Das Volk ohne Wahl

feuert begeistert die Wahl ohne Volk an.
Mit viel Hallo, TamTam und Brimbamborium. Jede twittert und spricht mit. Jeder hat zu allem was zu sagen. Zu den Kandidaten und zu denen, die sie wählen sollen. Jede spricht mit und nur ab und an kommt das Gespräch auf den Mangel an Demokratie. An Volks-Demokratie.

Oder doch an Medien-Demokratie? Die da oben machen und die da unter twittern, nörgeln, nölen und nölen – zum Schluss feuern sie die Pferdchen an, die da ins Rennen gehen. Ein paar virtuelle Luftschlangen hochgeworfen: Voila, da ham wir sie: Die Medien-Demokratie.

Für Frauen, die etwas zu sagen haben

Anne und Vera machen auf eine Plattform aufmerksam, auf der Frauen, die etwas zu Internet-bezogenen Themen zu sagen haben, sich eintragen können.
Das Verzeichnis soll es Veranstaltern erleichtern, ihren Frauenanteil auf Tagungen und Konferenzen zu erhöhen.
Im Augenblick richtet es sich noch hauptsächlich an englischsprachige Ausrichter, aber vielleicht ändert sich das, wenn sich der Bekanntheitsgrad der Plattform ändert.

Peter Wawerzinek

Das beste, weil lebendigste Portrait über den Gewinner des Bachmannpreises:

Peter, der Wanderdichter. Das war er früher. Zog durch Wohnungen, kam immer ohne Manuskript, hatte alles im Kopf und konnte zu jedem Anlass perfekt unpassende Worte finden, auf Wunsch auch gereimt, im klassischen oder modernen Stil, ganz nach Belieben.

Geschrieben von Rainer Nitsche der zusammen mit seiner Frau Gudrun Fröba den Berliner Transit Verlag (www.transit-verlag.de) leitet.

Den Sommermodus

Ich suche den Sommermodus der Sammelmappe und kann ihn gerade nicht auf Anhieb finden. Schade, ich habe nicht mehr viel Zeit. Aber vielleicht findet ihr ihn ja in meiner Abwesenheit. Dann stellt bitte den Beriesler ein. Für eine gelungene Abkühlung und nicht zuletzt, damit die Sammelmappe nicht verdörrt. Das hätte sie nicht verdient.
Die, Arme!

Ich wollte noch etwas sagen

kurz bevor der Tag zu Ende geht.
Ich wollte noch etwas sagen
ganz leise
es mir in mein Stammbuch schreiben

Ich wollte noch etwas sagen
für mich
und auch für dich
wenn du magst
wenn du es hören magst

Ich wollte noch etwas sagen
zu mir
ganz leise

ich wollte es mir flüstern
damit es mir in den Ohren klingt

unvergessen

Ich wollte noch etwas sagen

mein Leben
das ist auch
unsere Zeit

Etwas schreiben

Etwas schreiben. Etwas bloggen. Um mich zu erden. Mich zu versichern: Ja, hier bin ich. Ich bin noch hier. Bin noch keine Sklavin (hihi, ihr wisst schon wen ich meine) auch wenn ich die Heimtücke des Ewig-Abhängig-Beschäftigt-Seins nicht unterschätze.
Die Regeln, die gelten, die meisten hab ich nicht gemacht. Nicht mitgewirkt. Nicht an den geschriebenen und schon gar nicht an den ungeschriebenen. Es ist kein Ponyhof, das Leben. Das harte, wahre Leben nicht und schon gar nicht das der Parallelwelt Wirtschaftsleben. Nicht für mich. Nicht für viele andere.
Auch nicht für die, die sich manchmal doch wie im Ponyhof aufführen. Abgesichert, abgefedert, angeseilt.

Mein Leben hat längst einen dreifachen Boden und trotzdem täusche ich mich nicht. Nein, es ist auch kein Raubtierkäfig, kein Haifischbecken, kein Dschungel in dem nur der Überlebenskampf gilt.
Mein Leben, das ist alles was ich habe. Das ist mehr als alles was ich habe. Es ist die Zeit, die fließt. Die Lebenszeit.
Es ist dieser Tag. Diese Minute. Diese Sekunde.
Das bin ich.

Rätsel und Geheimnisse

Bin wieder daheim angekommen. Im anderen Zuhause;dem Arbeitsheim in der Diaspora. Es waren fantastische vier Tage! Ich bin abtaucht in die Texte und in die Gespräche. Weit weg von den Streßsituationen der Arbeit. Es war meine beste Idee des Jahres, die Lücke im Terminkalender als gebucht zu verzeichnen. Hipp hipp hurra, manchmal hab auch ich gute Ideen.

Ist es nicht klasse, das T-Shirt der Sopranisse?

(Jetzt ist es weg.)

Es hat rießig Spaß gemacht im Chat mit Engl, Monika und vielen anderen.

Leider habe ich den zweiten Tag im Chat verpasst, weil ich immer nach dem ersten Tag gesucht habe. (Ja, ja so ist das mit mir.) Aber dafür habe ich auf Twitter noch ein paar nette Bachmann-TwitterInnen getroffen.

Ob ich etwas zur Preisvergabe schreibe?
Vielleicht besser nicht. Da ist noch alles sehr wirr in mir.

Vielleicht zur Jury
Ich hätte sie mir manchmal direkter beim Thema gewünscht. Irgendwer sagte, sie seien humorlos und kleinlich gewesen und wirkten schlecht gelaunt. Das stimmte zum Teil. Aber das Wichtigste: sie waren nicht immer beim Text. Mehr Seele, Herz und Leidschaft hätte der Jury gut getan.

Dritter Tag der TddL

Über diesen Tag kann niemand sagen, er sei langweilig gewesen.

Peter Wawerzinek: Mit einem autobiographischen Text und noch dazu in Ich-Erzähler-Manier begann stolpernd zu lesen. Erst in der Mitte des Textes kam bei mir der Gedanke auf, das könnte Absicht sein. Ein Autor, der vor und nach dem Text viel zu sagen hat. Im Chat erfahre ich, er soll unter den Preisverdächtigen sein: Man munkelt da was.

Iris Schmidt: Am Bestens einfach vergessen. Ein Text, der auf Kafka macht, ohne gutes Handwerk, ohne Idee und ohne Herz.

Christian Fries: Ein Entertainer, der sich in Szene setzt, hat die Lacher im Publikum auf seiner Seite, ich habe erst nach mehr als der Hälfte gemerkt, dass da etwas lustig gemeint sein könnte. Nun ja: Ich hab kein Herz für schenkelklopfende Selbstdarsteller.

Verena Rossbacher: Noch eine Selbstdarstellerin, deren Text im Chat niemand folgen konnte. Der Text könnte eventuell besser sein als der Vortrag vermuten lässt. Aber niemand ist sich da sicher. Sulzer hatte gehofft, jemand erklärt ihm den Text und Spinnen wirkt beleidigt und meint man muss den Text genauso lesen wie er vorgelesen wurde. Also kein Text für eine wie mich, die im Zeichen der Schnecke geboren ist.

Ein Fazit? Nein, ich kann keins geben. Nur ein kleines intimes Fazit für mich. Es ist wunderbar im Juni einfach für drei Tage abzutauchen, die Texte zu hören und sich mit anderen darüber auszutauschen. Ach ja, eins noch: Die Jury hätte ich mir etwas konzentrierter vorstellen können. Klarer im Urteil, nicht so sehr sich in den Kleinigkeiten verlierend.

Zweiter Tag der TddL

Zusammenfassend lässt sich sagen: das war nicht mein Tag bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2010. Die Texte weit weg von meinem Geschmack und meinem Verständnis für gute Texte.

Thomas Ballhausen: Mit einem gekünstelten, schwach gewebten Text über – ja, was eigentlich? Die Zeitenwende? Über Übergänge, Neuanfänge, Wahrsagerinnen und Philosophen?

Aber sollte im Laufe des Tages viel schlimmer kommen.

Max Scharnigg: Ein spinnerter Text über einen Mann, der sich unter die Treppe im Wohnblock setzt. An manchen Stellen zum Schmunzeln, an anderen zum Nachdenken, die Pointe zum Schluss: schwach.

Aleks Scholz: Zwischenzeitlich schrieb ich, es sei ein gediegener, handwerklich sehr guter Text. Perfekt konstruiert. Aber die Schlusspointe so makaber – in der typischen Riesenmaschinenmanier – verdarb mir die Freude an dem gut geschriebenen.

Am Nachmittag dann die beiden Tiefpunkte für mich.

Judith Zander: Mit einem Betroffenheitstext über Missbrauch und ungewollte Schwangerschaft eines Teenagers. Das kenne ich alles zur Genüge und Texte, die sehr treffend die Langeweile beschreiben, sind nun mal vor allem eins: langweilig. (Das Blöde am öden Leben, ihr lieben Mittelstandsabkömmlinge, ist leider, dass das öde Leben zwar äußerlich langweilig erscheinen mag, aber so einen Stress erzeugt, dass es die Betroffenen ständig zwischen Hoch und Tiefs hin und her schüttelt.)

Zum Schluss der absolute Tiefpunkt des Tages
Josef Kleindienst: Mit einem Gewaltpornographie-Text – vollkommen indiskutabel, schlecht geschrieben, aber in entsprechender Haltung und Stimme vorgetragen. Effektheichend. Du A.! Kann ich da nur sagen.

Schreiben – Hören

Was für ein Glück, dass ich es in letzter Minute geschafft habe, dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen. Die Bachmanntage. Der beste Grund sich bei strahlend blauem Himmel vor die Glotze zu setzen.

Sabrina Janesch
: Die Handwerkerin unter den Lesenden. Sehr traditionell, aber absolut stilsicher den Spannungsbogen aufgebaut. Ein riskantes Thema anschneidend: die Vertreibung. Eine unheimliche Geschichte im Besten Sinn des Wortes.

Volker H. Altwasser:
Der phantastische Fischaufschneider, der Glücksucher und Kurznasenseefledermaus-Sezierer. Sich perfekt ins Männerthema einlassend und mit Schwierigkeiten bei der Beziehungsreflektion. Die Piraten warten.

Christopher Kloeble: Sorry. Über diesen gestelzten Pseudo-Betroffenen Text über einen behinderten Menschen habe ich jetzt schon zu viel geschrieben. Kopf-Schüttel über die Jury. So was nimmt die wirklich ernst?

Daniel Mezger: Der schreibende Schauspieler mit dem inneren Monolog. Ein nerviges Thema intensiv bearbeitet. Die inneren Kämpfe, wenn mensch mit einbezogen ist in den seelischen Abgrund eines suizidgefährdeten Menschen. Mein Herz schlägt für die Introvertierten. Die Jury schein eher ahnungslos.

Dorothee Elmiger: Im Hegemann-Stil, viele Schnipsel zur Wissenscollage zusammengestellt. Der unbekannte Fluss, den nie jemand fand nun doch gefunden. Die Jungen rufen Hurra. Allen voran Kathrin Passig. Das alte Herz schweigt: so kalt, so leer, so glatt.

Das war’s. Das war der erste Tag. Der zweite folgt. Ich bin dabei.