Gesichten erzählen

Die Lesungen zum Bachmann-Preis lassen bei mir wieder die Lust aufkommen, mich an meine eigenen Geschichten zu setzen. Die Alltagsaufregungen der letzten Wochen hatten mich total aus dem Konzept gebracht, aber nun habe ich meinen festen Standpunkt gefunden, ich bin gestärkt hervorgegangen aus einem Konflikt, obwohl – oder vielleicht gerade – weil ich den Rückzug antrat.

In meiner Schublade liegt noch der begonnene Roman der Kinder aus dem Jahr 1968, ein großes Fragment unter dem Arbeitstitel Sommergeschichte, darin geht es um ein 13-jähriges Mädchen, das von zu Hause ausreißt, weil es die Affaire des Vaters mit einer unbekannten Frau nicht aushält und die dritte begonnene Geschichte handelt von einer Frau, die sich urplötzlich an einem ihr unbekannten Ort wiederfindet, der nicht zu unserer Welt zu gehören scheint, konfrontiert mit unbekannten Menschen, die eine fremde Sprache sprechen und deren Verhaltensweisen für diese Frau nicht erklär- oder verstehbar ist.

Drei Geschichten an denen ich weiter arbeiten könnte, nachdem sich die Aufregung der letzten Wochen gelegt hat.

Aber es gibt auch immer die Möglichkeit: eine neue Geschichte zu beginnen.

Vorsicht Poesie!

Die Diskussion um den Text von Andrea Winkler war wirklich sehenswert. Ein poetischer Text, der für die Lesesituation sehr ungeeignet ist, langweilt zunächst einmal in einem Wettbewerb, der in den letzten Jahren so von den Entertainern beherrscht wurde.

Ich liebe diese Texte, die mir Spielraum als Leserin lassen und finde es sehr mutig von ihr sich diesem Wettbewerb mit diesem Text zu stellen.

Lesungen zum Bachmannpreis

Die Chronistin hat live mit gebloggt und ihre Einträge mit einem Twitter-Stimmungsbild versehen, so dass werktätig-verhinderte Menschen wie ich, sich wenigstens ein Bild von der Atmosphäre der vergangenen zwei Tage machen können.

Auch Andrea Diener bloggt in diesem Jahr wieder live mit, ihren Eintrag habe ich noch nicht ganz durch gelesen. Werde ich aber noch tun. Mein Gott, wie viel muss ich noch nachholen. Die nächsten Tage der deutschsprachigen Literatur werde ich bestimmt nicht mehr versäumen. Meine Urlaubsplanung für 2010 steht schon fest.

Heute

Die Lesungen zum Bachmannpreis habe ich alle verpasst. Ich werde sie mir nach und nach anhören, aber das ist selbstverständlich nicht halb so aufregend, wie ihnen live am TV zu lauschen und nebenbei die Kommentare dazu auf Twitter zu lesen. Nun ja, die Arbeit geht vor. Vielleicht passt es im nächsten Jahr wieder besser.

Heute morgen bin ich vor der Fahrt kurz an den PC und habe vom Tod Michael Jacksons gelesen. Ein einsamer, trauriger Mensch ist gestorben. Ein Mensch mit dem viele Menschen Mitleid hatten und ein Mensch, der jetzt ganz sicher zur Legende wird.

Was für ein Leben! Welche Anstrengungen er gemacht hat, um seine Identität zu verändern. Um ein anderer Mensch zu sein , ganz anders als der, als der er auf die Welt gekommen ist.

Arbeitsrhythmus

Strahlende Sonne ist draußen. Die Bäume leuchten. Der Arbeitstag liegt vor mir und stellt sich hoffentlich unter ein anderes Motto als gestern, denn gestern ging alles Schlag auf Schlag. Ständig kam ein neues Problem, eine neue Aufgabe hinzu.

Manchmal fühlt es sich gar nicht so verkehrt an, wenn die Geschwindigkeit anzieht. Solange trotzdem alles wie ein Zahnrad ins andere greift und die hinzukommenden Probleme sich in das Zahngetriebe einordnen lassen. Nur stolpern darf ich an diesen Tagen nicht. Denn dann fällt der ganze Rhythmus in sich zusammen und das Chaos beginnt.

Gestern ging alles gut, aber heute wäre mir ganz recht, wenn ich etwas länger an den geplanten Tätigkeiten bleiben können. Nun ja, das liegt nicht in meiner Hand. So ist mein Job: So liebe ich ihn.

Umsonst-Ökonomie

Irgendwie

Es heißt, dass Erinnerungen täuschen können. Vorallem die zeitliche Abfolge kommt manchmal durcheinander.

Aber:
Irgendwie passt meine Erinnerung nicht zu den nackten Rechnungstatsachen und die wiederum nicht zu den Blogeinträgen in der Sammelmappe. Insgesamt beträgt die Differenz zwischen Erinnerung und Rechnungsdatum drei Jahre und die zwischen Rechnungsdatum und Blogeintrag zweieinhalb Jahre. Wie ich es auch drehe und wende: Meine Lebensbiografie bleibt mir selbst ein Mysterium.

Allerdings stelle ich überrascht fest, dass meine Erinnerung nahe an den Blogeinträgen liegt – die vielleicht ja nicht zeitgleich zur Realität gemacht wurden – andererseits ist eine Differenz von zweieinhalb Jahren zwischen Realität und Blogeintrag auch unwahrscheinlich. So zeitverzögert agiere nicht einmal ich, die ich im Zeichen der Schnecke geboren bin.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es kommt keine sinnvolle Erklärung dabei heraus. Höchstens die: Dass die Einträge in der Sammelmappe meine Erinnerungen mehr prägen, als die erlebte Realität.

Nein, nicht wirklich. Es ergibt keinen Sinn, außer dem einen: Der Mensch täuscht sich ab und an.

Freundlichkeit ist eine Tugend

Freundlichkeit ist eine Tugend, hieß es früher und für die Höflichkeit gab es den Knigge, die Tanzschule und die Oberlehrerinnen und Oberlehrer. Der Höflichkeit habe ich nicht immer über den Weg getraut, zu oft war sie mit Unehrlichkeit oder einer Schleimspur verbunden. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich die Höflichkeit zu schätzen und freundliche Menschen sind die Sonnenstrahlen in meinem Arbeitsleben, denen ich mit Aufmerksamkeit huldige, als Dank für die Erquickung meiner geplagten Alltagsseele.

Ist es wirklich so trostlos? Ja, es ist. Es ist tatsächlich so. Ob an der Arbeit, in der Nachbarschaft oder hier im Internet. Der Umgangston ist seltsam rauh und grob geworden. Die Stimmen schwingen sofort mit Oberton und selbst die rudimentären Höflichkeitsregeln gelten nur ansatzsweise.
Jeder bemängelt die mangelnde Wertschätzung durch die anderen und bekritelt im selben Atemzug die Miteinanderarbeiten, die Miteinanderwirkenden.

Es lebe die Freundlichkeit!, denke ich bei mir und schau sie mir an. Es lebe die Wertschätzung, die herzliche Höflichkeit und das solidarische Miteinander!

Mobbing-Flüstertüte

die laue Mobbing-Flüstertüte
wird verschämt aus der Ecke gekramt
von allen Seiten betrachtet
zum Spaß in Betrieb genommen
und dann erst auf Hochglanz poliert

welch’ Zauberkraft geht von ihr aus
das Mobbing-Gesäusel verstärkt sie im Chor
gemeinsam im Rhythmus, im Takt mit ihr
wird der ungleiche Kampf eingeläutet
im Zeichen der Solidarität

nun zeigt die Mobbing-Flüstertüte
endlich die Kraft, die in ihr steckt
bringt die Welt ins Wanken
begleitet das Schlingern des Opfers
bereite voll Mitleid den Gnadenstoß vor

die Mobbing-Flüstertüte
wird beschämt in die Ecke gestellt
das Opfer stellt sich ganz von alleine

schachmatt

Linktipp

In den letzten Wochen bin ich nicht mehr so häufig wie früher dazu gekommen, meine Linktipps hier in der Sammelmappe zu posten. Schade, denn ich mag Tipps und ich mag auch immer wieder neue Blogs entdecken und mich an alte neu erinnern.

Und ihr? Habt ihr Lesetipps für mich? Immer her damit.