Neckarstadt – Sonnenuntergang
Fensterblick
Fensterblick
Als das Kind Kind war, lebte es in den verschlungenen Pfaden seiner Innenwelt. Mit großem Getöse und Gepolter katapultierte sich von Zeit zu Zeit die Außenwelt mit vollem Karacho in die Innenwelt des Kindes. War der Wirbelsturm der Außenwelt vorbeigezogen war, begann das Kind gleichmütig und mit höchster Konzentration die erdachten und erstaunten, zusammengezwirbelten Geschichten und Gefühle der Innenwelt wieder neu aufzubauen. Immer wieder aufs Neue. Stoisch. Ohne Ärger, ohne Hass, ohne Rachegefühle. So war das Leben nun mal: Man muss den Wirbelsturm der Außenwelt vorbeiziehen lassen, um sich dann wieder den unbegrenzten Möglichkeiten der Innenwelt hingeben zu können.
(Das ist der Eintrag zum vorherigen Jahreswechsel, ist auch heute noch stimmig.)
Der Kühlschrank ist mit leckeren Sachen und der Kindl mit Büchern gefüllt. Das Jahr kann also beruhigt nach Hause gehen und das Neue kommen. Vielleicht mache ich heute eine Schreibpause, vielleicht auch nicht. Mittlerweile ist es so, dass ich eine Schreibpause fast gar nicht mehr einhalten kann.
Es soll auch so etwas wie eine Schreibsucht geben. Vor der bewahrt mich allerdings meine angeborene Neigung zum Dahintrödeln.
Jetzt schaue ich mir noch mal den Inhalt des Kühlschranks an, damit mir an trüben Tagen wenigstens die Erinnerung bleibt.
Es gibt so viele Sprüche mit denen ich aufgewachsen bin und von denen sich im Nachhinein herausstellte, was ich schon in der Kindheit ahnte: Sie sind gelogen.
Vielleicht ist das ein bisschen hart ausgedrückt. Vielleicht waren es keine Lügen, nur Unkenntnis und falscher Glauben.
Dagegen spricht die aggressive Haltung mit der gegen verschiedene Verhaltensweisen vorgegangen wurde.
Träumen war verdächtig.
Nachdenken war aufsässig.
Lesen war zwar erlaubt – aber doch bitte nicht zu jeder Zeit und erst nachdem du bewiesen hast, dass du auch deinen praktischen Teil zum Leben beigetragen hast.
Wünschen war hochmütig.
Wer sich etwas wünscht kriegt nichts – und weil ich nie genau zuhörte, vergaß ich die vielen Nichts-Beschreibungen. Denn das Nichts, das man zu erwarten hatte, wurde sorgfältig in Szene gesetzt. Mit Wort- und Fingerspielen gedeutet und bedeutet.
Ich wünsche mir dennoch etwas für 2012. Außer dem Weltfrieden selbstverständlich, der immer meine Wunschliste anführen wird. Ich Wünsche mir sehr viel sogar und ich bin abergläubisch genug um Angst davor zu haben, die Wünsche öffentlich werden zu lassen. Vielleicht gehen sie dann nicht in Erfüllung?
Vielleicht bin ich aber doch durch das Träume sind Schäume geprägt. Mehr geprägt als ich mir zugestehen will. Ich, die Traumtänzerin!
Heute scheint mein Weltverteidigungstag zu sein. Zuerst muss die Silvesterböllerei verteidigt werden und jetzt finde ich, dass es an der Zeit ist, eine Lanze für Sinéad O’Connor zu brechen.
Leider kann ich hier kein Video von ihr einbinden, das hätte ich gerne getan und das gehört auch dazu, wenn man über sie spricht oder schreibt.
Im Moment ist sie wegen dem Scheitern ihrer Kurzehe in den Schlagzeilen und hämische Bemerkungen über ihr Aussehen fallen da andauernd. Dabei ist sie eine ziemlich mutige Frau, die sich ihrer psychischen Krankheit stellt und ich denke oft daran, wie atemberaubend schön sie auf manchen früheren Videos ist.
Sie gehört zu denen, die sich die Überlebenden nennen, die Opfer häuslicher Gewalt.
(Sie schreibt außerdem ungewöhnlich ehrlich und offen für eine prominente Person in ihrem Blog.)
Bisher habe ich es nicht geschafft einen persönlichen Jahresrückblick zusammenzustellen. Irgendwie habe ich das Gefühl er würde mich zu traurig stimmen. Manchmal ist mein Weltschmerz so allumfassend, dass es mir nicht gelingt, das große Ganze von dem winzigen Etwas das sich Privatleben nennt zu trennen.
Dafür gibt es bei den Gleisbauarbeiten einen liebevollen Jahresüberblick. Weltschmerz gibt es dort auch – offensichtlich lässt der sich auch in Worte fassen, so es denn gewünscht wird.
Alle Jahre wieder gilt: kaum hat der Böllerverkauf angefangen, fangen die alten Nörgler und Verbieter wieder an, ihre Sprüche zu klopfen.
Geldrauswerferei, Tierquälerei und weiß der Teufel was nicht alles.
Eins vorweg: ich bin die erste, die springt wenn ein Knaller geworfen wird, ich kaufe keine Böller, weil ich nicht in der Lage bin, sie anzuzünden und hab ansonsten auch gar nichts mit der Feuerwerksindustrie zu tun.
Aber wisst ihr eigentlich, an was ihr da rum mault?
Das private und unorganisierte Silvesterfeuerwerk ist eine der wirklich großen populären Traditionen, die wir haben. In fast keinem Land der Welt ist das so möglich wie bei uns. Die Ausgaben für das Feuerwerk betragen – wenn ich das richtig in Erinnerung habe – ca. 1 Euro pro Einwohner.
Jetzt kriegt euch schnell wieder ein. Lange wird es so ein Volksfeuerwerk nicht mehr geben und dann werdet ihr euren Enkeln vorschwãrmen, was das für Zeiten waren, als Opi und Omi noch die Rakete für die Enkel in den Himmel schossen.
Nee, normalerweise mache ich immer einen Umweg um alle Dinge, die mit schießen oder lauten Geräuschen zu tun haben. Aber das ist doch kein Grund, anderen die Himmelsmalereien und -zischereien zu verbieten.
Es geht doch vorbei.
Habe mich mit dem Heizkissen unter die Decke verzogen. Paris blüht wie im Frühling und trotzdem habe ich mich erkältet. Weiß gar nicht wie das passieren konnte. Bin doch so stolz auf mein Immunsystem!
Ist allerdings wirklich ein seltsames Gefühl in Paris zu sein und kein Baguette essen zu können. Mein Ernährungsplan ist dadurch noch weniger vorzeigbar geworden, als er früher schon war.
Was in Paris echt nervt ist der Kulturkapitalismus. Manchmal fühlt man sich einfach nur abgezockt und wie Herdenvieh behandelt. Vielleicht sind wie das ja auch manchmal. Obwohl ich ja die Variante von der heterogenen Steinzeittruppe bevorzuge.
Einmal habe ich mich dabei erwischt, dass die Schadenfreude so richtig mit mir durchging. Das war in der Metro. Die Metro piepst und eine junge Familie – Touristen – kommt angerannt, die Mutter vorne weg, der Vater und der Großvater mit zwei kleinen Kindern hinterher. Wie oft habe ich diese Szene schon in den deutschen öffentlichen Verkehrsmitteln erlebt. Die Bahn gerammelt voll, jeder weiß, dass die Familie nur zwei Stationen fahren will und die nächste Bahn sofort im Anschluss fãhrt. Jeder sieht auch, dass die Tür zu der sie gehechtet sind, schon von einer Menschentraube belagert sind und ist die Mama erst mal drinn, dann dauert es bis die Plätze für die restlichen Familienmitglieder freigepufft sind.
In Paris macht es Rutsch, die Tür ist zu, die Mama hat gerade noch so Glück, dass nur ihr Ärmel von der Jacke draußen hängt und die Metro fährt ab.
Weniger glücklich waren natürlich die beiden Kleinkinder, die heulend mitansehen mussten, wie ihre Mutter verschwand. Nun ja, es ging alles glimpflich ab. Aber wie gesagt, ein bisschen Schadenfreude konnte ich mir nicht verkneifen.
Kling schlimm! Wie kommts, dass du die Stimmungen als "fremd" erlebst? Ich betrachte alle Stimmungen als eigene und suche entweder…