Cornelia Travnicek

Junge Hunde

Die Jury diskutiert warmherzig über den Text der jungen Autorin. Es gefãllt der locker, leichte Ton um ds Thema Abschiednehmen und Tod. Wieder eine Geschichte, die das Ende der Kindheit erzählt, aber. Zum Glück sind die Tiere nicht symbolträchtig aufgeladen. Viel Lob, ein bisschen von oben herab.
Ein Jurorin begibt zu Bedenken, dass die Sprache auch problematisch ist und als Kunstraum noch nicht erschlossen. Der Mãrchenmodus wird gelobt und dann wieder hinterfragt. Nur einer sagt, er wisse nicht, wo der Hund begraben sei. Das Wort „Lebensplaudereien“ fällt, es gefällt mir ausnehmend gut.

Ich folge Cornelia Travnicek schon seit zwei Jahren auf Twitter. Wahrscheinlich weil sie schon damals über den Bachmannpreis getwittert hat. Jedenfalls bin ich voreingenommen. Mir gefällt der Welpentext – nun ja, das war jetzt auch von oben herab. Der Alter macht nicht unbedingt charmant.

Inger-Maria Mahlke

Ein Text ganz ohne Titel. Die Jury meint ein Rechenschaftsbericht, der sich mit Oberflächen beschäftigt, mit Nahaufnahmen ohne moralische Bewertung. Ein Text, der die Auswegslosigkeit, die freudlose Existenz der Hauptfigur mit Kargheit und Strenge beschreibt.
Es kommt der Einwand, dass der Text seine Figur erniedrigt, indem er sie duzt. Über die Du-Ansprache wir heftig diskutiert.
Es fällt der Satz: „die Figur tut unsägliches und versucht es wenigstens zu sagen“

Mir gefällt das Handwerk, aber die Thematik, der überforderten Alleinerziehenden, die im Erotik-Domina-Gewerbe landet, mag ich nicht in dieser Form behandelt wissen.

Empfang am See

Gestern beim Empfang des Bürgermeisters am See in der idyllischen Kulisse unruhig geworden. Zu viele Menschen in zu kurzer Zeit. War vielleicht doch ein bisschen viel mitten aus der ungelösten Streßsituation in die Parallelwelt zu fallen. Aber heute und morgen dann nur noch Lesung, Lesung, Lesung.

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Sabine Hassinger

Die Taten und Laute des Tages

Endlich ein Text mit Herausforderung. Ich mag den Text, ich mag den Vortrag, ich mag die Autorin, wie sie mit ihrem Text umgeht.
Die Jury diskutiert. Mag keine komplizierten Texte, die zuviel Zeit für die Interpretation verschlingen. Später fällt das Wort Sprechtext. Ein poetischer, verwunschener Text. Dem schließe ich mich an.
Als die Fernsehübertragung schon abgebrochen war, wird weiter diskutiert. Weniger über den Text, als allgemein, wie wichtig es ist experimentelle Texte im Wettbewerb zu haben.

Andreas Stichmann

Der Einsteiger

Ein Romanauszug. Ich halte ihm das mal zu gute. Vielleicht ergibt der Romane da Sinn, wo ich ihn in der Geschichte nicht finden kann.

Ein Mittelständler stellt sich Obdachlosigkeit bei Jugendlichen vor. Dramatisierend ohne Schema.
Die Jury entdeckt ein prickelndes Thrillerelement und die bürgerliche Kleinfamilie, die als Vorbild gesehen wird. Die Begriffe „Occupy im Kleinen“ oder ein „Einschleichdieb ins häusliche Glück“ fällen.
Kritisiert wird, dass der Text nicht nahe kommt, nicht nahe geht. Aber dafür ist er wie ein filmisches Statement zu lesen. Die Figur wünscht sich Realitãt und zum Schluss fällt noch der Satz, dass es ein vampirischer Text sei.

Mirjam Richner

Bettlägrige Geheimnisse

Oh weh, junge Lehrerin schreibt über zwei junge Lehrerinnen. Nicht mein Ding und nicht mein Text. Der bleibt zu diffus, zu strukturlos.

Jury diskutiert, ob die Figur am Rande des Wahnsinns ist und die Katastrophe der Wahnsinn. Eine Kluft zwischen dem Thema und der Sprache wird ausgemacht und ein Hanni-und-Nanni-Stil bemängelt.
Zum Trost für die Autorin wird der Reichtum des Textes und sein Wuchern erwähnt. Genau das Kriterium, warum ich ihn so gar nicht mag.

Hugo Ramnek

Kettenkarusell

Ein Text, den ich liebe! Mindestens. Ein poetischer Text auf den ich ganz subjektiv reagiere. Kirmes, Kettenkarusell, ein junger Mann, der seine Sexualität entdeckt bzw. Von ihr getrieben wird.
Meine Themen, meine Sprache, meine Symbole.

Enttäuschung macht sich bei mir breit, als die Jury Ähnlichkeiten mit dem ersten Text sieht. Nein, um Himmelswillen. Die Kellerechse erscheint ihnen als ein Symbol, das zu dick aufgetragen wurde, als wenn das möglich wäre. Mãnnliche Sexualität in der Jugend ist von einem solchen Drang, da braucht es starke Symbolik.
Zum ersten Mal kommt die Frage auf: Will der Text schön sein?
Das Krokodil ist der Stille König dieses Jahrmarkts – gefällt mir der Gedanke. Auch dass diese Geschichte durch den Atem getragen wird.
Atem braucht es zum Leben und zum Lieben.

Stefan Moster

Der Hund von Saloniki

Aus meiner Sicht ein durchsichtiger, windiger Text ohne Pfeffer und Salz. Alles tausendmal schon schöner geschrieben und stimmiger erzählt gelesen. Aber die Jury sieht das anders. Beginnt ungewohnt mit Jury- Schmalz und Blabla über das Handwerk des Schreibens und ich bin erleichtert als endlich das unrealistische Verhalten des Hundes angesprochen wird, das so gar nicht in den Erzählcontent passt.

Den ersten beißen die Hunde – ist jetzt auch ein Kalauer. Man merkt: mir gefiel die Geschichte absolut nicht.

Lesungen

Heute Morgen also:
Stefan Moster
Hugo Ramnek
Mirjam Richner

Mittags:
Andreas Stichmann
Sabine Hassinger

Rätsel

Die stand bei meiner Ankunft in meinem Zimmer im Hotel und ich rätsle immer noch, wie sie dahin kommt. Ich habe mich doch nirgendwo angemeldet. Hmmm.

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