Alle paar Monate kocht wieder einer das alte Thema hoch: Die deutsche Blogosphäre verlinkt nicht genug. Nicht genug und nicht gerecht. So, so. Und neu ist die Erkenntnis auch. Jedesmal. Ja, ja.
Bla, bla, bla. Hört ihr sie? Die Alpha-Blogger-Oberlehrer-Stimme.
Menschen üben gerne Macht über andere Menschen aus. Sie kontrollieren gerne andere Menschen. Umgekehrt ist es so, dass Macht- oder Kontrollverlust für die meisten Menschen ein bedeutender Einschnitt in ihre Lebensqualität bedeutet. Sich ohnmächtig und hilflos fühlen löst Streß aus. Streß der auf die Seele schlägt und auch den Körper blockieren kann.
Im Arbeitsleben fühlen sich viele Menschen ohnmächtig. Einerseits wird in vielen Jobs eigenständiges und kreatives Arbeiten verlangt, andererseits soll sich immer alles in vorgegeben Bahnen bewegen.
Nur keine Querdenkerinnen oder Querdenker! Die stellen doch den ganzen Betrieb auf den Kopf.
Viele Beschäftigte empfinden die Arbeit des Personalrates als einen Kampf gegen Windmühlen. Die beschnittenen Arbeitnehmerrechte, der Rückgang der tarifbeschäftigten Arbeitsverhältnisse, die Verunsicherung durch den Arbeitsmarkt, politische Verhältnisse, die sich nur noch nach Marktpositionen richten und das Wort Gemeinwesen nicht mehr kennen. All diese Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass viele Beschäftigte resignieren.
Die da oben, die machen ja doch was sie wollen, heißt es dann.
Ja, das stimmt. Sie machen, was sie wollen. Aber wir können es ihnen ein wenig schwerer machen. Ein wenig komplizierter. Ein wenig umständlicher. Wir können darauf achten, dass sie die Gesetze einhalten – wenigstens ab und an.
Das ist für mich Grund genug, mich der Ohnmacht entgegen zu stellen.
habe ich gedacht, dass Christa Wolf gestorben sei. Aber sie hat ihr Buch vorgestellt. Fragmente. Ich nehme nur noch Fragmente aus den Nachrichten wahr. Warum sollte ich sie auch ernst nehmen? Sie nehmen mich ja auch nicht ernst. Nicht mich und nicht die anderen Wahrnehmenden. Sie interessieren sich nur für die Konsumenten. Ist ihr gutes Recht.
Auch wenn ich nur noch fragmentarische Blitzlichter wahrnehme: Nachrichten nehme ich doch ernst. Im Notfall hieß es: Radio oder Fernsehen anschalten und die Weisungen und Informationen befolgen, falls sie nicht durch Lautsprecher in den Straßen ertönen. Das hat nie jemand ernst genommen. Heute würde es vielleicht heißen, dass die Information über Twitter käme. Auch eine Möglichkeit.
Aber damals, damals haben wir genau die Zeit gekannt, die die Mittelstreckenraketen brauchen um uns zu erreichen. Da bedurfte es keiner Weisungen mehr.
Wenn die Sonne erlöscht, dann bleiben noch 7 Minuten.
Das war so lange beruhigend zu wissen, bis ich die Sonnenfinsternis 1999 erlebte.
(Vorsicht experimentelles Schreiben)
Nicht sehr scharf, aber in natura imponierend. 
Hab sie natürlich nicht alle drauf bekommen. Wollte ja nicht protzen.
Wer die Bilder lieber scharf mag, setzt am besten zur Insel über.
Ablästern ist Volkssport geworden. Im Büro, im Web 2.0, in den Medien. Überall dort, wo Menschen sind wird abgelästert. Der Spaß am Klatsch und Trasch scheint im menschlichen Gen-Code festgeschrieben zu sein. Manchmal verkleidet sich das Ablästern mit dem Mäntelchen der Kritik. Da wird unter der Gürtellinie abgelästert und die offizielle Verlautbarung spricht von ehrlicher Kritik bzw. kritischer Meinungskundgebung.
Da mischt sich ganz schön was zusammen. Ich bin nicht gefeit von dieser Versuchung. Wie heißt es so schön: Pflege deine Feinde. Feinde im klassischen Sinn, habe ich nicht. Aber ich habe so manche Abläster-Quelle. Arrogante Schnösel. Hach, was kann ich über die ablästern.
Geizhälze! Ganz, ganz schlimm. Oder oberflächliche Menschen. Stundenlang könnte ich darüber ablästern.
So kann man doch nicht sein! Unmöglich.
In den letzten Jahren bin ich etwas kleinlauter geworden. Seit ich das Prinzip der Projektionen verstanden habe. Seitdem kommt ab und an der Gedanke in mir hoch: Warum lästere ich jetzt ausgerechnet über diese Frau ab? Oder warum bringt mich dieser Mann auf die Palme?
Dieser Spiegel gefällt mir dann nicht immer. Dann werde ich wieder leise.
Worte, die ich nicht finde, finden mich
Claudia Juni 15th,2010
Schreiben | tags:
Schreiben,
Worte |
2 Comments
Gerne gebe ich es nicht zu: aber ich war heute sehr überrascht, dass auf meinem Fernseher Fußball lief.
Nur für einen Augenblick, ich gebe es zu. Nur für einen Augenblick. Aber auf meinem Fernseher! Da lief Fußball!
Nicht dass ich nicht wüsste, dass Fußball-WM ist. Nein, selbstverständlich weiß ich das. Ihr twittert ja auch was das Zeug hält: in allen Farben, Streifen, Sternen.
Diese WM lehrt mich das Zen of Twitter. Ihr seid ein Inferno! #machtweiterdamit twittert mykke_
Hab ich selbstverständlich gleich gefavt.
Also klar ist, ich weiß: dass die WM stattfindet – trotzdem bin ich irritiert, über den Fussball auf meinem Fernseher.
Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen?
Wenn ich den Fussball nur lange genug ignoriere, dann findet er nicht auf meinem Fernseher statt?
Es reicht, wenn die Deutschen einmal gewinnen? (In der Vergangenheit war es öfter mal ein Glück für die Menschheit, wenn sie nicht gewonnen haben?)
Wer träumt, schwebt in den Wolken, aber der Fernseher steht trotzdem auf dem Boden der Tatsachen?
Vielleicht sollte ich einen Roman schreiben, über die Macht und die Ohnmacht der Gedanken? Besonders die der ignorierenden?
Wie auch immer. Am besten hat mir heute Morgen der kleine Junge – mit Migrationshintergrund (so sagt mensch wohl heutzutage) – gefallen. Ganz in eine deutsche Fahne gewickelt flüsterte er leise: Ole, ole, ole – we are the – ole, ole, ole
Aha, dachte ich mir: Ein Leisetreter. Ist bestimmt mit mir verwandt. So mit den Genen und so.
(Vorsicht – ist experimentelles Schreiben.)
Eine Quote mit Reißverschlussprinzip kannte ich noch nicht. Dabei wird bei der Benennung von Personen solange zwischen Mann und Frau abgewechselt bis die vereinbarte Quote erreicht ist.
Gute Idee! Gelernt bei dieStandard
Claudia Juni 14th,2010
Fundstücke | tags:
Frauen,
Gender,
Quote |
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Vor ein paar Tagen habe ich darüber nachgedacht, ob es manchmal nicht sinnvoll wäre auch über das Thema Personalrat zu bloggen. Obwohl ein großer Teil der Personalratsarbeit vertraulich ist, gibt es doch auch einen Anteil, den ich öffentlich machen könnte. Nicht zuletzt, die wenigen Informationsquellen, die es im Netz dazu gibt.
Personalräte und Gewerkschaften sind nicht unbedingt die Vorreiter im Netz. Aber es gibt einige Themen, die Personalratsmitglieder interessieren.
Nun ja, ich habe hin und her gedacht und ein Personalrat-Blog auf gemacht. Ob das voreilig war? Ob ich genug Inhalte zusammen bekomme?
Die Zeit wird es mir zeigen. Es ist ein Versuch.
Wenn ihr Ideen und Anmerkungen habt: sie sind herzlich Willkommen!
Wie eine Drohung wirkt YES WE CAN auf Lanu.
Der Gesetzentwurf ist hochbrisant. Zum dritten Mal liegt dem US-Senat ein Antrag vor, der Präsident Obama im Krisenfall faktisch zum Kommandeur über Amerikas Kommunikations-Infrastruktur machen würde – diesmal mit Aussicht auf Erfolg. Bürgerrechtler sind empört.
Damit hätte Obama den Notfall-Ausschalter fürs Internet.