Auf Wiedersehen, ORF-Theater

Auf Wiedersehen!

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Isabella Feimer

Abgetrennt

Vielleicht sollte ich die Diskussion höflichkeitshalber übergehen.
Der schlimmste Vorwurf: die verlassene Frau als kopfloses Huhn oder das Stichwort Schlagerpoesie.

Leopold Federmair

Aki

Hubert Winkels beginnt die Diskussion mit der Idee des
Erlöstseins im Text und attestiert eine schöne Inszenierung. Meike Feßmann spricht von einer Maske für die weibliche Figur und dass die Figur Wissen von anderen Figuren holen muss, um die Erzählstränge realistisch zu halten. Frau Keller stellt die berechtigte Frage: wer erzählt und warum? Winkels erklärt die Idee mit dem Banküberfall und findet sie geglückt. Burkhard Spinnen interpretiert wieder seine Jugend hinein und die „irren Typen“ die er damals kannte. Daniela Strigl kommt zum Schluss, dass es toll ist, wenn Germanisten literarische Text interpretieren, dann entschlüsseln sie auch
Geheimnisse wie z.B. dass sich Akis Namen von der
Akne ableitet. Sie nennt es einen äußerlichen Monolog – in Abgrenzung zu einem inneren Monolog – eine vergiftete Nostalgie, die riecht.
Es fällt der Begriff: fruchtlose Erregung.

Für mich fällt der Text unter den Begriff Männerliteratur und der häufige Gebrauch des Wortes Schwanz war lästig, die Verbindung mit den Erdbeeren peinlich.

Matthias Senkel

Aufzeichnungen aus der Kuranstalt

Protokollstil gefällt mir – der Meisterin der Alltagsprotokollen – immer gut. Dazu noch mehrfach gelacht, drei Pluspunkte von mir.

Die Jury ist da viel kritischer – das ist ihr Job. Da fallen Sätze wie: Satire, die den technischen Ton braucht, aber der Preis ist hoch. Kein Sprachwitz und ohne literarischen Mehrwert. Oh weh! Paul Jandl verteidigt den Protokollstil und versichert dem Text subtilen Witz. Daniela Strigl meint die Satire verliert an Fahrt und Frau Keller springt ihr bei und sieht als Ursache die vielen Aha- Effekte.
Paul Jandl kontert mit „Nachdenken über die Literatur“.

Matthias Nawrat

Unternehmer

Die Geschichte startet fulminant und tröpfelt zum Schluss vor sich hin. – das ist meine Sicht. Wie gesagt: der Anfang hervorragend erzählt und originell. Ich will alles wissen über die Geschichte. Aber dann …

Die leicht verrückte Sprache wird von der Jury gelobt, ein süß-schmerzhafter Text sei es. Ein Traum von einer weichen Welt, originell, ans Herz gehend, sagt ausgerechnet Paul Jandl.
Burkhard Spinnen fühlt eine große Enttäuschung, weil das Ende fehlt. Die Latte wurde hoch gelegt und dann springt der Erzähler woanders hin, nennt es es. Frau Keller erzählt die Geschichte noch einmal nach und kommt zu dem Schluss: die Figur entwickelt sich.
Die neue Jurorin – mir fällt ihr Name gerade nicht ein – gibt zu dass sie gegoogelt hat, in der Hoffnung durch die Aufdeckung der chemischen Prozesse hinter das Geheimnis der Geschichte zu kommen. Eine interessante Vorstellung.

Taumelnd

Aus dem Traum getaumelt und Minuten gebraucht um Standfestigkeit zu erringen. Noch einen Augenblick dazu, um loszugehen. Den Körper in Bewegung setzen ohne zu schlingern.

Heute geht es in den dritten Lesetag. Die ersten beiden hab ich im Studio verbracht, trotz schmerzendem Rücken und Knie. Die Stühle sind die reinsten Folterinstrumente und auf der Studiotreppe rosten mir die Kniegelenke ein. Aber die Konzentration ist so herrlich intensiv im Saal, dass ich gestern Nachmittag auch noch mal rein gegangen bin, obwohl ich mich vorher anders entschied.

Es fehlen noch ein paar Verlinkungen zu bloggenden Zuhörerinnen:
Engl klagt nicht
Die Kaltmamsell findet die besten Geschichten
Andrea weiß genau was sie mag
Die Sopranisse chattet und bloggt.

(Manchmal finde ich es ein bisschen schade, dass ich nicht mehr im Chat sein kann, wenn ich in Klagenfurt bin. Leider hält sich meine Multitasking-Fähigkeit in Grenzen.)

Mir fehlt das Schneckenhaus

Wenn schon Schnecke, dann muss ich wohl eine Nacktschnecke sein. Mir fehlt das Schneckenhaus, der sichere Hafen zum Einkullern. Deswegen baue ich mir auch ständig Nester. Wo ich gehe und stehe. Ob das ein Büchernest um mein Bett ist oder ein Schreibnest im Zugabteil. In gewisser Weise auch mein Schreibtisch im Amt. Im Alltag reicht eine Tasche in der ich mein Heim mit mir herumtrage.

Aber all das reicht nicht an ein Schneckenhaus heran.

Eine Mimosenschnecke ohne Schutz zum Einrollen.
Wie lächerlich ist eine Schnecke ohne Schneckenhaus?

Wie nackt kann eine Seele sein?

Simon Froehling

Ich werde dich finden

Thematisch werde das „nackte Leben“ behandelt, meint die Jury. Komme allerdings blass daher. Eine Jurorin sagt, sie hätte gerne weniger gewußt. Zu viel Erklãrung und zu viel biedere, hausbackene Philosophie bei der Transplantationspsycjologie. Seelenwanderung via Niere, meint einer trocken, aber der Text hat keine Seele.
Die Diskussion dreht sich dann um die literarische Umsetzung von Transplantationsgeschichten.

Lisa Kränzler

Willste abhauen
Hochinstrumentalisierter Verwuch mit dem Text in die Kindheit zurückzukehren, aber mit einer Panzerglasscheibe vor dem Geheimnis, meint der Juryvorsitzende. Böse Mädchengeschichte über soziale Unterschiede und Mißbrauch, es entsteht die unheimliche Athmosphäre einer RTL Dokusoap. Der vorschlagende Juror fühlte sich von diesem Text „angefasst“ und fand das ein gutes Zeichen. Der Text wird als eine Reihe von Verwandlungsfewchichten bezeichnet, wobei kritisiert wird, dass sich alle in sexuelle Tiersymbole verwandeln.

Auf mich wirkte der Text extrem böse und hinterhältig, ohne Pointe, was ich ihm nicht richtig verzeihen kann. Dass der Text jemanden „anfasst“ glaube ich gerne. Aber ehrlich gesagt, ich möchte mich von Literatur nicht „anfassen“ lassen.
Das Wort anfassen wird im alltäglichen Gebrauch für sexuelle Belästigungen verwendet.

Olga Martynova

Der Text könnte preisverdächtig sein. Viel Lob für die nicht-native Autorin. Die Autorin mäandere sich spielerisch durch die Zeit, beschreibt visuell ein auferweckendes sexuelles Interesse. Sehr gelobt wird der hintersinnige Humor. Das Publikum lacht oft beim Vortrag. Der sprachliche Rhythmus hervorragend und auch die gezielten Atempausen.

Lob von allen Seiten. Mir hat er auch sehr gut gefallen.