Bin mir nicht ganz sicher, ob ich überreagiere. Nutzt aber nichts: ich bin und bleibe stinksauer.
Meine Geduld hat sich abgenutzt wie ein altes Scheuertuch. Sie ist löchrig geworden und jetzt ist sie endgültig in Stücke gerissen. Zerfetzt geradezu.
Ein guter Zeitpunkt um ein Pokerface zu üben. Oh, ich werde den nächsten Zug ganz besonders genießen! Diese Partie geht auf mich. Es wird Zeit, dass ich auf neue Regeln bestehe.
Der Versuch das schöne Morgenvideo hier in der Sammelmappe einzubinden ist schief gelaufen. WordPress kann das nicht.
Hab mich auf TikTok angemeldet, weil ich neugierig bin, aber weiß nicht so recht, wem ich folgen soll. Snapchat hab ich schon gern gemocht, aber letztendlich ist meine Nutzung eingeschlafen, weil ich dort etwas orientierungslos bin. Ob es mir bei TikTok genauso geht?
Es ist noch dunkel draußen. Drinnen auch. Aber da leuchtet das Smartphonedisplay und führt mich ein in den Morgen.
Die magischen Tage werfen ihre Schatten in die Dunkelheit. Mitten in die Seele. Das ist nicht unangenehm. Zum Ausgleich gibt es die Lichter in der Einkaufsstraße.
Im nächsten Leben erfinde ich ein energetisches Kraftfeld, das es Menschen ermöglicht, negatives Karma in singende und summende Seifenblasen-Choreographien zuverwandeln.
Der Kalender ist schon so dünn, mir fällt es schwer, ihm die letzten Tage wegzuzupfen.
„Rolltreppe, die hoch fährt in die Eingangshalle des Frankfurter Hauptbahnhof. Er ist weihnachtlich geschmückt, die Verkaufsbude ist noch geschlossen.“
Das Jahr nimmt nochmals an Fahrt auf, aber ich mag nicht mehr beschleunigen. Es reicht. Jetzt ist die Zeit, um Angefangenes zu Ende zu bringen. Dann darf ich mich auch bald reset-ten. Einen Neustart wagen, wie jedes Jahr.
Die Marseille Träume haben wir in der Zwischenzeit beiseite gelegt. Es ist nicht die Zeit, Abenteuer zu wagen. Es sind ernste Zeiten. Kostbare. Heitere. Intensive.
Heute morgen bis 7:30 Uhr hatte ich schon drei (!) Begegnungen mit Männern im öffentlichen Raum hinter mir, die mich in unterschiedlichen Situationen angepöbelt haben.
In keinem Fall war Alkohol im Spiel.
Bei der ersten Situationen um 6 Uhr pöbelte mich ein älterer Mann im Dunkeln an, der von hinten mit seinem Hund laut keuschend angejoggt kam. Ich trat auf dem Gehweg einen Schritt zur Seite um Platz zu machen und mich auch umzudrehen. Eigentlich nur, weil mir mein Gefühl schon sagte: Vorsicht! Da pöbelte er im Vorbeigehen.
Die zweite Situation war in der Schlange beim Bäcker im Hauptbahnhof, da pöbelte mich der junge Angestellte an. Auch da gab es keinen Grund nicht mal einen Anlass. Hab gegrüßt, meinen Wunsch geäußert, das Geld lag schon auf der Theke, mich bedankt. (Nicht dass es ein Grund zur Pöbelei gegeben hätte, wenn ich eins davon nicht sofort gemacht hätte.)
Und dann im Zug nochmal ein mittelalter Geschäftsreisender, der die Continuance verlor, nachdem klar war, dass der Zug technisch bedingt noch mal gecheckt werden würde.
In jeder dieser Situationen war ich total unauffällig, sowohl äußerlich, als auch vom Verhalten her. Und jetzt frage ich mich, ob dass das ist, was mich in Zukunft erwartet. Offensichtlich ist das Merkmal „ältere Frau“ eine Aufforderung an frustrierte Männer ihre Aggressionen abzuladen. Anders kann ich mir es nicht erklären.
Reagiert habe ich auf alle drei Vorfälle gleichermaßen: ich habe die Pöbler angeschaut und kein Wort dazu gesagt.
Ich war nicht bereit Ihre Ansprechpartnerin zu sein.
Schneller als gedacht hab ich mich dann doch wieder eingekriegt. Ich kann sie nicht ändern, die Welt. Und beruflich muss ich erst recht in den sauren Apfel beißen. Hab keine Wahl und da hilft nur die innere Verachtung.
Aber wie viel Kraft das doch kostet! Wie viel Energie mir das raubt! Da helfen keine Abschottungsstrategien. Es ist harte, kalte Währung in der ich meinen Preis dafür zahle.