Journal10122019
Eine der größten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte ist das Blasenpflaster.
Alle andere Assoziationen bleiben mir im Halse stecken.
Eine der größten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte ist das Blasenpflaster.
Alle andere Assoziationen bleiben mir im Halse stecken.
Die Angst vor dem Fremden in mir. Christoph Schlingensief hat eine ganze Kirche daraus gemacht. Im besten Fall ist das Fremde aber das andere. (Ironie an, Ironie aus. Im Internet nie unterwegs ohne deinen Zwinkersmilie.)
Es scheint irgendwo immer ein Grüppchen Menschen in einer Ecke zu stehen, die ins Spielfeld des Lebens fremder Menschen hinein rufen, was sie zu tun und zu lassen haben. Möglichst laut, möglichst derb, möglichst im Brustton der Überzeugung, möglichst von oben aus einer privilegierten Position heraus.
Der Blick ins fremde Lebenswelten – unterhaltsam und immer auf der Suche nach mehr. Leserinnenkrankheit: Dieses Schweifen in fremden Gedanken. Faszinierende Neugierde mit Suchtgefahr.
Fremdeln – es scheint uns in die Wiege gelegt.
Wir sind die Guten, die anderen – die Fremden, die Feinde, die
Ungläubigen, die Reichen, der Pöbel oder wer auch immer – sind die
Bösen.
Jetzt ergibt sich aber das Problem, dass die Guten nicht immer gut sind.
Manchmal liegt das an der Tageszeit, manchmal am Wetter und manchmal an
der Verdauung. Mit einem Mal sind die Guten böse und die Bösen gut. Und
die Fremden sind immer noch fremd.
Verwandelt. Plötzlich ist Dir Dein Alltag fremd. Wenn Du Mutter wirst. Oder arbeitslos. Wenn Deine Freundin stirbt. Wenn Dein Körper streikt. Wenn Dein Liebster Dich verrät. Wenn Du in einem fremden Leben aufwachst.
Sie trägt ihr Interesse für das Fremde wie eine Auszeichnung vor sich her. Mich befremdet das.
Fremd ist mir auch alles, was ich nicht verstehen kann.
Fremde Männer – die größte, anzunehmende lauernde Gefahr. So wurde es mir beigebracht.
Fremdeinwirkung – fast immer gefährlich. Manchmal auch lebensgefährlich.
Die fremde Sprache verunsichert, verlangsamt das Denken, macht aus mir eine stumme Zuschauerin.
Fremdeinschätzung – und plötzlich ist das Gegenteil von fremd das Selbst.
Mein Beitrag zu den Mutmaßungen über das Fremde bei der Graugans

Was für ein rasantes Buch von Gertraud Klemm.
Es wird als feministische Roadstory angepriesen. Eine ältere feministische AktivistIn macht die vergessenen Care-Arbeiten und die Künstlerinnen sichtbar. Manchmal auch provokant riechbar.
Im Stil ist es ganz einfach, direkt und humorvoll geschrieben, zwischendurch voller kerniger Wahrheit.
Bei der Zeitreise durch 50 Jahre Feminismus bleibt kein Gefühl unbeschrieben. Der Optimismus in den jungen Jahren etwas bewirken zu können. Der Glaube an das eigene Talent. Wie dann aber so nach und nach mit jeder scheinbar individuellen Entscheidung sich das Schicksal seinen Anteil holt und dieser Anteil in so vielen Fällen ein weiblicher ist. Es folgen das Aufbäumen, das beharrlich Rütteln an den ungeschriebenen Gesetzen, die kräftezehrenden Care-Arbeiten, der Zorn und die Wut.
Getragen wird die Handlung aber durch die Freundschaft der beiden Frauen. Die eine tot, die andere trauert auf kreative Art. Sie will nicht hinnehmen, dass das Leben und das Werk der Freundin in der Unsichtbarkeit endet.
Mit Kraft und Power tritt sie ihren aktivistischen Roadtrip an unterstützt von einem männlichen Helferlein.
Es mag die Jahreszeit sein. Diese Stimmung am Morgen. Diese Atmosphäre.
Die Welt ist besonders präsent, das Unglück, die Konflikte, der Krieg, die Gewalt und die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben. Die Freude an der Natur, das Erleben der Stille. Die Erinnerungen an freundschaftliche Zeiten, das Vertrauen in die Zukunft. Die Hoffnung.
Der Glaube an das Gute im Menschen.
müde geseufzt
Aktueller Plan:
Den Tag mit Küssen aufladen.
Mehr Bilder wünsche ich mir. Mehr Bilder in meinem Kopf. Schöne Bilder, alte Bilder, Vergangenheit, Alltag, Häuser, Straßen, Wege, Züge. Ruhige Bilder. Unspektakuläre Bilder. Schwarz-weiß und bunt durchgemischt.
Ich brauche mehr Bilder in meinem Kopf, gewebte und gestrickte, Collagen gerne auch. Ganz sanft, vielleicht sogar aus Samt.
Eine Bilder-Gegendarstellung im Herzen.
Von der schummrigen Sorten.
Auf keinen Fall laut.
Alles wird gut, sage ich mir.
Bestimmt, ganz bestimmt wird alles gut. Irgendwie und irgendwann.
In der Zwischenzeit lebe ich. Fühle ich.
Irgendwie.
Alles wird gut.
Jede weiß, dass das nicht stimmt.
81. Was würdest du tun, wenn du fünf Jahre im Gefängnis sitzen müsstest? Fünf Jahre wäre ein harter Brocken für mich. Gerade jetzt in diesem Lebensalter, in dem die Zeit wegläuft. Wahrscheinlich würde ich lange tief und innig mit der Welt hadern.
82. Was hat dich früher froh gemacht? Früher? Als Kind? Auf die Kirmes gehen und mit der Schiffschaukel in den Himmel schwingen.
83. In welchem Outfit gefällst du dir sehr? Praktisch, bequem, bunt oder hell.
84. Was liegt auf deinem Nachttisch? Ich besitze keinen Nachttisch sondern eine wunderbare Bett-Seitentasche. Leider habe ich mir darin meine Brille krummgebogen, dort liegt mein Tagebuch, Taschentücher, Kugelschreiber und anderer Kram drin.
85. Wie geduldig bist du? Fremdeinschätzung am Arbeitsplatz oft: sehr geduldig. Selbsteinschätzung im öffentlichen Raum: ich kann eine ziemlich aggressive Person sein, wenn mir irgendwer Raum oder Zeit streitig macht. Außerdem bin ich wie eine Prinzessin gewohnt, dass mein Alltag privilegiert reibungsfrei läuft. Jede Störung der Taktung führt zunächst dazu, dass ich in eine Verzweiflung verfalle, die sich nur nach und nach wieder aufheben lässt.
86. Wer ist dein gefallener Held? Keine Ahnung.
87. Gibt es Fotos auf deinem Mobiltelefon, mit denen du erpressbar wärst? Wahrscheinlich nicht.
88. Welcher deiner Freunde kennt dich am längsten? Da ihr meine Freundinnen nicht kennt, ist die Antwort entbehrlich.
89. Meditierst du gern? Auf meine Weise.
90. Wie baust du dich nach einem schlechten Tag wieder auf? Gar nicht. Ich gebe mich meiner Verzweiflung, Erschöpfung, Müdigkeit, meinem Unmut hin.
Die Fragen stammen ursprünglich aus dem Flow Magazin, und Beyhan hat daraus eine PDF-Datei erstellt.
Wenn ich dieses Jahr mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre müde, die ehrlichste Wahl.
Ich bin müde. In jeglicher Hinsicht. Ich bin müde und süchtig nach Schlaf. Jederzeit könnte ich schlafen und träumen. Mich in die Ecke legen und bei mir sein. Nur bei mir.
Zwischendurch erfreue ich mich noch wenn ich lesen kann oder schöne Sachen kucken.
Aber meistens muss ich ja doch arbeiten, mir Sorgen machen, mich mit Dingen beschäftigen, mit denen eine sich als verantwortsvolle Erwachsene eben so beschäftigen muss.
Diese Welt ist nicht gemacht für introvertierte Menschen und je älter ich werde, desto mehr Kraft und Energie kostet mich das ständige Interagieren mit Menschen.
Zum Glück habe ich das aber langsam akzeptiert und dem schlechten Gewissen ein Schnippchen geschlagen.
Ich bin müde. Das gehört zu mir.

Nach den 70er Jahren habe ich mir jetzt das Wörterbuch von Hans Hütt aus dem Dudenverlag für die 80er Jahre vorgenommen.
Mein Leben als junge Erwachsene ist hart in die 80er Jahre gestartet. Die Welt stand denen mit wenig Geld nicht wirklich offen, aber ihre Fenster wurden weit geöffnet, frische Luft strömte hinein und wieder heraus.
Die Welt wurde bunt und grell, die Politik zog alle Register. Das Buch lässt die Erinnerungen vorüber ziehen: die Schulterpolster wachsen, der Zauberwürfel dreht sich, die La-Ola-Welle rollt.
Ich blättere mich durch meine frühen Jahre, während die 99 Luftballons fliegen, die Atommächte sich bedrohen und der Weltraum zum Kampfgebiet ausgerufen wird. Die Computer piepen und zurren. Die Freaks dazu lernte ich erst später kennen. Dass Frauen ihre eigenen Wege gehen können, darauf vertraute ich damals mehr als heute.
Die Zeitreise mit diesem kleinen Buch ist ideal als Geschenk geeignet.