Sie nennen es TDDL. Tage der deutschsprachigen Literatur – und ich brauche so lange um zu spüren, wie politisch diese Bezeichnung ist. Im Kãrtnerland, das sich doch – wie ich weiß – um die Sprache auf den Tafeln am Ortseingang streitet.
Nun ja, es ist bekannt, dass die im Zeichen der Schnecke geborenen etwas länger brauchen. So ist das. Ich habe es verstanden.
Die Tage der deutschsprachigen Literatur sind nichts anderes als der Wettbewerb – die Lesungen – zum Bachmannpreis.
Ich bin von meinem aufdringliche Real-Welt-Gefüge mitten in die Literaturwelt gefallen. Mit stundenlanger – zügiger – Verzögerung. Weil ich nur den Zügen traue, egal wie unzuverlâssig, sie mich durch die Lande kutschieren.
Ich bin jetzt hier und geniese jede Minute dieser Parallelwelt, die für andere Menschen das harte Geschäft ist. Für mich ist sie eine steile Traumvorlage.
Die Spannung wächst, die Aufregung steigt. Jetzt erst so richtig nach dem ganzen Hickhack der letzten Woche. Bin noch gar nicht gut vorbereitet, auf die Lesungen. Jedenfalls nicht so wie ich mir wünsche, aber das macht jetzt nichts. Es geht heute dem Licht und der Sonne im Herzen entgegen. Dem Süden auch ein bisschen. Der Zug wird mich verzaubern, wie beim letzten Mal. Stundenlang fährt er durch die Berge, die mir so fremd sind und fremd bleiben. Ich schaue nach draußen und sehe eine Welt, die wie eine Spielzeugwelt auf mich wirkt.
Es heißt Natur kann nicht kitschig sein. Nur von Menschen hergestelltes kann dieses Attribut erringen.
Aber sie gibt sich ziemlich Mühe in die Nähe zu kommen, die Natur.
Die Liebe will nicht wissen, steht im Buch der Erinnerung und ich denke: die Liebe will manchmal alles wissen, nur manchmal verschließt sie sich dem Wissen. Die Liebe ist wie wir. Sie dreht ihr Fähnchen im Wind, reckt sich manchmal nach oben. Überschlägt sich und muss wieder von vorne beginnen. Die Liebe will alles und sofort und nur selten ist sie vernünftig und bescheiden, stellt sich hinten an und lauscht der Melodie des Herzens.
Die Liebe ist eigenwillig oder besser gesagt: meine Liebe ist eigenwillig. Sie rammt einen Pfeiler in mein Herz und verlangt volle Konzentration. Sie schmerzt. Noch immer so sehr. Vielleicht habe ich mir den schmerzerzeugenden Ableger kultiviert. Jedenfalls ist sicher: Meine Liebe schmerzt. Aber sie ist auch übermütig. Kindlich und übermütig. Macht heimlich Witze über mich und meine Gastfreundschaft und am liebsten wäre mir, wenn sie musikalisch wäre.
Aber sie trällert mir nur immer die alten schnulzen ins Ohr und täuscht Jugendlichkeit vor.
Respekt vor dem Alter, ermahne ich sie – und sie schüttelt sich vor Lachen.
Ärgert ihr euch auch über die anhaltende Alternativlosigkeit, die die Politik überfallen hat? Wann hat das begonnen? Ich kann mich nicht erinnern. Mit der „Krise“ selbst wahrscheinlich. Egal welche Entscheidung ansteht, sie ist a l t e r n a t i v l o s.
Warum eigentlich? Weil sich die Frauen und Männer in Regierungsverantwortung keine Alternative mehr vorstellen können? Weil sie etwas retten wollen, was nicht mehr zu retten ist?
Alternativlosigkeit entsteht üblicherweise in Gewaltsituationen. Ob das jetzt kriminelle Gewalt oder die Naturgewalten sind. Gewaltsituationen können die Ursache sein, dass ein Mensch vorübergehend in einer alternativlosen Situation ist. Aber sobald die größte Geefahr vorbei ist, kann er wieder entscheiden. Die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen ist üblicherweise das Szenario, das wir Freiheit nennen.
Alternativlosigkeit ist Unfreiheit. Tyrannei kann ich auch sagen.
QR-Codes auf den Grabstein, das war eine Marktlücke. War, weil sie jetzt gefüllt wird.
Aber – wie ich gerade lerne – wieder muss das jemand genehmigen. Damit es auf dem Friedhof nicht plötzlich zu lebendigen Szenen kommt. Es könne ja sein, dass es da auf einmal zu lustig zugeht. Vielleicht sogar so wie an dem berühmten Grab von Jim Morrison in Paris.
Das wäre dann doch zu arg. Düster muss er bleiben, der Tod und der Friedhof langweilig und öd, damit wir uns nicht zu oft hin verirren.
Hey Claudia, lass dich nicht unterkriegen. Lass dich adeln. Für deine Aufrichtigkeit und deinen Einsatz. Lass dich nicht niedermachen. Denk an die vielen Menschen, die sich nicht wehren können. Die in der Arge einarmig vor dem Schreibtisch sitzen und deren zweiter Arm entzündet ist. Niemand nimmt Rücksicht und zack sind die Mittel gekürzt. Die andere Seite des Schreibtischs ist auch nicht so toll: Befristete Jobs, die Menschen zwingen Quoten zu erfüllen. Ablehnungsquoten. Das mit der Beratung und Information, das war einmal.
Hey, Claudia! Lass dich nicht unterkriegen. Sieh dich um in dieser Welt. Wie krank und arm sie geworden ist. So viele Mittel, so viele Möglichkeiten und was zählt davon? Die Babys sterben immer noch in Massen, die Menschen werden gefoltert, gedemütigt, eingesperrt und traumatisiert.
Lass dich nicht unterkriegen. Hey, claudia! Du bist den weiten Weg gegangen und du musst auch weiterhin keine Waffen in die Hand nehmen und keine Gewalt anwenden. Nur weitergehen. Einfach weitergehen oder stehen bleiben. Zur Not auch stehen bleiben. Das bringt sie auch zur Weißglut.
Lass dich nicht unterkriegen!
Nein, es ist keine Frage der Ehre bzw. des Adels. Es ist eine Frage der Aufrichtigkeit.
Die Macht und die Energie der Schwachen wird permanent unterschätzt.
Hey, Claudia! Du schaffst das schon.
claudia Juni 30th,2012
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4 Comments
Wochenendgedankenkreisel. Nie und nimmer hätte ich mir eine Woche wie diese im Vorfeld vorstellen können. Die Tretmühle hat sich in einen gefährlichen Häcksler verwandelt. Gefährliches Gelände.
Aber nächste Woche wird das ausgeblendet. Nächste Woche geht es nach Klagenfurt. Ich lasse mich belesen. Drei Tage lange.
Gibt es eine bessere Ablenkung? Eine intensivere Geisteraustreibungsstrategie?