Journal11022020

Ein harter Arbeitstag. Schwerverdientes Geld. Fremd bestimmt. Hoher Einsatz.

Es ist Dienstag. Erst der Anfang der Arbeitswoche.

Kann es sein, dass ich an tiefgreifenden Kuba-Entzug leide?

Journal10022020

Der Sturm hat mich nicht zerzaust. Er beschert mir einen ruhigen Bürotag, denn für die anderen ist es schwer bis unmöglich zur Arbeit zu kommen.

Der Hauptbahnhof am Morgen mit einer ungewohnten Atmosphäre. Lange Schlangen an allen Infoschaltern, aber insgesamt sehr wenig Menschen verglichen mit dem sonstigen morgendlichen Gewusel. An Gleis 8 steht ein Hotelzug, so sagt es die Anzeigetafel. Ich denke an die Hotelschiffe, die zu Messezeiten am Main liegen und gehe daran vorbei, um den vermeindlich exklusiven Zug anzuschauen. Dort angekommen nennt er sich dann Aufenthaltszug und entpuppt sich als ICE, der den gestrandeten Reisenden ein Obdach gibt.

Die Kaltmamsell hat ihre Blogpause beendet und lobt Adriene für ihre Yoga-Stunden.

Die Politik schmerzt gerade. Nicht dass ich die Wunden nicht schon seit Jahren spüre. Die Demokratie röchelt vor sich hin. Geopfert auf dem Altar der Talkshows des öffenlich-rechtlichen Fernsehens. Ignorieren scheint kein Talent zu sein, das einen Coolness-Faktor besitzt.

Journal09022020

Hab alles festgezurrt und warte auf #Sabine. Schließlich kann es ja sein, dass beim #Sturmwichteln auch die was abkriegen, die gar nichts rausgestellt haben.

Ansonsten schickt mein Wochenend-Ich meinem Büro-Ich fleißig Mails. Immer in der Hoffnung dadurch den Stress zu vermindern. Aus dem Kopf und aus dem Sinn. Bin nicht sicher, ob die Strategie wirkt oder ob es sich um eine Vorstufe zum Burnout handelt.

Wird schon, denke ich bei mir und rühre in meiner heißen Schokolade. Wird schon werden.

Der Sonntag bekommt ein Herz, aber nur falls mir der Himmel nicht doch noch auf den Kopf fällt.

Journal08022020

Until you dig a hole, you plant a tree, you water it and make it survive, you haven’t done a thing. You are just talking.
Wangari Maathai

Afrika, mein Leben – die Autobiographie der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai führt mich in eine frühere Zeit, eine mir unbekannte Familien- und Verwandschaftsstruktur, eine Arbeits- und Versorgungswelt von der ich keine Ahnung habe und auf einen Kontinent der weit weit entfernt von meiner Heimat liegt.

Eine Gemeinsamkeit liegt aber auf der Hand. Sie ist eine Frau.

Eine Frau, die sich ihren Weg suchen und erkämpfen muss.

Ihr Green-Belt-Projekt – oder auch Grüne Mauer genannt – lebt weiter in Afrika. Es muss gigantisch sein und soll die Verwüstung der Landschaft aufhalten.

Standortbestimmung

Über dem Wasser und unter dem Radar.

Gezündelt wird aus der Mitte heraus.

Demokratie funktioniert nicht im Dienstleistungsmodus.

Da müssen wir schon alle ran.

Kraftvoll

Heute bin ich sicher :

Der Wurf des Blumenstrauß wird wahrscheinlich in die Bildgeschichte unserer Demokratie eingehen.

Als kraftvolle Metapher.

Journal06022020

Historischer Tag. Bitterer Tag. Ich mag nicht weiter nachdenken darüber, was heute in Thüringen passiert ist. Bin so müde in dieser Hinsicht.

Ansonsten gab es heute Gespräche. Für die werde ich bezahlt. Unter anderem. Gespräche über das, was mir wichtig ist. Der eine versteht es, die andere dreht sich ihr eigenes Ding zurecht.

Es war ein kalter Tag. In jeglicher Hinsicht. Gekrönt von einer Blumenfrau der besonderen Art.

Vielleicht wird irgendwann von diesem Tag, dieses eine Bild bleiben. Wie sie die Blumen zu Boden wirft, ans Grab dieser Demokratie.

Aus Protest gegen die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen hat Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow ihm einen Blumenstrauß vor die Füße geworfen.

Seelensauger

Es gibt eindeutig zu viele Seelensauger. Zombies, die sich durch das Aussagen von Seelen Lebensenergie rigoros sichern. Im Zeichen der Schnecke geborene tun sich schwer, wenn das Schneckenhaus angeknakst ist. Einen Schlussstrich fordern die Uneinsichtigen. Die Beiläufigen scrollen sich durch den Tag.

Die Vögel zwitschern

Bildbeschreibung: Fensterblick in der Dämmerung auf die kahlen Äste der Bäume im Hintergrund die Lichter der Straße und der Häuser


Die Vögel geben ihr Bestes und zwitschern geschäftig in der Abenddämmerung. Ob sie schon auf den Frühling warten?

Journal02022020

Was für ein Datum! Ein Palindrome. Lässt sich von hinten wie von vorne lesen.

Das Wetter hat sich historisch angepasst und zeigt mir ein Regenradar wie sonst nie. Alles blau. Regen, Regen, Regen. Aber es heißt ja: wir brauchen immer noch Regen um die zwei trockenen Sommer auszugleichen.

Also laufe ich unter meinem Regenschirm die Bergerstraße entlang. Sonntagspaziergang zwischen den Regenpfützen. Der Schrittzähler nimmt mir den Regenschirm übel und unterschlägt eine ganze Menge Schritte. Das wiederum nehme ich dem Schrittzähler übel und laufe eine zusätzliche Runde.

Der Wind treibt die dunklen Wolken vor sich her, als hätte er noch größeres vor.

Morgen, übermorgen weiterhin Regen.