Mittagstraum

Nicht dass ich heute Mittag geträumt hätte, aber wenn ich geträumt hätte, dann wäre es vielleicht dieser Traum gewesen.

Mittagstraum:
Mir fällt die Handtasche in einen See. Mit Haustürschlüssel, Geld, allen Karten, Ausweis, alles ist weg, in der Tiefe verschwunden. Ich bin nicht panisch, nicht nervös. Bin sicher, dass nur ein Abbild der Tasche in den See gefallen ist. Irgendwo muss das Original sein. Aber weil es vielleicht doch nicht das Abbild ist, gehe ich in ein Haus am See und frage dort, was zu tun ist. Eine Frau öffnet mir die Tür, gibt mir Anweisungen, die ich nicht verstehe. Vielleicht gibt es in diesem Haus jemand, der die Tasche aus dem See holen kann.
Ungefähr an dieser Stelle wache ich auf.

Wenn heute Dienstag wäre

Wenn heute Dienstag wäre, dann könnte ich Kommissarin Lund ankucken. Aber so muss ich mich noch eine Weile gedulden. Mehr als 24 Stunden – und das Schlimmste: am 20. Juli ist wieder alles vorbei.

Die Welt ist ungerecht. Habe ich das schon erwähnt?
Die Krönung der Ungerechtigkeit: Kulturzeit macht fünf Wochen Sommerpause. Wie soll ich da entspannen?

Roman Polanski ist frei

und ich freue mich drüber. Bin mir nicht sicher, ob das politisch korrekt ist. Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen ist etwas Schreckliches. Eine gesellschaftliche Katastrophe ist das Wegsehen und das Leiden der Opfer – und letztendlich auch der Angehörigen, denn die müssen auch mit den Auswirkungen des Traumas der Betroffenen leben.

Mißbrauch muss geahndet und aufgedeckt werden. Das ohne Frage – und trotzdem wäre es mir unbarmherzig erschienen, wenn die Schweiz Roman Polanski ausgeliefert hätte. Schuld abtragen hat auch etwas mit Schuld anerkennen und Verantwortung übernehmen zu tun. Den Aspekt der Rache kann ich im Gesetzeskontext nicht akzeptieren, obwohl er im Strafrecht durchaus verankert ist.
Ich bin jedenfalls erleichtert, dass es in seinem Fall so ausgegangen ist. Aber woher die Erleichterung kommt, das vermag ich nicht zu sagen.

Sommer

Pläne machen. Den Tag einteilen. Die Kräfte schonen. Auch einteilen. Schongang einlegen. Schutzjalousie herunter lassen. Hitze. Wärme. Unruhiges Schlafen. Verängstigtes Träumen.
Neugieriges Staunen. Die Sonne.
Sommer.

Abbruch durch das Leben.
Einbruch in das Leben. Rückzug. Sommeraversion wird auf keinen Fall zugegeben. Einzug in die Höhle in Planung. Freud – die aktuelle Lektüre – würde vielleicht schreiben: Der Wunsch nach dem Zustand vor der Geburt. Vielleicht.
Allergietabletten und Hitze versetzten das Leben in einen Trancezustand ganz ohne Trance. So nicht!
Nein, so nicht. Nichts wird aus der Hand gegeben. Etwas kleinlaut der Nachsatz: gilt für all das, das das Schicksal nicht schon in seiner Hand wiegt.
Trotzig: Aber der Rest gehört mir. Für immer oder nur für jetzt. Jetzt: der Moment zwischen dem Vergangenen und dem kommendem.
Das Jetzt – das ewig-gleichtönige Jetzt.
Heute. Hier. Standortbestimmung, Zeitbestimmung. Ganz ohne Uhrenvergleich.

39 Grad. Der Körper kühlt. Das Wunder der Natur.

Dieses Kratzen auf der Seele

So viel Lob. Warum dann die Leere? Dieses Kratzen auf der Seele.

Nur pochen

Gedanken pochen
hinter der Stirn
Lass uns raus,
schreien sie
und wissen doch
dass es kein
Ausweg gibt

Nur pochen

The Killing – Kommissarin Lund

Dienstag für Dienstag halte ich durch und riskiere am Mittwoch übernächtigte Augen: Die Wiederholung der Folgen von Kommissarin Lund fasziniert mich. Obwohl ich jede Szene schon kenne, saugt mich die Serie auf. Diese Atmosphäre, diese Darsteller – auch im zweiten Anlauf ist die Serie mitreißend.
Ja, ja. Mir fehlen die Worte. Das ist schade. Aber vielleicht sagen die Worte auch gar nicht so viel aus. Nicht so viel wie der Film.
Alles spitzt sich zu. Anders – und dennoch so ähnlich – wie im Leben.
Und wie im Leben ist es ungerecht, dass nur wegen der Spannung die Figuren geopfert werden. Verdammt noch mal: Es dürfen doch nur die naiven Guten sterben. Aber doch nicht die anderen. Verdammt, wo es doch so viele Böse gibt.
Aber stimmt ja: die kriegen ihr Fett auch weg. Vielleicht sogar etwas mehr als im wahren Leben.

Ach ja: Es wäre schön gewesen, wenn es wirklich eine 2. Staffel gegeben hätte.

Gender Pay Gap

Das Thema das sich seit ein paar Wochen durch die Medien zieht. Auf Deutsch: Die Tatsache, dass Frauen statistisch gesehen ca. ein viertel weniger verdienen als Männer.
Eine Tatsache, die einerseits befremdet und andererseits so einleuchtend ist. Die Welt ist wie sie ist nach wie vor eine Männerwelt.

Das Maß der Dinge ist der Mann und das Maß der Welt ist das Geld.
Antje Schrupp betrachtet das Thema aus verschiedenen Sichten.
Bei der Mädchenmannschaft wird die „Selbst-Schuld-Theorie“ diskutiert.

Lebensgeschwindigkeit

Als im Zeichen der Schnecke geborene freut es mich besonders, wenn sich Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler mit dem Thema Geschwindigkeit einer Gesellschaft beschäftigen. Was lernt mensch dabei?
Dass der Schein trügt. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich mit meiner Schneckengeschwindigkeit dann doch wie bei der Igel-und-Hase-Geschichte schneller am Ziel bin als all die lauten Hasen.

Meine Empfehlung: Die Mär von den langsamen Schweizern

Montagsgedanken

Schreibe ich etwas? Ja, doch: Ich schreibe etwas.
Ein bisschen plaudern. Den Feierabend einplaudern. Mich ablenken und versuchen zu entspannen. Die Hitze schafft mich. Kann mich gar nicht mehr an die Zeiten erinnern als Sommer einfach Sommer war. Die schönste Zeit des Jahres. Die Zeit der aufgehellten Stimmung. Aus allen Ecken und Winkeln befreien sich die Menschen von ihren Seelenschatten, es zieht sie ins Freie, an die Luft und an die Sonne.

Aber im Moment ist Sonne eher ein Anlass mich zu verstecken. Die Wohnung abdunkeln und hoffen, dass die Hitze draußen bleibt. In der Arbeit ist es ähnlich. Alles was bis zur Mittagszeit nicht erledigt ist, wird zum Ballast. Zäh und quälend langsam zieht sich die Zeit dahin und das Gehirn fühlt sich an wie eine überreiche Melone. Gute Ideen haben Nachmittags Auszeit, die mögen keine schwülen Temperaturen.