Sabine Hassinger

Die Taten und Laute des Tages

Endlich ein Text mit Herausforderung. Ich mag den Text, ich mag den Vortrag, ich mag die Autorin, wie sie mit ihrem Text umgeht.
Die Jury diskutiert. Mag keine komplizierten Texte, die zuviel Zeit für die Interpretation verschlingen. Später fällt das Wort Sprechtext. Ein poetischer, verwunschener Text. Dem schließe ich mich an.
Als die Fernsehübertragung schon abgebrochen war, wird weiter diskutiert. Weniger über den Text, als allgemein, wie wichtig es ist experimentelle Texte im Wettbewerb zu haben.

Andreas Stichmann

Der Einsteiger

Ein Romanauszug. Ich halte ihm das mal zu gute. Vielleicht ergibt der Romane da Sinn, wo ich ihn in der Geschichte nicht finden kann.

Ein Mittelständler stellt sich Obdachlosigkeit bei Jugendlichen vor. Dramatisierend ohne Schema.
Die Jury entdeckt ein prickelndes Thrillerelement und die bürgerliche Kleinfamilie, die als Vorbild gesehen wird. Die Begriffe „Occupy im Kleinen“ oder ein „Einschleichdieb ins häusliche Glück“ fällen.
Kritisiert wird, dass der Text nicht nahe kommt, nicht nahe geht. Aber dafür ist er wie ein filmisches Statement zu lesen. Die Figur wünscht sich Realitãt und zum Schluss fällt noch der Satz, dass es ein vampirischer Text sei.

Mirjam Richner

Bettlägrige Geheimnisse

Oh weh, junge Lehrerin schreibt über zwei junge Lehrerinnen. Nicht mein Ding und nicht mein Text. Der bleibt zu diffus, zu strukturlos.

Jury diskutiert, ob die Figur am Rande des Wahnsinns ist und die Katastrophe der Wahnsinn. Eine Kluft zwischen dem Thema und der Sprache wird ausgemacht und ein Hanni-und-Nanni-Stil bemängelt.
Zum Trost für die Autorin wird der Reichtum des Textes und sein Wuchern erwähnt. Genau das Kriterium, warum ich ihn so gar nicht mag.

Hugo Ramnek

Kettenkarusell

Ein Text, den ich liebe! Mindestens. Ein poetischer Text auf den ich ganz subjektiv reagiere. Kirmes, Kettenkarusell, ein junger Mann, der seine Sexualität entdeckt bzw. Von ihr getrieben wird.
Meine Themen, meine Sprache, meine Symbole.

Enttäuschung macht sich bei mir breit, als die Jury Ähnlichkeiten mit dem ersten Text sieht. Nein, um Himmelswillen. Die Kellerechse erscheint ihnen als ein Symbol, das zu dick aufgetragen wurde, als wenn das möglich wäre. Mãnnliche Sexualität in der Jugend ist von einem solchen Drang, da braucht es starke Symbolik.
Zum ersten Mal kommt die Frage auf: Will der Text schön sein?
Das Krokodil ist der Stille König dieses Jahrmarkts – gefällt mir der Gedanke. Auch dass diese Geschichte durch den Atem getragen wird.
Atem braucht es zum Leben und zum Lieben.

Stefan Moster

Der Hund von Saloniki

Aus meiner Sicht ein durchsichtiger, windiger Text ohne Pfeffer und Salz. Alles tausendmal schon schöner geschrieben und stimmiger erzählt gelesen. Aber die Jury sieht das anders. Beginnt ungewohnt mit Jury- Schmalz und Blabla über das Handwerk des Schreibens und ich bin erleichtert als endlich das unrealistische Verhalten des Hundes angesprochen wird, das so gar nicht in den Erzählcontent passt.

Den ersten beißen die Hunde – ist jetzt auch ein Kalauer. Man merkt: mir gefiel die Geschichte absolut nicht.

Lesungen

Heute Morgen also:
Stefan Moster
Hugo Ramnek
Mirjam Richner

Mittags:
Andreas Stichmann
Sabine Hassinger

Rätsel

Die stand bei meiner Ankunft in meinem Zimmer im Hotel und ich rätsle immer noch, wie sie dahin kommt. Ich habe mich doch nirgendwo angemeldet. Hmmm.

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Bachmannpreis 2012

Sie nennen es TDDL. Tage der deutschsprachigen Literatur – und ich brauche so lange um zu spüren, wie politisch diese Bezeichnung ist. Im Kãrtnerland, das sich doch – wie ich weiß – um die Sprache auf den Tafeln am Ortseingang streitet.
Nun ja, es ist bekannt, dass die im Zeichen der Schnecke geborenen etwas länger brauchen. So ist das. Ich habe es verstanden.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur sind nichts anderes als der Wettbewerb – die Lesungen – zum Bachmannpreis.
Ich bin von meinem aufdringliche Real-Welt-Gefüge mitten in die Literaturwelt gefallen. Mit stundenlanger – zügiger – Verzögerung. Weil ich nur den Zügen traue, egal wie unzuverlâssig, sie mich durch die Lande kutschieren.

Ich bin jetzt hier und geniese jede Minute dieser Parallelwelt, die für andere Menschen das harte Geschäft ist. Für mich ist sie eine steile Traumvorlage.

Aufregung

Die Spannung wächst, die Aufregung steigt. Jetzt erst so richtig nach dem ganzen Hickhack der letzten Woche. Bin noch gar nicht gut vorbereitet, auf die Lesungen. Jedenfalls nicht so wie ich mir wünsche, aber das macht jetzt nichts. Es geht heute dem Licht und der Sonne im Herzen entgegen. Dem Süden auch ein bisschen. Der Zug wird mich verzaubern, wie beim letzten Mal. Stundenlang fährt er durch die Berge, die mir so fremd sind und fremd bleiben. Ich schaue nach draußen und sehe eine Welt, die wie eine Spielzeugwelt auf mich wirkt.
Es heißt Natur kann nicht kitschig sein. Nur von Menschen hergestelltes kann dieses Attribut erringen.
Aber sie gibt sich ziemlich Mühe in die Nähe zu kommen, die Natur.

Der Stein muss zurück

Der Stein muss zurück #Schwarzenfeld