Die Philosophie des Maulwurfs

Ich arbeite an meinen Fähigkeiten. Arbeite weiter, buddle mich durch, grabe mich wie ein Maulwurf immer weiter. Ab und an werfe ich die Erde hoch. Sehe mich um auf dem Gipfel meines Maulwurfhügels und wenn die Sonne scheint lege ich mich mit dem Bauch in die Sonne.

Warum nicht hier und heute?

Manchmal sprechen wir drüber, manchmal denken wir dran. Das Leben ist endlich und irgendwann ist es vorbei. Der Tod ist einer der intimsten Augenblicke im Leben. Oder besser gesagt: Der Übergang vom Leben zum Tod ist dieser intimste Moment. Und dann?
Was ist dann? Darüber können wir spekulieren, daran können wir glauben. Was danach kommt, das wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Hinterbliebenen trauern. Nicht alle und nicht alle gleich intensiv aber die, die uns lieben, werden trauern. Sie brauchen Raum und Zeit dafür. Sie brauchen einen Halt für ihre Gefühle, ein Ziel für ihre Gedanken, sie brauchen ein Licht, das in die Zukunft weist und Hoffnung für die eigenen Zukunft. Die Gewissheit, dass das Band nicht reißt.

Wenn ich mir meine Trauerfeier vorstelle, dann wünsche ich mir viel Ruhe und liebe Gesten. Wer mag, kann musizieren und wenn mir jemand ein paar Seifenblasen in den Himmel schicken würde, dann hätte ich meine Freude daran. Ich würde euch noch ein paar Gedichte mit auf den Weg geben und ihr dürft alle weinen und lachen um mich.
Aber eins, das müsst ihr mir versprechen: Seid nett zu einander.

Ich weiß, das ist nicht immer leicht.

Welche Rolle spielen Personen mit Behinderung in moderner Kunst?

Das ist eine Frage, die mich zum Nachdenken anregt. Welche Rolle spielen Behinderungen in der Kunst überhaupt?
Es gab eine ganze Menge Künstlerinnen und Künstler, die mit Behinderungen oder Einschränkungen lebten. Bei den Malern fallen mir spontan Frida Kahlo oder Henry de Toulouse-Lautrec ein. Bei den Schriftstellern der blinde Jorge Luis Borges. Zählt man noch die psychischen und mentalen Behinderungen dazu, dann stehen Virginia Woolf und Vincent van Gogh Beispiele für die krönenden Sterne am Künstlerinnenfirmament.
Kunst und Behinderung sind sich nicht fremd. Sie stehen nahe beieinander. Näher als wir es vielleicht vermuten, wenn wir auf unsere Gesellschaft blicken. Dort gibt es ein schwarzes Loch, das Behinderung heißt. Ein Filter der gesetzt wird und Menschen ausblendet.

Welche Rolle spielen Personen mit Behinderung in moderner Kunst?

Gut und böse

Durch zwei Bücher über die Krimiautorin Patricia Highsmith habe ich mich in den letzten Tagen gequält. Das erste war ihre Biografie und das zweite waren die Erinnerungen einer ihrer Lebensgefährtin in jungen Jahren. Meine Güte war das anstrengend! Sie war wohl ein Mensch mit Schwierigkeitsstufe 9,9 auf der nach oben offenen Charakterskala der zu meidenden Menschen mit Bosheitsattacken.
An einer Stelle in der Biografie sagt eine Freundin über sie, dass sie vielleicht an dem Asperger-Syndrom gelitten haben könnte. Möglich wäre das. Jedenfalls war sie die längste Zeit ihres Lebens eine Alkoholikerin, die stark trank und es doch irgendwie immer schaffte weiterzuarbeiten.

Kein Leben mit dem man gerne tauschen würde und kein Mensch, den man sich in seiner Nähe wünscht. Aber vielleicht liest es sich auch nur so. Im wirklichen Leben sind dann ja doch eher die Menschen interessant, die Kanten und Harken haben.

Schreiben

Da war doch was? Kluge Menschen und solche, die es sein wollen mit Ratschlägen.
Liebe Leute, das habt ihr falsch angefangen – ein Interwiev mit Wolf Schneider
Andreas Eschbachs stilisitische Überarbeitungstipps. Seine vielen Fragen und Antworten rund um das Thema Schreiben sind mit der alten Homepage in der Versenkung verschwunden. Schade.

Aufgewacht

aus einem Sommertraum mit Gewitterregen.
Musikalisch mit Europa von Santana weitergeträumt. Earth’s Cry, Heaven’s Smile ist der Untertitel. Wie passend.

Wünsche

Kinder dürfen Wünsche haben. Große und kleine.
Bei Erwachsenen ist das komplizierter.
Trotzdem habe ich fast ständig große Wünsche.
Große, unvernünftige Wünsche.
Den Wunsch nach Frieden, nach dem Guten im Menschen, den Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft. Den Wunsch nach Glück in der Liebe. Nach Sonnenschein und Tagen am Meer.

Nichts auf der Welt kann mir diese Wünsche nehmen. Nicht der Gedanke, dass es irrational sei, in einer kriegerischen Welt vom Frieden zu träumen und nicht die Überlegung, dass die Menschen sich gegenseitig immer etwas wegnehmen wollen. Der Reiche fühlt sich erst richtig reich, wenn er sich mit ein paar Armen umgibt. Da macht das Reichsein erst so richtig Spaß.

Und trotzdem gibt es den Wunsch nach Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit.
Nicht nur bei mir.

Bücher, die glücklich machen

… und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben.
Schreibt Franz Kafka in einem seiner Briefe.
Könnten wir das? Könnten wir die Bücher schreiben, die uns glücklich machen? Darauf weiß ich keine Antwort. Aber schreiben kann glücklich machen, genauso wie es unglücklich machen kann. Schreiben ist darin ähnlich, wie das Leben selbst. So viel ist möglich.
Schön ist jedenfalls, wenn man die Möglichkeit zu scheiben hat.

Aber manchmal muss man sich die Zeit dafür auch stehlen. Das hat Kafka oft getan und oft hat er gehadert, weil er Zeit vergeudet hat.
Ich hadere auch, wenn ich meine Zeit verfarmville oder verfischville. Schreiben. Das ist der Lichtstrahl im fremdbestimmten Konsumerinnenleben.

Inszenierung

Extra bereitgestellte Mitarbeiter in blauen T-Shirts klatschen ohne Unterlass und heizten mit Jubelschreien die Stimmung an.

Das hat was. Was zum Kopfschütteln, zum Nachdenken und zum Abgrenzen. Wie gut, dass ich nicht so bin, sondern nur die Anderen. Es erinnert an die früheren halbjährlichen Szenen in den Nachrichten vom Auskauf. Da waren es auch immer nur die anderen, die sich zum Narren machten. Alle anderen kaufen doch nur das, was sie auch wirklich brauchen.
Ich brauche auch etwas. Ein „r“. Das fehlt mir ständig und ständig muss ich es wieder rein flicken. Langsam entfremdet sich mein Laptop von mir. Obwohl: Den Bruch im Gehäuse verkraftet er schon seit einigen Monaten. Er gibt sich Mühe – nur weiß ich seine Mühe und seine Schufterei meist nicht zu schätzen. Immer häufiger beschimpfe ich ihn mit Gesten und treibe ihn zu mehr Leistung an, obwohl ich doch längst gemerkt habe, dass meine Anforderungen in täglich mehr überfordern.
Vielleicht sollte ich mir ein blaues Hemd anziehen und häufiger klatschen?
Ach so, das nützt bei dieser Marke nichts. Welche Farbe muss da das Hemd haben?

Tagebuch schreiben

Claudia Klinger erläutert, warum sie kein privates Tagebuch schreibt – inspiriert durch den Blog-Eintrag bei Thinkabout.
Ich denke oft über das Tagebuch schreiben nach – vorallem unter dem Aspekt, was für ein Privileg es ist, eins schreiben zu können; es aufbewahren zu können. So selbstverständlich ist das nicht. Für mich sind Tagebücher die liebste Literatur, gleich nach Briefen und Biogafien kommen sie seit ein paar Jahren noch vor den Romanen und Geschichten. Wo sich Gedichte in der Reihe einordnen lassen, kann ich nicht sagen.
Manchmal wünschte ich mir, ich könnte mein Blog ein bisschen mehr tagebuch-artig schreiben. Aber da schaltet sich sofort wieder der Zensurgedanke ein: Das geht doch gar nicht!
Warum nicht? Sofort fallen mir zehn oder zwanzig Gründe ein, warum das nicht geht. Aber ich weiß, dass die meisten Gründe davon nur vorgeschoben sind. Klar ginge das. Aber es käme ein anderes Schreiben heraus. Auch ein anderes Schreiben, als in meinen Kladden, die ich endlich seit ein paar wenigen Jahren Zug um Zug vollschreibe.

Das Privileg des freien Lebens. Die Freiheit etwas sagen zu können und nicht ständig Angst zu haben, ich könnte jemand auf die Füsse treten. Unbeabsichtigt. Gestern abend habe ich mich plötzlich gefragt, was mit meinen Tagebüchern geschehen wird, wenn ich gestorben bin.
Eine Antwort darauf ist mir nicht eingefallen.

Nachtrag:

Ein Mensch, der kein Tagebuch hat, ist einem Tagebuch gegenüber in der falschen Position.
Gerade habe ich dieses Kafka Zitat aus seinem Tagebuch gefunden, das beschreibt die Diskussion ums Tagebuch ganz gut.