Die Assoziation vom Tugendfuror zu den Furien, ist mir ehrlich gesagt verborgen geblieben. So viel zu meiner wohlwollenden Persönlichkeit, die selbst diesem Präsidenten so eine Ungeheuerlichkeit nicht zutraut.
Habt Ihr den offenen Brief an Gauck schon unterschrieben?
Was muss ich tun, um keinen Ärger wegen dem Leistungsschutzrecht zu bekommen? Das war meine Ausgangsfrage. Aber da ich ziemlich verârgert bin, habe ich die Fragestellung erweitert: was will ich außerdem noch tun, um die Verlage zu boykottieren, die diese Rechtssituation herbeigepresst haben?
Für das Unterschichtenblog, das Personalratblog und das Matheblog ist das eine Katastrophe. Denn dort habe ich im Prinzip ja Neuigkeiten zu diesen Themen gesammelt und zusammengestellt. Aus die Maus. Da werde ich nur noch auf Pressemitteilungen verlinken können. Oder auf andere Blogs, aber zum Beispiel in der Thematik Personalrat gibt es die nicht. Selbst beim Thema Mathematik gibt es wenig, was in meinen Schwerpunkt passt.
Also keine Links mehr auf Verlagsinhalte. Keine retweets, Likes und kein Teilen mehr, wenn Links die auf Verlagsinhalte beinhaltet sind.
Wird kompliziert. Ich werde mein Online-Verhalten komplett umstellen müssen. Ist es mir aber wert. Eine meiner Tugenden heißt Beharrlichkeit, eine meine Schwächen: ich bin nachtragend.
Äußerst nachtragend.
aufwändig
inwendig
kuscheliges Seelengewölbe
abgeschirmt im
Felsengelände
In manchen Dingen bin ich durch und durch abergläubig. Ich glaube an Sprüche, die meiner Lebenserfahrung widersprechen. Freu dich nicht zu früh, ist so ein Spruch. Dabei kann mensch manchmal gar nicht früh genug anfangen sich zu freuen.
Mach die Göttinnen nicht auf dein Glück aufmerksam, noch so ein Spruch. Kann sein, dass ich mir den selbst erfunden habe. Glück ist ein leises, inniges Gefühl und Freude ist die Begleiterin des Glücks.
Ein bisschen freue ich mich schon, auch wenn ich es nicht darf. Nicht sollte.
Wer weiß, vielleicht kommt wieder ein Knüppel daher geflogen, den mir jemand in den Weg wirft. Ich hätte schon viele Gründe gehabt, sie wieder zurückzuwerfen. Mache ich nicht. Ich lebe die Philosphie des „Wange hinhalten“. Obwohl ich zugebe: Ab und zu denke sogar ich an Revenge. Aber diese Tagträume enden dann doch immer im Lächerlichen.
Menschen, die andere Menschen nicht leben lassen können. Von der Sorte gibt es so viele. So viele traurige Gestalten – und so wenige, die wie der Ritter von der traurigen Gestalt ihre Würde dabei bewahren.
Vernachlässigte, heruntergekommene Seelen.
Oder sind sie schon seelenlos?
Die Wissenschaft – nein, die nicht – der Präsident hat festgestellt, dass das Land – nein, das eher nicht – die Frauen (vielleicht?), die Feministinnen besonders unter einem Tugendfuror leiden.
Tugendfuror? Mein zweiter Bildungsweg hat es mir nicht ermöglicht, das Wort Furor in meinen aktiven Wortschatz zu integrieren. Ehrlich muss ich zugeben: nicht einmal in den passiven.
Aber Königin Google hilft mir mit einem Synonym: Raserei.
Aha, Tugendraserei. Wir sind rasend in unserem Aufschrei. Rasant – könnte er auch behaupten. 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts fordern wir auch im Alltag medial Respekt ein. Unglaublich rasant.
Oder soll ich lieber schreiben: unglaublich geduldig sind wir in der Vergangenheit geblieben. Geduldig mit den Begriffstutzigen, geduldig mit den Respektlosen, geduldig mit den „intelektuellen Dünnbrettbohrern“ (vorsicht das Wort ist geklaut, besser nicht weiter verbreiten sonst entsteht der Verdacht der Hehlerei).
Jetzt wäre ich um ein Haar vom Thema abgekommen. Aber es sieht fast so aus, als schafft ihr das nicht mehr. Wir kommen nicht mehr vom Thema Alltagssexismus ab. Wir lassen es nicht mehr durch gehen.
Dem Bundespräsidenten schon gar nicht.
#notmypresident kann ich nur noch dazu sagen. Ganz bestimmt nicht meiner.
(Die entsprechenden Artikel in der Presse verlinke ich selbstverständlich nicht. Muss mich vor dem #Leistungsschutzrecht schützen.)
Nachtrag: Was die Wissenschaft zum Alltagssexismus in Deutschland sagt, kann ich dem Herrn Präsidenten auch noch nachliefern.
claudia März 3rd,2013
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2 Comments
Was mache ich jetzt? Sie haben ein Leistungsschutzrecht aus dem Hut gezaubert. Aber ein Kaninchen wäre einfacher gewesen.
Sie wollen ihre Pfünde schützen und sehen nicht, dass sie im Morast gelandet sind. Ach was, das ist kein Morast, das ist eine Moorlandschaft und sie werden darin untergehen, weil sie darauf bestehen, auf Wegen zu laufen, die nicht begehbar sind.
Unsere Wege trennen sich jetzt und ich finde es schade, dass die deutsche Verlagslandschaft ihren eigenen Untergang so zementiert.
Bye, bye ihr Tollkühnen. Die Welt wird sich auch ohne euch weiterdrehen.
Nachtrag: Und warum das Ganze?
Denn sie wissen ganz genau was sie tun – könnte man den Versuch, das Bargeld abzuschaffen nennen. Was heißt hier Versuch? In Schweden ist das schon die Realität.
Lasst Euch überwachen! Ihr habt doch sicher nichts zu verbergen?
Oder etwa doch?
Es lässt sich nicht verleugnen, dass ich ein Erbsengen in mir trage. Immer wieder schiebt es sich dominant in den Vordergrund und beweißt: auch Prinzessinnen können Feministinnen sein.
claudia Februar 27th,2013
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Diese Gesellschaft ist schon merkwürdig. Die falsche Auszeichnung von Eiern wird als Skandal bezeichnet. Die Veruntreuung von vielen Milliarden nennt sich Krise.
Ziemlich skandalös dieser Zustand.