Als im Zeichen der Schnecke geborene freut es mich besonders, wenn sich Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler mit dem Thema Geschwindigkeit einer Gesellschaft beschäftigen. Was lernt mensch dabei?
Dass der Schein trügt. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich mit meiner Schneckengeschwindigkeit dann doch wie bei der Igel-und-Hase-Geschichte schneller am Ziel bin als all die lauten Hasen.
Schreibe ich etwas? Ja, doch: Ich schreibe etwas.
Ein bisschen plaudern. Den Feierabend einplaudern. Mich ablenken und versuchen zu entspannen. Die Hitze schafft mich. Kann mich gar nicht mehr an die Zeiten erinnern als Sommer einfach Sommer war. Die schönste Zeit des Jahres. Die Zeit der aufgehellten Stimmung. Aus allen Ecken und Winkeln befreien sich die Menschen von ihren Seelenschatten, es zieht sie ins Freie, an die Luft und an die Sonne.
Aber im Moment ist Sonne eher ein Anlass mich zu verstecken. Die Wohnung abdunkeln und hoffen, dass die Hitze draußen bleibt. In der Arbeit ist es ähnlich. Alles was bis zur Mittagszeit nicht erledigt ist, wird zum Ballast. Zäh und quälend langsam zieht sich die Zeit dahin und das Gehirn fühlt sich an wie eine überreiche Melone. Gute Ideen haben Nachmittags Auszeit, die mögen keine schwülen Temperaturen.
Mit den Stimmen der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD legte der Deutsche Bundestag im Jahr 2009 mit dem Zensusgesetz 2011 eine Volkszählung fest, für die bereits umfangreiche Vorbereitungen und Datensammlungen laufen. Was passiert da?
Die Volkszählung 2011 stützt sich, anders als 1987, vor allem auf die Zusammenführung der Datensammlungen der Meldeämter und der Bundesagentur für Arbeit. Diese werden mit einer eindeutigen Identifikationsnummer gespeichert und mit Daten aus dem gleichzeitig neu erstellten Wohnungsregister zusammengeführt. Dazu müssen alle Eigentümer von Gebäuden und Wohnräumen detaillierte Angaben zu Eigentumsverhältnissen, Größe und Ausstattung der Wohnungen und zu den Mietern machen. Ebenso werden etwa 10 Prozent aller Bürger nochmals ausführlich persönlich befragt. Ein Widerspruch kann nicht eingelegt werden.
Wir sind der Meinung, dass die geplante Datensammlung weit über eventuelle Notwendigkeiten einer Volkszählung hinausgeht und außerdem wichtige Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts z. B. zur informationellen Selbstbestimmung verletzt und deshalb verfassungswidrig ist.
Meine handschriftlichen Notizen überarbeite ich nach einer Weile. Gerade eben bin ich bei den ersten Notizen über die re:publica angekommen und bei Matt gelandet. Den fand ich gut.
Where the hell is Matt?
Das Projekt von Matt lässt sich einfach beschreiben: Er reist um die Welt und tanzt an allen möglichen und unmöglichen Orten für den Frieden. Mal alleine, mal mit vielen Menschen.
Vielleicht lasse ich ihn bald wieder verschwinden, meinen Flattr-Button. Irgendwie ist er mir unheimlich – und die Menschen, die ich gerne unterstütze, die machen zum großen Teil nicht mit. Außerdem gibt es genau bei diesen auch andere Möglichkeiten, Wertschätzung und Anerkennung zu zeigen.
Noch schwanke ich, aber was soll’s? Ich wollte es ausprobieren, vielleicht auch mit dabei sein, wenn es etwas Neues gibt. Das ist eigentlich nicht genug, um dabei zu bleiben.
Obwohl ich meinem Unmut über die Begleiterscheinungen der Bundespräsidentenwahl mit dem Eintrag Volk ohne Wahl äußerte, habe ich die letzten beiden Tage zahlreiche Gespräche geführt, in denen ich gegen die abfälligen Anmerkungen von Bekannten andiskutierte.
Nein, die Wahl des Bundespräsidenten ist kein Kasperle-Theater. Sie ist Teil unserer Demokratie – und ehrlich gesagt, ich bin froh, dass wir kein Kasperle-Theater in Form einer überkommenen Monarchie haben. Und ich bin froh, dass sich unsere Demokratie verändert. Allerdings wäre es schön, wenn sie sich schneller veränderte und wenn nicht immer nur wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stünden.
Nein, das ist kein Kasperle-Theater. Das ist auch kein Theater in dem der Geist des Chors spucken sollte. Wer ist das überhaupt? Der Chorgeist? Vielleicht rumort es doch ein bisschen unter dem Wahlvolk und vielleicht zeigt sich da auch etwas mehr, als eine Freizeit- und Event-Demokratie, die das Sommerloch und die Fußballpause füllen möchte.
Optimismus schreibe ich mir heute auf die Flagge. Optimismus.