Es muss schön sein im Himmel, wenn du dort bist.
Immer wieder im Leben zeigt es sich, dass es auf die komplizierten Fragen doch nur einfache Antworten gibt. Z.B. auf die Frage, was der Tod bedeutet.
Vielleicht trifft es Elfriede Jelinek genau. Die Antwort. Nicht auf die Frage, aber auf die Aussage:
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!
Manchmal lese ich ein Blog und dann kommt eine Zeit, da kann ich die nächsten Blogeinträge schon voraussagen.
Telepathische Fähigkeiten oder nur Lebenserfahrung 2.0?
Ich tippe auf letzteres.
Aus der Distanz sind eben manche Dinge besser zu sehen als aus der Nähe.
Die ganze Woche lief er mir über den Medienweg. Niclas Berggruen- der mit Hoffnung erwartete Investor der Karstadt-Filialen.
Zuerst in der Kulturzeit. Dort gehört er ja auch hin als Sohn des Sammlers Heinz Berggruen.
Dann in den Tagesnachrichten. Dort gehört er als Retter der Karstadt-Filialen ja auch hin.
Was ist das für ein Retter des kulturellen Abendlandes? Er ist im gleichen Jahr wie ich geboren, wollte mal Schriftsteller werden, sein Vermögen wurde im Jahr 2008 auf 3 Milliarden Dollar geschätzt. 2010 ist das ein bisschen weniger. Soweit sich mehr oder weniger in diesem Zusammenhang fassen lässt.
Ich habe mir in meinem Leben nie Gedanken über das Alltagsleben reicher Menschen gemacht. Warum auch? Reiche Menschen haben arme Menschen zu jeder Zeit unterdrückt. Meine Abneigung gegen Reichtum geht so weit, dass ich auch fast nie in Kirchen gehe. Auch nicht – schon gar nicht als Touristin – zuviele Menschenleben hat jede einzelne Kirche gefordert. Mir schnürt es darin die Luft ab. (Sorry, an die Kirchenfreundinnen, aber das ist so bei mir.) Mir schnürt es die Luft ab, wenn ich das Blut und den Schmerz der einfachen Menschen spüre – und die spüre ich immer, wenn ich den üppigen Reichtum wahrnehme.
Das war der Einschub. Mein Einschub, um mich dem Thema wieder anzunähern. Da ist also ein Mensch, der von sich sagt, er hat kein Heim mehr. Er lebt in Hotels, aber er besitzt einen Privatjet. Da ist ein Mensch – ein Mann – der mit den größten Kunstwerken unserer europäischen Geschichte aufgewachsen ist.
Einer von dem Wikipedia schreibt: Er wird heute zu einer neuen Generation sozial und ökologisch verantwortungsbewusster Investoren gerechnet.
Geht das zusammen? Ist das Wirklichkeit?
dieser Aufforderung habe ich mich aus brandschutztechnischen Gründen immer entzogen. Ich gebe zu: es ist ein Trick. Er wirkt zwar, aber aus feministischer Sicht ist das nicht gerade eine große Heldinnentat. Obwohl ich dazu sagen muss, dass es nicht immer leicht ist diese Rolle zu spielen. Aber wahrscheinlich zählt auch das nicht im Rahmen der feministischen Bewegung.
Nein, ich mache mich nicht lustig. Im Gegenteil. Denn was würde ich denn machen, wenn die andere Aufforderung auf mich zu käme:
Ausländerinnen raus! (Ich nehme hier mal die weibliche Form, einfach so, weil ich ja wählen kann.) Aber noch mal zurück: Bei dem Ruf „Frauen zurück an den Herd“ konnte ich ausweichen, aber was wäre geworden, wenn ich in der Situation der Ausländerin wäre? Das würde nur Geld helfen. Viel Geld hilft immer. Nun ja, jedenfalls meinen das viele.
Luise Pusch hat sich zu Wort gemeldet. Sie nimmt Stellung zu Thilo Sarrazins “Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen”.
Dass wir nicht öfter offiziell vor Männern, ob Bildungsverlierer oder nicht, gewarnt werden, liegt nur daran, dass die Offiziellen selbst überwiegend Männer sind. Auch den brandgefährlichen Nazis fiel es nicht ein, das Volk rechtzeitig vor den Nazis zu warnen.
Es geht um Angst und Schrecken. Soviel ist klar. Und deshalb müssen da auch so klare Worte gesprochen – geschrieben – werden. Es geht um männerverschlingende Frauen, die nur vor dem Herd ungefährlich sind und um in fremden Zungen sprechende Menschen einer anderen Spezie, die einem unheimlichen Gott huldigen.
Jetzt habe ich es auch verstanden. Oder habe ich wieder alles durcheinander gebracht?
Die Marktwirtschaft stellt ihre Spielregeln auf, so heißt es manchmal. Und dann gab es noch einen Arzt, der dachte, das sei eine gute Sache. Da stellte er auch Spielregeln auf. Für seine Patientinnen und Patienten. Ohne Kopftuch sollen sie kommen, mit Deutschkenntnissen und bitte keine Familien mit mehr als fünf Kindern. Da verliert man den Überblick.
Ist doch klar. Da versteht sicher jeder, dass er Spielregeln braucht.
Lesen. Wenn es einen Geheimtipp zum Gesunden und Genesen gibt, dann ist das bei mir das Lesen. Mich in die Bücher hineinlesen bis es nur noch die Lesewelt gibt und alles um mich herum ausgeblendet ist. Das hat schon vor vierzig Jahren funktioniert und funktioniert heute immer noch.
Es ist wie den Geist abschalten, umschalten in eine andere Welt um in der realen Welt wieder mit neuer Stärke und Kraft weitergehen zu können.
Immer wieder auf’s neue funktioniert dieser geheime Mechanismus. Manchmal dauert es etwas, bis die fiktionale Welt mich wieder so in ihren Bann zieht, dass alles andere ausgeblendet wird. Aber es ist nur eine Frage der Zeit. Die Intensität kommt nach. Ganz sicher. Sie zieht durch alle Poren, dringt vollständig ein.
Es ist eine Freude. Es ist meine Freude.
Über den Bembel bin ich noch auf zwei Links beim Goethe-Institut zu Christoph Schlingensief aufmerksam geworden.
Er glaubte an die Kraft der Kunst
Kein Afro-Clown – das Interview enthält auch einen 15 minütigen Videobeitrag zu seinem Operndorfprojekt
So weit ist es schon gekommen mit der Insel, da schwappen die Gewohnheiten des Festlandes hinüber.

Claudia September 2nd,2010
Fundstücke,
Kunst | tags:
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isla volante |
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vergeht die Zeit. Nur ab und zu da knallt’s im Golf von Mexico – und schon wieder gibt es eine Explosion auf einer Ölplattform.
Langsam wird es apokalyptisch auf unserer kleinen Erde.