Das Glück springt mir aus der Tasche. Zum Ausgleich scheint die Venus im Morgengrauen in mein Zimmer.
Bald prasseln die Sternschnuppen vom Himmel.
Zur Erinnerung an die Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hatte. Dann fällt es leichter über die Gruben hinwegzusteigen, in denen die Träume vergraben werden.
Es ist wieder ein Drosten-Artikel rausgekommen und die Fangirls jubilieren. Ich verstehe, warum er eine Identifikationsfigur ist und Halt gibt, aber inhaltlich vertritt er nicht immer die besten Strategien.
Ehrlich gesagt: Ich finde sowohl diesen Artikel zum Teilen problematisch, als auch einige seiner früheren. Mir ist schon klar, dass das mittlerweile durch seine Rolle in der Öffentlichkeit kaum mehr anders sein kann. Aber die Situation wird dadurch nicht besser.
Seine Kritik an den Strategien der Gesundheitsämter und des RKI ist fundamental. Dann formuliert er einen Vorschlag für einen Krisenmodus und schreibt: „Hierüber muss Einigkeit bestehen.“
Ja, genau. Die drei wichtigsten Expertenkategorien Gesundheitsämter, RKI und er interpretieren und handeln nach unterschiedlichen Strategien, er erläutert das umfangreich und kommt dann zum Schluss, dass über seinen Vorschlag Einigkeit bestehen muss.
Das ist richtig, weil sein Vorschlag sonst für die Tonne ist. Das ist absurd, weil im Moment gerade das Problem besteht, dass mit Werkzeugen unterschiedlicher Strategien gearbeitet wird, jede Strategie für sich aber nur Sinn macht, wenn sie insgesamt und konsequent durchgezogen wird. Wenn also Einigkeit besteht. Was aber offensichtlich nicht der Fall ist.
Wir sitzen ganz schön fest in der Bredouille.
Die Menschen sind im Großen und Ganzen nicht unvernünftig. Es ist die Politik, die ihre Steuerungsrolle in dieser Situation nicht übernimmt. Es liegt in ihrer Verantwortung, sich für eine Strategie zu entscheiden und diese konsequent durchzuziehen. So viele unterschiedliche gibt es da ja nicht.
Davon abgesehen ist mein Favorit die Strategie, das Virus zu eliminieren. Drosten ging von Anfang an – also als die Zahlen noch einstellig waren – immer nur einer Strategie der Eingrenzung nach. Jetzt noch deutlicher, das gefällt mir nicht.
Trotzdem wäre ich beruhigt, wenn wenigstens diese Strategie flächendeckend und konequent umgesetzt würde.
Freie Tests für alle! Warum nicht schon seit Wochen?
Die Zahlen steigen und steigen.
In der Nacht von einem Wumms aufgewacht. Donner ohne Blitz. So schnell ging das. Der Regen hart und stark. Zu schnell vorbei.
Ich war noch nicht am Meer in diesem Jahr. Noch kein Urlaub seit den Weihnachtsfeiertagen, die ja auch eher aus Überraschungen der besonderen Art bestanden.
Jetzt hege ich eine kleine Hoffnung, die mit jedem Tag dahin schmilzt wie die Gletscher in den Alpen.
Was darf ich? Was kann ich wagen?
Bildbeschreibung: Alles Grüne, Zackige kommt von oben. Ist wohl keine Kastanie sondern eine Haselnuss?
Es ist zu heiß, um in Ruhe auf dem Balkon im Schaukelstuhl zu wippen. Früh im Morgengrauen traue ich mich nach draußen und gieße die Pflanzen. Der gezogene Dill ist wieder eingegangen, das Experiment will einfach nicht gelingen. Aus dem kleinen Ort hab ich mir ein nun ein Töpfchen mitgebracht. Eine Abwandlung der Vorgehensweise. Vielleicht gelingt es so besser.
Auf meinem Balkon wächst Kraut aber keine Rüben.
Ein Tisch steht da, zum Arbeiten, zum etwas Draufstellen, ein bisschen Vorratshaltung, denn wenn dieser Wohnung etwas fehlen sollte, dann ist es ein Vorratsschrank. Der einzige Minuspunkt, den ich bisher entdecken konnte. Deshalb muss der Balkon, das wettmachen und hält her. Für Kruschelkram und ruhige Zeiten. Für den Ausblick in den städtischen Horizont.
„Auf die Hitze folgen Blitze“. Das Wetterradar versucht sich in Poesie.
Bildbeschreibung: Zwei geschlossene Fensterflügel, dahinter die geschlossenen Rollläden.
Ich schließe die Hitze aus und verkrieche mich in meine dunkle Höhle. Dort kann ich über den Zahlen brüten. Sie steigen und steigen. Wer weiß schon, wie die Welt in zwei Wochen aussieht?
Ich setze die Maske auf wie einen Zauberschal. Längst nicht mehr nur dort, wo sie vorgeschrieben ist. Immer wenn ich mich sicherer fühlen möchte. In mir immer noch der große, tiefe Wunsch, es solle ein Wunder geschehen und diese zweite Welle möge sich verziehen. Auslaufen am Strand.
Große Sorgen macht die Inkompetenz der handelnden Personen. Die Strategien sind nicht klar. Und nein: es ist nicht nur die Unvernunft der Bevölkerung, die uns im Infektionsgeschehen zurück wirft.
Verstehen kann ich das nicht. Die Kurve wird steiler und trotzdem wird gelockert und gelockert. Die Priviligierten schützen sich, das Fußvolk sitzt in der U-Bahn und kämpft mit der Maske oder provoziert ohne. Ich versuche mich nicht aufzuregen und nicht jede Maskenpassung innerlich zu kommentieren. Fehler werden von denen gemacht, die die Macht verkaufen.
Ich knabbere am Schicksal und weiß doch, dass es unvermeidlich ist. Manchmal möchte ich mit beiden Händen Liebe in die Welt streuen. Für die, die mir am Herzen liegen. Lebendige Liebe. Laute und leise. Robuste und zarte. Einen Liebesteppich für eine sanftere Welt.