Fri heißt lieben
Antje Schrupp ist dem Zusammenhang zwischen freien und Freiheit auf der Spur. Detektivarbeit.
Antje Schrupp ist dem Zusammenhang zwischen freien und Freiheit auf der Spur. Detektivarbeit.
Vielleicht vermisst ihr die Anzahl der Wörter, die ich bisher geschrieben habe. Ehrlich gesagt: ich kenne sie nicht. Beim letzten NaNoWriMo wusste ich in jedem Moment die genaue Anzahl der Wörter, die ich geschrieben hatte. Das lag vorallem daran, dass ich immer total am Limit war, gerade noch so geschafft. Manchmal auch im Glauben, ich kann es nicht schaffen.
Dieses Mal ist das anders. Ich schreibe in verschiedene Dateien, je nach Erzählstrang und ehrlich gesagt auch je nach Schreibort.
Ich peile immer nur grob über den Daumen und sehe, dass ich im Limit bin. Das beruhigt – und die genaue Anzahl werde ich die nächste Woche ermitteln. Man muss es ja nicht übertreiben mit der Selbstdisziplin.
Heute im Schwimmbad:
Zwei ca. 12 Jahre alte Mädchen tauchen immer wieder gleichzeitig face to face unter, tauchen wieder auf und schauen sich dann gemeinsam die Fotos auf der Unterwasserkamara an, die sie dabei haben. Es wird fachkundig kritisiert, dann folgt erneut ein Tauchgang.
Bei der Ausdauer, die sie an den Tag legen, bin ich ganz sicher, dass sie die nächste Unterwasser-Misswahl gewinnen werden.
Gestern ist mein NaNoWriMo ziemlich ins Stocken geraten. Ausgerechnet am Wochenende, da sollte es doch laufen wie Lottchen. Möglichst noch mit einem Polster, damit der Start in die neue Woche etwas sanfter wird. Pustekuchen.
C’est la vie.
Also gilt es heute, mit dem stotternden Motor einfach weiterzufahren. Vielleicht erholt er sich wieder und nachher schnurrt er leise vor sich hin.
Meine Geschichte weitet sich. Es gibt vier Kernthemen um die sich langsam Material sammelt, wenn es mir gelingt, die Fäden zum Schluss alle gut zu verweben, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Das fühlt sich gut an. Trotz Stottertag.
Den ideale Moment gibt es selten. Aber den Moment um zu sagen: schön, das du du bei uns bist.
Manchmal bin ich wirklich erstaunt. Gestern und heute über die Altkleiderlüge. ja, was habt ihr euch denn dabei gedacht? Das geht doch schon seit mehr als einem Jahrzehnt so. Seitdem sind die Kleidercontainer in eurem Blickfeld und seitdem habt ihr im Fernsehn Dokumentationen über Afrika geschaut und gesehen, dass die Menschen dort in seltsamen T-Shirt-Kombinationen herumlaufen.
Ja, ja ich hör schon auf den Zeigefinger zu heben. Es ist schlimm, dass ich diese Dinge nicht hãufiger und öfters im Blog anspreche, aber ich mag dieses Image nicht und hab mich darauf zurückgezogen, dass ich meine Entscheidungen treffe, aber nicht missionarisch tätig werde.
Die Altkleidercontainer haben es fertig gebracht, dass meine friedfähige und gewaltlose Seele immer, wenn sie an einem vorgeht denkt: einen Eimer Farbe und Säure sollte ich reinschütten, um ihn zu vernichten, den scheinbaren Wert und das Gefühl, hier würde Müll „vermieden“.
Kafka über die Briefe von Vincent van Gogh
„Er läuft den Tatsachen nach wie ein Anfänger im Schlittschuhlaufen, der überdies irgendwo übt, wo es verboten ist.“
+++ der nanowrimo läuft besser als gedacht +++ andererseits verfehlt er vielleicht auch sein Ziel +++ ich vermisse die Lyrik +++ der Kalender für 2012 füllt sich mit beruflichen und privaten Terminen +++ Paris lockt +++ manchmal bin ich traurig +++ stolz aber auch +++ Kafka ist der Größte +++ Schatten sind unberührbar +++ musikalisch bin ich eine Analphabetin +++ Touchscreens im öffentlichen Raum sind nicht barrierefrei +++ Demokratie ist ein Mysterium +++ Disziplin ist gleichzeitig eine meiner Schwächen und meiner Stärken +++ Lesen ist ein Paradies
im Herzen
keine Sonne
kein Leben
nur
Glut
funkensprühend
lavaschäumend
zischelnd
gefährliches Innengelände
kein Hort
für friedliche
Seelen