2011

Herzlich Willkommen im Neuen Jahr!
Meins hat schon gut angefangen und ich hoffe, Eures ebenso.

Bin gerade am Spielen mit meinen Gedichten. Eine Beschäftigung, die zu Unrecht wenig verbreitet ist, denn sie ist gut für das Gemüt.

Sylvester

Kannst Du Deine Frager darauf hinweisen dass Sylvester eine böse böse Katze ist und nicht das Fest das heute gefeiert wird? 😉

diese Frage wird Augenschmaus auf Formspring gestellt und sie gibt eine sinnige Antwort.

Denk ich auch immer, wenn ich Sylvester lese, aber das Wort Silvester wurde wohl bei einigen Menschen einfach eingefalscht und ist in dieser Rechtschreibweise richtig geworden für die. Da kann man nix machen, glaub ich.

Als Mensch, der unter einer Rechtschreibeschwäche leidet, nervt die Überheblichkeit mit der von allen Seiten auf die Sylvester-Schreiberinnen z.B. bei Twitter eingehauen wird sehr. Daher lautet meine Antwort auf die Erwiderung von Augenschmaus:

Das ist eine gute Antwort. Denn mittlerweile nerven die Silverster-Anmahnerinnen und Anmahner mehr, als sie Menschen, die in der Rechtschreibung großzügig sind. Vielleicht sollten diese auch nicht vergessen: Rechtschreibung ist keine absolute Größe. Die passt sich an.
Offensichtlich leichter als die nicht aussterbenwollenden Korinthenkacker.

Aber in diesen Tagen gilt eh:
Aus dem Twitterwald schalt das Echo der volksdeutschen Stammtisch-Seele. Wer hat da nur hineingerufen?

Vorschreiben, belehren, verbieten – das ist das Hobby der Deutschen. Im Allgemeinen lebe ich ja in meinem Schutzraum etwas abgeschottet von ihnen. Aber so ein Medium wie Twitter schafft es natürlich glänzend auch die braunen und kantigen Seiten des Lifestyles zu präsentieren.

Deshalb lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden. Von Böllern statt Brot ist noch keiner satt geworden und die, die so moralisch tun, sind sowieso nicht die, die sich tatsächlich um ihre Mitmenschen kümmern. Es gibt nur noch ganz wenig Länder und Regionen in denen wie in Deutschland „unorganisierte, dezentrale“ Feuerwerke erlaubt sind. Es ist eines der letzten Straßentraditionen, die uns geblieben sind. Auch wenn ich nicht ballern werde: ich will Euch sehen und hören heute Nacht!

Lesetipps zum Jahresausklang

Zum Jahresausklang noch ein paar Blog-Lesetipps von mir:

Bei Flausen könnt ihr sehen, was mensch mit der Angst so alles machen kann.

Auf der Insel wird geplant, wie es im nächsten Jahr weitergehen wird.

Frau Auge macht deutlich: Life ist beautiful

Bei Vera gibt es nicht nur Kaffee.

Worte an sich sind nichts – ganz ohne Kommentar von mir.

Warum fotografierst du mich immer?, fragt sie. – Die Stattkatze muss ich in diesem Jahr unbedingt noch einmal verlinken.

Der Terrorismusexperte

sagt im Fernsehen, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist. Nein, wir sollen uns nicht täuschen lassen, auch lange vor dem 11. September gab es Warnungen und dann haben sich die Terroristen eben noch ein bisschen Zeit gelassen. Sie wollen uns in Sicherheit wiegen. Aber keine Angst, sagte der Terrorismusexperte, vor dem Silvester- und Neujahrsspektakel muss sich niemand fürchten. Denn da sind in Berlin z. B. 600 Ordnungskräfte, die alle für Sicherheit sorgen und wenn jeder ein bisschen aufpasst, dann kann nichts passieren.

Das sagt er tatsächlich im Fernsehen und ich frage mich: Halten die denn alle Fernsehzuschauerinnen und Zuschauer für komplett schwachsinnig? Überhaupt: Was ist das für eine Berufsbezeichnung „Terrorismusexperte“?

Ich stelle fest: Ich bin öfters im falschen Film als mir lieb ist.

Übergang

Seltsam. Dieses Jahr ist alles so anders als sonst – und dabei ist äußerlich alles gleich geblieben. Ich spüre den Übergang der Jahre nicht. Sonst hatte ich dafür immer ein besonderes Gefühl: Das eine geht, das andere kommt.
Dieses Mal verschwimmt der Übergang. Es ist als wäre das Neue Jahr schon da. Schon vor einigen Tagen habe ich ein Foto mit Winter 2011 markiert. Ein Versehen? Merkwürdig ist dieses in die Zukunft schauen für mich. Das passt nicht zu mir. Andererseits ist es auch gar kein richtiges In-die-Zukunft-Schauen, es ist als vereinnahmt die Gegenwart, die Zeit die kommt.
Wahrscheinlich ein Frevel. Eine Anmaßung, die nur mit Demut zurückzunehmen ist.

Magersucht ist tödlich

Magersucht ist eine Krankheit, die mich graut. Da ist kein Virus im Spiel und keine schicksalshafte Zellteilung. Nur das eigene Bedürfnis zu kontrollieren. Die Psyche halt. Aber wozu die Psyche bei anderen Krankheiten eine enorme Energie aufwenden muss, das läuft bei der Anorexie am Anfang fast nebenbei ab. Einfach über die Nahrungsaufnahme. Bzw. über die Nicht-Nahrungsaufnahme. Und irgendwann ist kein Entrinnen mehr möglich. Da hilft der Wunsch weiterzuleben nicht mehr. Die Krankheit ist übermächtig und führt nur noch auf das eine Gleis. Hartnäckig. Unentrinnbar.

Die Wissenschaft tut sich schwer damit, alle Zusammenhänge der Ernährung des Menschens aufzuklären. Oberflächlich betrachtet, die einfachste Sache der Welt: Ich esse, wenn ich Hunger habe. Aber so einfach ist das nicht. Wir essen nicht nur wenn wir Hunger haben. Wir essen in der Gemeinschaft, aus Sinnlichkeit, weil wir uns erinnern. Wir essen aus schlechter Laune, aus Frust, aus Gedankenlosigkeit. Wir essen, weil dann wunderbare Hormone ausgeschüttet werden. Wir essen und essen und essen.

Oder wir essen eben nicht. Weil wir krank sind, weil wir kontrollieren wollen, weil wir eine Geisel der eigenen Psyche sind.
Die Natur hatte es nicht einfach mit uns Menschen. Zuerst musste sie uns beibringen, dass wir immer weiteressen, wenn es etwas Essbares in unserer Umgebung gab, dann musste sie uns bei bringen, dass Angst und Furcht uns schnell und blitzartig vom Essen abbringt. Das ist ihr gut gelungen. Perfekt.
Nur jetzt haben wir ein anderes Problem. Viele andere Probleme.

Kaudern

volker kauder hat der berliner zeitung ein interview gegeben. aufmerksam darauf wurde ich durch sebastian reichl, der sich bereits treffend und lesenswert darüber aufregte. was sebastian reichel nicht kommentierte ist folgender satz von volker kauder:

Meine Erfahrung ist, dass alles was möglich ist, gemacht wird.

Hier wettert ix über die neuesten Plaudereien des Herrn Kauder

Netzneutralität

Sieht so aus, als stecken wir im Moment in einer Sackgasse. Nicht nur praktisch, auch theoretisch.

27c3: Netzneutralität und Priorisierung – Ein Widerspruch.

Die Debatte über die Abschaffung der Netzneutralität läuft seit einiger Zeit deutschland- und weltweit. Ausgelöst wurde sie von Providern, die sich weigerten (oder weigern wollten) alle im Internet übertragenen Pakete gleich zu behandeln.

zum Artikel von Linus Neumann bei Netzpolitik

Mein Jahresrückblick

Rückblick und Vorschau – das hat Tradition in diesen Tagen.
Sich erinnern was war und sich konzentrieren auf das was kommt. Schon im letzten Jahr tat ich mir schwer mit einem öffentlichen Rückblick und dennoch hangle ich mich immer wieder an den Strukturen entlang.
Was war? Was ist? Wie wird es sein?
Je älter ich werde, desto behutsamer gehe ich dabei vor. Zeit wird kostbar. Immer kostbarer und immer mehr hasse ich es, sie zu verschwenden. Ebenso sehr wie Energie. Denn die habe ich auch nicht im Überfluss. Ich muss sie mir einteilen und das tue ich.
2010 war privat und persönlich ein ruhiges, entspanntes Jahr. Die Unebenheiten des Jahres fanden fast alle in meinem beruflichen Umfeld statt. Höhen, Tiefen und Schockstarre. Ein Jahr der Erschütterungen.
Zwei Pole, die weiter von einander kaum sein konnten.
2010 habe ich mich auch entschlossen, einen weiteren Lyrikband zu veröffentlichen. Ganz persönlich. Nicht für das große Publikum gedacht. Nur für mich und die, denen meine Gedichte gefallen.
Das ist ein Projekt ganz nach meinem Geschmack. Gedichte, Gedichte – Poesie und Lyrik. eine schönere Freizeitbeschftigung kann ich mir im Moment kaum vorstellen.
Sie gibt Kraft – und die kann ich brauchen. sehr gut brauchen.

Ach ja – und ein paar Pläne für das nächste Jahr habe ich auch schon. Der größte Schatz sind die Klagenfurt-Pläne, auf die freue ich mich sehr. Ich glaube, es kann kommen, das Neue Jahr. Bei mir ist es willkommen!

Brief an D.

»Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.«

So beginnt die Liebesgeschichte von André Gorz, die er seiner Frau Dorine widmet.

Gute Zitate darf man auch ein zweites Mal bringen, dachte ich mir, als ich das kleine Büchlein heute zur Lektüre mitnahm und suchte in der Sammelmappe nach dem fuliminaten Anfangszitat – aber ich wurde nicht fündig. Wahrscheinlich ist es eine der Seiten, die dem großen Crash zu Beginn des Jahres zum Opfer gefallen sind. Also nichts wie rein in die Sammelmappe.
Samt Schluss:

Ich will nicht bei Deiner Einäscherung dabei sein; ich will kein Gefäß mit Deiner Asche bekommen. Ich höre die Stimme von Kathleen Ferrier, die singt: “ Die Welt ist leer, ich will nicht leben mehr.“, und wache auf. Ich lausche auf deinen Atem, meine Hand berührt Dich. Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen. Oft haben wir uns gesagt, dass wir sollten wir wundersamerweise ein zweites Leben haben, es zusammen verbringen möchten.“

Geschrieben hat André Gorz den Text zwischen März und Juli 2006. Im September 2007 nahm sich das Ehepaar gemeinsam das Leben.