Leena Simon hielt gestern ihren Einführungsvortrag beim Vernetzungstreffen „Frauen im Netz“. Netzpolitik als emanzipatorisches Thema – ein schwergewichtiger Themenkomplex.
Über die Fragen „Was ist Netzpolitik?“ „Warum ist Netzpolitik wichtig?“ lande ich für mich bei der Frage: „Warum brauchen wir die Frauen bei der Netzpolitik?“
Ja, warum eigentlich? Warum brauchen wir die Frauen?
Wir brauchen die Frauen, weil ihre Abwesenheit eine Lücke lässt die Männer nicht füllen können. Das ist die gleiche Antwort, wie immer im Leben. Wir brauchen die Frauen dort, damit sie an machtpolitischen Prozessen teilhaben können. Auch das ist eine Antwort, die immer gilt im Leben.
Nachdenken über emanzipatorische Themen führt bei mir immer wieder zu den gleichen Ergebnissen. Nicht nur, wenn es um Frauen geht.
Das gilt genauso für behinderte Menschen, für alte Menschen, für arme Menschen. Wir – als Gesellschaft – sind nur dann gut, wenn wir komplett sind. Nur wenn alle mit dabei sind, lassen wir keine Lücken, die mit heißer Luft oder noch schlimmer mit Sprengstoff oder giftigen Gasen gefüllt werden.
Teilhabe ist der erste Schritt zur kreativen Mitgestaltung.
Der Gedanke schien mir zunächst so verführerisch und ganz in meinem Sinn. Mit flattr kann ich teilen, dachte ich. Mit flattr kann ich Anerkennung zeigen. Ach, wäre das schön, wenn die, die sich Tag um Tag um Kunst und Kultur bemühen, endlich etwas ab vom Kuchen bekämen. Ich war begeistert, obwohl ich durch aus die Bedenken in den Kommentaren nachvollziehen konnte.
Jetzt nachdem ich das System ausprobiere merke ich, dass es weit davon entfernt ist, was ich mir wünschte. Es beteiligt zu viele. 10% für Paypal, 10% für flattr selbst. Ich kann nicht einteilen, wem ich mehr oder weniger geben möchte. Ich kann nicht zuteilen, ich kann nur flattrn.
Bei Keimform gibt es einen kritischen Artikel dazu. Dort gibt Menschen, die das gut in Worte fassen können
Mir gefällt die Idee immer noch, aber die, die ich mit Aufmerksamkeit versehen möchte, die flattrn nicht.
Und bin ich ehrlich, dann weiß ich, genau diese Menschen, denen kann ich auf andere Art und Weise Anerkennung und Wertschätzung zeigen.
Hier ist ein Bilderbuchtag mit Bilderbuchwetter. Auf Twitter sind die Regen- und Arbeitstweets zu finden. Ich bin priviligiert heute. Warum auch nicht? Einmal bin ich auch dran beim Glückslos der Wetterlotterie. Ich hoffe, ihr Regengeplagten seht das ein. Mehr Emphatie, bitte.
Die soll auf dem Rückzug sein. Jedenfalls las ich das heute morgen irgendwo. Vielleicht sollten wir eine Petition einreichen: Mehr Emphatie, bitte.
Mehr Emphatie für die Nachbarn. Mehr Emphatie für Verkäuferinnen und Verkäufer. Mehr Emphatie für Servicepersonal. Mehr Emphatie für Arme. Mehr Emphatie für raufende Kinder. Mehr Emphatie für kreischende Teenies. Mehr Emphatie für Raucherinnen und Raucher.
Ich könnte jetzt endlos weiterschreiben. Die Kette fortsetzen. Warum tue ich das nicht?
Das ist die Frage: Warum tue ich das nicht? Und dann wieder die Frage: Warum tue ich genau das was ich tue?
Meistens habe ich dafür eine Antwort parat. Aber ob das auch die Antwort auf eine dieser Fragen ist?
Die „Grande Maman“ der Gegenwartskunst verstarb vergangenen Montag in ihrem Haus in New York
Erst zu Ende der 1980er-Jahre erlangte ihr zutiefst eigenwilliges Werk Weltruhm.
zum Nachruf beim Standard
Louise Bourgeois in der Wikipedia
Louise Bougeois auf YouTube
Claudia Juni 1st,2010
Leben | tags:
Künstlerin,
Kunst,
Tod,
Trauer |
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Das Wort Respekt war mir immer ein bisschen zu hart, ein wenig zu viel, zu groß. Wahrscheinlich liegt es an meiner Generation. Wir sind mit der ständigen Forderung nach Respekt aufgewachsen. Manchmal war es fast Nötigung. Vor allem und jedem sollten wir Respekt haben, nur vor uns brauchte niemand Respekt haben. Diese Einseitigkeit der Einforderung von Respekt schuf bei mir die Distanz zu diesem Wort.
Mir liegt das Wort Würde näher. Die anderen Menschen mit Würde behandeln, das ist mir wichtig. Sie ernst zu nehmen, sie zu achten. Auch die, die ich nicht mag. Die, die mir zu laut sind. Zu quirlig oder zu dickköpfig.
Es gibt Situationen für die hebe selbst ich mir das Wort Respekt auf. Da hole ich es heraus aus der alten Glasvitrine auf dem Silberteller mit der Samtunterlage und dann zolle ich Respekt: Der gilt den unzähligen Menschen, die an das Gute im Menschen glauben. Denen, die unermütlich die Welt verschönern mit ihrer freundlichen Seele und ihrem sanften Gemüt. Er gilt denen, die am Kummer nicht versticken und denen, die es schaffen sich aufzulehnen, gegen die, die scheinbar so groß und stark sind.
Ich wünsche mir eine Bundespräsidentin oder ein Bundespräsident mit Respekt vor dem Volk.
Wir sollten sofort eine Petition starten und Demo organisieren und die Welt anhalten und einen Paukenschlag donnern.
Sind wir nicht das Volk? Da war doch was.
Anders ist es nicht zu erklären, dass ein Bundespräsident nach einer berechtigten Kritik an einer seiner Äußerungen anfängt zu heulen und zurücktritt – und nur auf diesem Ponyhof kann es möglich sein, dass Kritik an einer Aussage, die komplett gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte verstoßen, als Respektlosigkeit gegen das Amt gesehen wird.
In der Welt in der ich lebe, werden Mißverständnisse verbal geklärt. In der Ponyhof-Welt in der Herr Köhler lebt, scheinen Bundespräsidenten nicht mal über die professionellen Qualtitäten verfügen zu müssen, die in unserem Amt auch von den Menschen mit der niedrigsten Entgeltgruppe verlangt werden.
Heul doch, Herr Köhler! Ich heule auch manchmal um unsere Gesellschaft, aber ich trete nicht zurück.
Ehrliche Kritik tut manchmal weh. Als konfliktscheue Person weiche ich oft aus, wenn ich ein Feedback geben sollte, ich aber weiß, dass es fast nur Schwächen anzusprechen gibt.
Auf Facebook hat sich Sebastian Baumer zum gestrigen ESC geäußert:
Erkenntnis des Abends: In Sachen Musik, bildender Kunst und Literatur ist die digitale Avantgarde geschmacklich mindestens auf Augenhöhe mit Bravo Girl.
Er bringt es sehr sachlich und knapp auf den Punkt – und klar wird in den Kommentaren sofort gelästert, dass sein Geschmack wohl Maß aller Dinge ist.
Es heißt immer, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Andererseits wird über nur noch über Geld oder Politik mehr gestritten als über Geschmack. Aber bei der Aussage geht es meiner Ansicht nach nicht um Geschmack. Es geht um ein Verständnis für Kunst in all seinen Erscheinungsformen – und da stimmt die Aussage einfach.
Claudia Mai 30th,2010
Gedanken,
Kunst | tags:
ESC,
Kritik,
Kunst,
Musik |
7 Comments
es lebt sich still am Strand
umraunt von Plauderstimmen
ein plätscherndes Meer
und flatternde Bücher
die Rätsel geben Geheimnisse nicht preis
vor getönten Gläsern
wachsen Wolken in den Himmel
es lebt sich still am Strand
(Urlaubserinnerungen aus dem letzten Jahr, Wehmut? – eher nein)
Bin wortlos und schweigsam die letzten Tage in der Sammelmappe. Vielleicht auch ein wenig zurückgezogen, obwohl es viel zu berichten gäbe. Ein bisschen Kunst und Kultur, ein bisschen Leben, ein wenig Gefühl – und von allem auch ein bisschen mehr.
Trotzdem fällt es mir im Moment nicht leicht, etwas in Worte zu fassen. Hier nicht und bei Twitter auch nicht. Ich lese die Timeline, ich sehe nach, wer was macht und von sich gibt – und denke nach.
Über mich und das Leben. Über mein Leben, meine Zukunft.
Immer noch kommen die Immobilienmitteilungen aus meinem geplatzen Traum bei mir im Mail-Postfach an. Sie erinnern mich daran, wie alles hätte werden können. Dabei heißt es doch immer: Man soll nach vorne sehen, vergangenes abharken, vergessen.
Und irgendwie ist es ja auch abgeharkt, aber ich kann mich von dem Schmerz nicht trennen. Der Sehnsucht nach einem anderen Leben, das so greifbar war. Es lebt sich süß mit diesem Schmerz.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht mehr gekämpft habe.