Manchmal passiert an einem Tag so viel, dass ich mich wundere, dass das alles in einen Tag passt. Damit meine ich jetzt nicht die großen Schicksalsschläge sondern die Tage, die mit voll mit Alltäglichkeiten gestopft sind. Da passt noch dies und das und noch mehr rein.
Erstauntlich, an wie viel Kleinigkeiten so ein großes Gehirn denken kann – und selten habe ich dabei das Gefühl, dass alles nacheinander geschieht. Eher dass alles mindestens fünf-, sechs- oder siebenspurig auf den Tag einprasselt.
Meine Spezialität ist dann das Ausbremsen. Psst, langsam. Alles nur in geregelten Bahnen. Der Verkehr läuft doch auch flüssiger, wenn es keine abrupten Tempowechsel gibt.
Themenwechsel:
Eben ist mir ein Satz durch den Kopf gegangen. „Bayern kackt ab.“ Ich höre sie heute noch: Ihre Stimme als sie den Satz aussprach. So viele Jahre sind in der zwischenzeit vergangen und trotzdem erinnere ich mich häufig an diesen Satz. Nun ja, nicht gerade häufig, aber ab und an.
Heute ist mir eingefallen, warum ich mich daran erinnere. Der Satz bezog sich auf das Abschneiden der bayrischen Schülerinnen und Schüler bei der PISA-Studie und es war das letzte Mal, dass wir über ein Gespräch über ein – wie soll ich es nennen? – Thema von allgemeinem Interesse mit einander sprachen. Danach drehten sich alle Gespräche nur noch um uns.
Egal in welchen Konstellationen wir zusammentrafen, Gesprächsthemen waren nur noch wir. Solange bis der Tod uns schied.
Bayern kackt ab. – Der Alltag ist manchmal ein Mysterium. Manchmal denke ich, ich sei eine Meisterin des mysterischen Alltag oder des alltäglichen Mysteriums. Aber wahrscheinlich ist das ein Gehirngespinst.
Wenn es in der Sammelmappe eine zeitlang etwas unpersönlicher, etwas linkiger wird, dann kann das mehrere Ursachen haben.
Manchmal habe ich viel zu tun und blogge nur unkonzentriert.
Manchmal ist die Sammelmappe ferngesteuert und ich bin in der großen weiten Welt unterwegs.
Manchmal sind einfach nur meine Gedanken in der großen weiten Welt unterwegs.
– und manchmal ist es die Melancholie, die mich überfallen hat: Der Weltschmerz.
Die Melancholie lässt mich nach innen verschwinden. Die Gedanken und Gefühle verinnerlichen sich immer mehr. In der Arbeit ist das kaum zu spüren. Vielleicht alleine daran, dass alles etwas mehr Kraft kostet als sonst. Aber das Funktionieren, das geht ganz von allein. Wie das Bloggen in der Sammelmappe per Autopilot.
Die Melancholie ist wie eine alte Freundin, die immer mal wieder bei mir vorbeischaut – und ich sage: Hallo! Da bist du ja wieder. Und ein bisschen freue ich mich sogar über das Wiedersehen mit ihr. Weil sie mich an vergangene Zeiten erinnert und an die Zukunft. An mich.
Ja, das ist es vor allem: Sie erinnert mich an mich.
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.
Ist halt doch ein Musik-Kundiger, der Bembel. Da er ja neuerdings so viel Wert legt zur Gruppe der Ü30 zugehören, könnten wir ihn schon bald die graue Eminenz in Sachen zeitgenössige Musik nennen.
Hotel Modern macht eine Miniaturaufführung über den Krieg, die als Film projiziert wird.
Hat das jetzt jemand verstanden? Wahrscheinlich nicht. Eine Live-Animations-Performance über den Krieg. Sagt auch nicht viel mehr. Vielleicht hilft anschauen.
Hotel Modern wurde gestern auf 3sat im Schweitzer Filmmagazin Box Office präsentiert.
Ich fand es sehenswert.
Was stellen Sie sich vor, wenn Sie Wörter wie ‚Schauspieler’, ‚Dichter’, Fußgänger’, ‚Leser’, ‚Schweizer’ hören oder lesen? Diese Wörter, so versichert uns die patriarchale Grammatik, sind geschlechtsneutral. Stellen Sie sich also einen geschlechtsneutralen Schweizer vor? Versuchen Sie es doch einmal. Sie sehen, es geht nicht – allerdings versichern mir manche Frauen, bei Schweizern ginge es vielleicht noch am ehesten.
Da hecheln sie wieder, wie selbsterkorenen Retter des Vaterlands, die vor Untergang warnen, wenn die Frauen zu sehr erwähnt werden. Gebetsmühlenartig werden die immer gleichen Kommentare heruntergerattert.
Sind wahrscheinlich auch alle postgender, die Weltenretter und Wertebewahrer – und nicht zu vergessen, die laut aufheulenden Frauen, die rufen: Ich wurde noch nie durch Sprache diskriminiert. Nein, noch nie. Alles klar.