest aus Radioschnulzen und Jugendträumen zusammengetragen.
Erinnerungsbilder, die länger wärmen als geplant. Vielleicht schon Vorboten einer leichten Senilität.
Könnte aber auch ein Romantik-Schmalz-Gen sein.

Wie auch immer: ich hole mehr Glück aus der Erinnerung an meine Jugendtage als damals präsent war.

So mies

Gratis-Bild-Zeitung am Wahlwochenende – da kennen die nichts. Es gibt viel zu verlieren, also lohnt es sich auch mit miesen Tricks zu arbeiten.

Ich bin kein Sexist, aber

Nicole von Horst schreibt mit anderen ein Buch. Find ich klasse.
Danke, Nicole.

Republica – 3. Tag

Der dritte Tag der republica beginnt mit einer Irritation, die das Diensthandy mit sich bringt. Wer? Wie? Was? Plötzlich bin ich in die Entscheidungshölle katapultiert. Was mache ich nur?
Dem Vortrag über die dritte industrielle Revolution, die die 3-D-Drucker mit sich bringen – oder mit sich bringen sollen – lausche ich mit einem halben Ohr und einem entscheidungsunwilligem Herzen. Das Fazit, das ich ziehe, ist mir schon lange bekannt: Ich muss mehr über diese Dinger erfahren. Schließlich hat André Gorz schon vor Jahren so viel Hoffnung in sie gesteckt.
Auch der Vortrag über die schwierigen Bedingungen unter denen Bloggerinnen und Blogger in Indien, China und anderen Ländern schreiben, stand noch in einem obskuren Verhältnis zu meinen Luxus-Entscheidungsproblemen und danach war ich sehr froh über etwas Abwechslung im Foyer. Jedes neue Gesicht und jede neue Person, die ich kennenlernte, war mir ein Vergnügen und eine Freude, das will ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen. Da ich nicht weiß, ob es allen recht ist, hier zitiert zu werden, lasse ich es bei dieser pauschalen Aussage. Aber ein herzliches Dankeschön, möchte ich schon loswerden.

Danach kam der Felix Schwenzel – fast schon einer meiner Lieblings-Highlights der Republica. Er meinte, die Welt verbessert sich eigentlich von alleine, macht trotzdem zehn Vorschläge dazu, behauptet es seien acht und ich bin in meiner Mitschrift bei elf angelangt. Aber jetzt fragt mich bitte nicht, wer hier nicht zählen kann.

Wie das Internet das literarische Schreiben verändert, war mein nächster Programmpunkt und zum ersten Mal sah ich den Taubenvergrämer. So weit ich weiß, ist er in Limburg aufgewachsen und ich frage mich ernsthaft, was das erst für eine Katastrophe geworden wäre, wenn ihn das Schicksal die paar km weiter nach Weilburg verschlagen hätte.
Ich hab mich dann zu Deef Pirmasens und Simone Stoffers geschleppt. Wahrscheinlich weil mich meine Hormone bei der Vortragswahl unfair beeinflusst haben. (Männliche Sympathieträger standen heute sehr hoch bei mir im Kurs.)

Und dann zum Abschluss die hervorragende Anne Wizorek mit ihrem kleinen historischen Abriss über die Ereignisse zum #aufschrei. Ich bekam Gänsehaut als sie die #aufschrei-Nacht beschrieb. Der #aufschrei scheint sich zu einem historischen Ereignis zu entwickeln. So wie sich viele erinnern können, was sie taten als die Mauer sich öffnete oder wie sie von den Terroranschlägen des elften September erfuhren, scheint sich in unser historisches Gedächtnis festgesetzt zu haben, wie wir den #aufschrei bewusst wahrnahmen.
Da er spät am Abend begann, lag ich schon in meinem Bett. Ich bin früh, viel zu früh aufgewacht und sah in meine Timeline und mir war sofort klar: es ist etwas passiert. Wahrscheinlich war es ungefähr 4:30 und Nicole twitterte, dass sie nicht schlafen gehen kann, weil sie den #aufschrei nicht den Trollen überlassen kann. Ich hab nicht gleich alles kapiert, aber ich hab retweetet, was ich nur konnte – hatte das Gefühl, da ist etwas, was beschützt werden muss. Etwas zerbrechliches, das nicht zerbrechen darf. An diesem Tag habe ich entgegen meinen Gewohnheiten Twitter auch während der Arbeitszeit verfolgt – und war so stolz – ich wiederhole – ich war so stolz auf dieses Pflänzchen, das schon nach wenigen Stunden so erblühte.

So jetzt ist Schluss mit dem Pathos, das muss reichen. Alles andere liegt offen in meinem Herzen.
Vielen Dank an alle, die ich getroffen habe. Vielen Dank an alle die die Wertschätzung für andere Menschen ins Internet tragen.
Vielen Dank an Euch.

Eingeschlafen

Manche Menschen schlafwandeln, ich schlafposte. Wie peinlich!
Nein, ich werde den gestrigen Tag jetzt nicht weiter dokumentieren. Ich widme mich wieder meiner Allergie und bereite den letzten republica-Tag vor. Ein Video von gestern habe ich gesucht, aber nicht gefunden.

Das e-Book auch noch nicht heruntergeladen. Schrecklich langsam bin ich mit allem – und immer noch nicht richtig wach, das liegt an den Allergie-Medikamenten. Aber ich kann doch nicht in den Vorträgen sitzen und sieben mal in der Sekunde niesen.
Da bleibt nur die historische Wahl zwischen Pest und Colera.

Republica 2013 – 2. Tag

Hätte ich meine Notizen nur mal ordentlich weitergeführt, dann hätte ich heute Abend mehr für Euch zu berichten.
Aber nicht jammern: einfach machen.
Der Tag begann gut mit dem Talk an dem Anne Roth und Kathrin Ganz teilnahmen zur „Netzbewegung und Politik“. Anne gab einen kurzen Überblick, wie Bewegungen das Netz genutzt haben und ihr Selbstbild und ihre Selbstwahrnehmung dadurch prägen konnten. Sie wies auch über die davon unabhängige netzpolitische Bewegung hin.
Kathrin wies darauf hin, wie schwierig es für einige Menschen geworden ist, ihre Existenz abzusichern. Ab da dachte ich: endlich sind wir auch auf der republica mal an dem Punkt angelangt, der die ganze Gesellschaft bewegt.
Der Turbokapitalismus ist ohne Internet nicht denkbar.

Bei mir löst der Talk starke Emotionen aus, unter anderem weil Anne sagt, es gäbe noch Lücken in diesem Internet, weil es eben noch nicht fertig sei. Es gibt noch kleine für den kontrollwütigen Staat unzugängliche Bereiche in die ich als Individuum schlüpfen kann. An der Stelle fühle ich mich geborgen. Aber dann kommt da die andere Seite der Medallie, das sind die vielen Menschen, die in dieser Gesellschaft durch den Turbokapitalismus gegrillt und gebraten werden. Für die gibt es keinen Schutzraum – und aus meiner geborgenen Schutzhöhle wächst eine gehörige Portion Wut. Wie weit lassen wir diese Gesellschaft verrotten?

Die Beiträge aus dem Publikum waren so zahlreich wie in ich es sonst nie erlebte auf dieser Konferenz und unterstrichen dadurch meine emotionale Spannung.

So, jetzt käme noch die begeisternde Astronomin aus Südafrika, aber ich gebe auf. So viel noch: dieser Vortrag trägt in meiner persönlichen Herzensliste fünf Sterne, die silbern glitzern.

„The Point is to connect people with the Sky.“

Verdammt, warum setze ich meine Ziele immer so niedrig an? Die Frau hat recht: das ist der Punkt.

Republica 2013 – 1. Tag

Randvoll mit Eindrücken von der republica zurück gekommen. Viele Menschen getroffen. Der erste Eindruck: es scheinen noch mehr Menschen als beim letzten Mal dazu sein.

Ich bin zu müde um eine Zusammenfassung zu bloggen, aber auch zu aufgedreht, um jetzt einfach abzuschalten.

Yoani Sánchez aus Cuba sprach darüber, wie bloggen und twittern geht, wenn mensch eigentlich gar kein Zugang zu Internet hat. Twittern mit SMS zum Beispiel. Sie ist der Meinung, dass Twitter den Aktivistinnen das Leben retten kann. Durch Öffentlichkeit. Jeder retweet eines cubanischen unabhängigen Bloggers helfe ihnen.

Zum Thema Opendata bzw. Opengovernment ist bei mir hängen geblieben, dass es hilfreich wäre, wenn es eine Veröffentlichungspflicht von Daten gäbe. Ein Transparenzgesetz, das umfassend gilt. ABer da das Thema leider ein Nischenthema ist, kann nicht genug Druck auf die Politik ausgeübt werden. Die wirtschaftlichen Interessen sind mächtig und in den Diskussionen wird gerne verschwiegen wie politisch brisant das Thema ist.

Horst Zuse – der Sohn von Konrad Zuse – erzählt sehr kurzweilig, die Geschichte, wie sein Vater zum Bau eines Computers gekommen ist und auch, dass es ihn selbst dann nach seiner Pensionierung erwischt hat und er das Ungetüm von Rechenmaschine unbedingt noch einmal nachbauen musste. Die Fotos seines Wohnzimmers während des Nachbaus des Z4 haben mich schwer beeindruckt.

Kathrin Passig spricht über Mass Customization und alle hören gebannt zu. Gerade so, als ginge es um ein spannendes Thema.

Deanna Zandt und Laurie Penny gaben beide auf ihre jeweils eigene Art ein emotionales und überzeugendes Statement ab. Jeder zweite Satz von ihnen könnte als herausragendes Zitat hier stehen und jeweils für sich stehen. Sie waren großartig.

Nicht so gut hat mir der Vortrag von Lisa Rank gefallen zum Thema Soziale Medien und der Umgang mit dem Sterben. Aber viel Applaus hat sie trotzdem bekommen. War vielleicht nur mein subjektiver Eindruck, aber mir kam ihr Vortrag ziemlich wirr vor. Banalitäten wurden hervorgehoben und der Vortragsstil wirkte nicht überzeugend.

Ab hier verlassen mich meine Notizen und meine Aufmerksamkeit.

Ein ausgefüllter Tag, randvoll mit Eindrücken, Assoziationen und Impulsen.